Traunstein erhält Friedensmedaille

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Würdigung der besonderen Verdienst der Stadt Traunstein für vorbildliche Partnerschaften mit den vier Traunsteiner Partnerstädten Gap, Pinerolo, Haywards Heath und Wesseling. Von links: Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl, Oberbürgermeister Manfred Kösterke mit der Europa-Ehrenurkunde, Dietmar Woesler vom Forum Internationale Partnerschaft und Alt-Oberbürgermeister Rudolf Wamsler mit der überreichten Friedensmedaille.

Traunstein - Als erste Stadt in Bayern wurde Traunstein jetzt mit der Friedensmedaille für ihr vorbildliches Engagement im Bereich der Städtepartnerschaften ausgezeichnet.

Das Eingehen von Städtepartnerschaften war insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Baustein zur Völkerverständigung und auf kommunaler Ebene gerade in den vergangenen Jahrzehnten für das Zusammenwachsen Europas unerlässlich. Der Stadt Traunstein wurde jetzt für ihr vorbildliches Engagement im Bereich der Städtepartnerschaften eine hohe Auszeichnung zu Teil: Für die Verdienste Traunsteins in den seit mehreren Jahrzehnten bestehenden Städtepartnerschaften mit Gap (Frankreich), Pinerolo (Italien), Haywards Heath (Großbritannien) sowie Wesseling (Deutschland) erhielt die Stadt Traunstein vom "Forum Internationale Partnerschaft" die Friedensmedaille "Internationale Partnerschaft" überreicht, die Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke zusammen mit seinen Amtsvorgängern Fritz Stahl und Rudolf Wamsler im Großen Saal des Rathauses entgegen nahm. Bisher wurde die Auszeichnung bundesweit erst an sieben Kommunen vergeben, in Bayern ist Traunstein die erste Stadt, der diese Auszeichnung zu Teil wird.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke betonte zu Beginn des Festaktes, zu dem insbesondere auch Vertreter der Schulen, Vereine und Verbände geladen waren, dass es für ihn wichtig sei, dass sich die Menschen kennen lernen würden – gerade vor dem Hintergrund oft kultureller Unterschiede. Umso notweniger sei es, dass Freundschaften geschlossen würden und das Gegenüberstehen von Ländern, die sich als "Erzfeinde" bezeichneten für immer der Vergangenheit angehöre. "Jede Generation muss es neu schaffen, dass sich die Menschen, dass sich die Herzen verstehen", betonte das Stadtoberhaupt. Deshalb sei es nötig, die Städtepartnerschaften auch nach langen Jahren und Jahrzehnten des Bestens mit "Leben" und gemeinsamen Aktivitäten zu füllen, die die Menschen zusammen brächten. Dem europäischen Gedanken liege – gerade auch in der Eurokrise – ein solidarischer Ansatz zugrunde. Daneben finde sich dort auch das Gedankengut christlicher Nächstenliebe wieder.

Auszeichnung für Städtepartnerschaften

Er lobte und bedankte sich für das Engagement der vieler Beteiligter bei verschiedenen Treffen mit den Städtepartnern. Man wolle hier auch weiterhin an aktiven Städtepartnerschaften arbeiten. So stünden unter anderem das Sportlertreffen in Pinerolo im Mai oder die Jubiläumsfeiern zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft in Wesseling im Juli an.

