Chiemgau Impakt

Forscher nun sicher: „Meteoriteneinschlag war zwischen 900 und 300 vor Christus“

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Die bestätigte Vorstandschaft des Forschungsförderungsvereins Chiemgau- Impakt: Zweiter. Vorsitzender Dr. Michael Rappenglück (von links), dritter Vorsitzender Philipp Mayer, erster. Vorsitzender Josef Konhäuser, Kassier Alfred Dufter und Schriftführer Hans-Peter Matheisl. Nicht auf dem Foto ist Thomas Bliemetsrieder, der dem Gremium nun auch angehört.

Traunstein - Der Chiemgau-Impakt-Förderverein zur Erforschung des südostbayerischen Meteoritenkrater-Streufeldes bleibt unter bewährter Führung. 

Erster Vorsitzender Josef Konhäuser, zweiter Vorsitzender Dr. Michael A. Rappenglück und dritter Vorsitzender Philipp Mayer wurden von den anwesenden Mitgliedern in der Jahreshauptversammlung im Salettl des Gasthauses Aubräu einstimmig für drei weitere Jahre wiedergewählt. In ihren Ämtern verbleiben auch Kassier Alfred Dufter und Schriftführer Hans-Peter Matheisl. 

Neu in die Vorstandschaft mit aufgenommen wurde auf Vorschlag der Vorstände Heimatforscher Thomas Bliemetsrieder, der auch dem Chiemgau Impact Research Team (CIRT) angehört – einer 2004 ins Leben gerufenen Forschergruppe aus Geowissenschaftlern, Astronomen, Impaktforschern, Archäologen und Geschichtsforschern. Kassenprüferin ist weiterhin Rosina Neumann. Als zweiter Kassenprüfer zur Seite steht ihr nun Reinhardt Heybrock. Er ersetzt Peter Wöhrl, der die Vereinskasse viele Jahre gewissenhaft geprüft hatte und unlängst verstarb. 

Die Wahl leitete Barbara Rappenglück. Dem eng mit renommierten Forschern aus dem In- und Ausland zusammenarbeitende CIRT ist es in den letzten Jahren auch mit Hilfe von geophysikalischen Messungen (u.a. Bodenradar) an den Einschlagkratern gelungen, den Chiemgau-Impakt immer besser zu belegen. Während man bisher davon ausging, dass der Meteoriteneinschlag, der zwischen Altötting und dem Chiemsee ein elipsenförmiges Kraterstreufeld hinterlassen hatte, zwischen 2.200 und 300 vor Christus erfolgt war, konnten die Wissenschaftler diesen Zeitraum nun auf rund 600 Jahre eingrenzen. 

„Wir gehen jetzt davon aus, dass er zwischen 900 und 300 vor Christus stattgefunden hat, also in der frühen Eisenzeit“, so Michael Rappenglück. Wie dies gelang, erklärte seine Frau Barbara Rappenglück M.A. anhand einer „Katastrophenschicht“, die man im Zuge einer archäologischen Grabung vor rund zehn Jahren in Stöttham bei Chieming im Profil (zwischen den archäologischen Schichten der Jungsteinzeit und der Römischen Kaiserzeit) ausgemacht hatte. 

Mitverursacht worden sei diese mit großer Wahrscheinlichkeit durch einen verheerenden Tsunami, ausgelöst vom Chiemgau-Impakt, der auf dem Grund des nahen Chiemsees (Ostufer) einen 900 mal 500 Meter großen Doppelkrater hinterlassen habe. In dieser Katastrophenschicht sei auch ein eisernes Artefakt vorgefunden worden, das infolge extremer Temperaturen Bestandteil eines Impaktgesteins geworden sei, was man so weltweit noch nie beobachtet habe, so Rappenglück. Da Eisen-Artefakte in Mitteleuropa aber erst ab zirka 900 vor Christus massenhaft produziert worden seien, könne der Meteoriteneinschlag nicht früher gewesen sein. 