Dietmar Woesler aus der nordrhein-westfälischen Stadt Königswinter, der für das "Forum Internationale Partnerschaft" verantwortlich zeichnet, sagte in seiner rund halbstündigen Rede, dass europäische Institutionen 1985 die Notwendigkeit von dauerhaften Städtepartnerschaften erkannt und seither gefördert hätten. Bereits zuvor seien aber Städtepartnerschaften wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, als die Alliierten – vor dem Hintergrund dramatischer wirtschaftlicher Not in Deutschland aber auch zur Förderung des Demokratieverständnis – mit Deutschen Städten Partnerschaften eingingen. Heute bestünden bundesweit 15.000 Partnerschaften, in denen sich jährlich rund 12 Millionen Bürger der verschiedenen Städte treffen. In Bayern bestünden derzeit 1181 Partnerschaften, die sich insbesondere auch auf Frankreich und Italien konzentrierten. Aber auch über Europa hinaus gäbe es beispielsweise mit israelischen Städten und Städten in der Ukraine Verbindungen. Kritisch führte Woesler aus, es sei heute praktisch jede fünfte Städtepartnerschaft nicht mehr aktiv. Traunstein sei hier eine positive Ausnahme, die die Städtepartnerschaften aktiv pflege.

Die Einführung der Friedensmedaille sei nach der Verleihung des Friedensnobelpreis 2012 für die Europäische Union auf europäischer Ebene beschlossen worden, um den Friedensgedanken den Bürgern näher zu bringen. Dies zeige sich gerade auch in Traunstein in Form eines lebendigen Austausches auf der Ebene der Bürger und der Vereine und die Pflege der persönlichen Kontakte über die Staatsgrenzen hinaus. Anschließend überreichte Woesler dem Traunsteiner Oberbürgermeister Kösterke die Friedensmedaille 2014 und die Europa-Ehrenurkunde. Der Oberbürgermeister band in die Würdigung auch seine beiden Amtsvorgänger Fritz Stahl und Rudolf Wamsler ein, die sich um die Städtepartnerschaften besonders verdient gemacht hatten und deren Entstehen in ihren Amtszeiten fiel.

Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements

Im Nachgang zur Verleihung der Friedensmedaille wurden vier Bürger aus dem Landkreis mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet: "Sie stehen beispielhaft für die Freundschaft der Partnerstädte und die Völkerverständigung" betonte Oberbürgermeister Kösterke. Melanie Möll aus Grabenstätt hatte in ihrer Zeit als Lehrerin an der Reiffenstuel-Realschule Traunstein den Schüleraustausch mit dem College in Haywards Heath über viele Jahre organisiert, der schließlich zur Gründung der Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt führte. Wolfgang Stark aus Traunstein hatte in seiner Zeit als Schulleiter an der Staatlichen Berufsschule I Traunstein das Projekt Europäisches Berufszertifikat mit Berufsschülern aus Traunstein, Gap (Frankreich) und Pinerolo (Italien) ins Leben gerufen, das eine Auszeichnung von der EU-Kommission erhielt. Horst Hexel aus Vachendorf wurde für sein Engagement in der Städtepartnerschaft Traunsteins mit Gap geehrt. Ist er doch seit über 15 Jahren für einen Austausch zwischen der Marinekameradschaft Traunstein und ihren französischen Kollegen in Gap federführend. Max Spiegelsberger aus Traunstein trug durch sein Engagement bei, dass aus dem ursprünglich privaten Austausch mit der deutschen Stadt Wesseling eine offizielle Städtepartnerschaft wurde.

Die Vier erhielten eine Ehrenurkunde des Forums Internationale Partnerschaft überreicht und durften sich zum Ende der gut eineinhalbstündigen Festveranstaltung in das Ehrenbuch der Stadt Traunstein eintragen.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke griff zum Schluss der Veranstaltung den Gedanken einer Rede auf, die der frühere englische Premierminister Winston Churchill im September 1946 an der Universität Zürich gehalten hatte und dort eindringlich sowohl auf eine Versöhnung der europäischen Nationen hinwies, wie auch das visionäre Zusammenwachsen eines vereinten Europas skizzierte. Kösterke betonte die Notwendigkeit, dass sich die jeweiligen Generationen immer wieder neu für ein gutes Miteinander in einem vereinigten Europa entscheiden müssten: "Das europäische Haus müssen wir junge Leute immer wieder neu aufbauen."

awi

Quelle: chiemgau24.de

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