„Durch die Schock-Ausbreitung des Chiemgau-Impaktes ist der Untergrund über weite Strecken wie bei allerschwersten Erdbeben durcheinander deformiert, extrem aufgelockert und in den folgenden Zeiten die Erdoberfläche unterspült worden“, so Michael Rappenglück. Bis zu 200 Kilogramm schwere Nagelfluh-Gesteinsbrocken seien nachweislich bis zu einen Meter im Untergrund angehoben worden, was sich mit eiszeitlichen Phänomenen und Zusammenhängen nicht erklären lasse. Selbiges gelte für die aufgefundenen exotischen Stoffe. 

So seien die entdeckten Eisensilizide in den meisten Fällen kosmischen Ursprungs. Dass das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) den Tüttensee jüngst als „registriertes Geotop eines eiszeitlichen Toteis-Gebildes“ deklariert habe, zeige einen „Mangel an Kenntnis physikalischer Zusammenhänge“, so Rappenglück, der auch den Part seines verhinderten CIRT-Kollegen Prof. Dr. Kord Ernstson übernahm. Anhand des Digitalen CIRT- Geländemodells veranschaulichte Rappenglück den Eglsee-Krater bei Nußdorf. Dass dieser nur zu dreiviertel erhalten sei, erklärte er mit der Ausräumung durch den Rückfluss des Chiemsee-Tsunamis. Ein Publikations-Highlight sei im Vorjahr die Poster-Präsentation zum

Chiemgau-Impakt bei der Lunar & Planetary Science Conference bei Houston/Texas (USA) gewesen, einer der renommiertesten internationalen Tagungen für Forschungsaspekte der Planeten, Meteorite und Impaktstrukturen. „Wir hatten im Vorjahr einen Überschuss von 1.440,18 Euro“, freute sich Kassier Alfred Dufter und verwies auf Einnahmen in Höhe von rund 4.597 Euro und Ausgaben in Höhe von rund 3.157 Euro. Die Einnahmen setzten sich größtenteils aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Bücherverkaufserlösen zusammen. 

Etwa dreiviertel der Ausgaben flossen in die Forschung. Um auch in Zukunft Spendenquittungen ausstellen zu können, sei es wichtig gewesen, vom Finanzamt als gemeinnütziger Verein bestätigt worden zu sein, so Dufter. Die alte Vorstandschaft wurde einstimmig entlastet. Wie Konhäuser anmerkte, bekomme der Verein „nach wie vor keinen Cent aus öffentlichen Haushalten“ und müsse die Forschungsarbeit komplett aus eigenen Mitteln finanzieren. Ohne Ehrenamt wäre dies so gar nicht möglich. 

„Um nun den nächsten Schritt zu machen, werden wir in Zukunft noch mehr Geld für die Forschung ausgeben“, kündigte Konhäuser an. Völlig unverständlich sei, dass die Chiemgau- Impakt-Forscher in Bayern „immer noch wie Aussätzige behandelt werden“, obwohl deren wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien international längst anerkannt seien. Auch wenn man nicht ständig in den Medien auftauche, seien der Förderverein und der CIRT aktiv, „vieles läuft aber im Hintergrund“, betonte der erste Vorsitzende. 

Auf das im Erdgeschoss der Grabenstätter Schlossökonomie untergebrachte Chiemgau-Impakt-Museum sei man sehr stolz, auch wenn der Ausstellungsraum mittlerweile deutlich zu klein geworden sei. Ein besonderer Dank galt der Gemeinde Grabenstätt auch für die Beteiligung am Leader-Projekt zur Förderung von Museen. Beim Internationalen Museumstag am Sonntag, 19. Mai hoffe man wieder viele interessierte Besucher im Chiemgau-Impakt-Museum begrüßen zu können, so Konhäuser. 

mmü 

Quelle: chiemgau24.de

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