Schutz vor Georisiken und Naturgefahren

Baubeginn für die Schutzgalerie an der B21

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Mure auf der Bundesstraße 21 (2010)

Berchtesgaden - Die B21 ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen im Landkreis. Jetzt soll sie mit einer Schutzgalerie wetterfest gemacht werden:

Die Bundesstraße 21 ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen im Landkreis Berchtesgadener Land. Sie verbindet innerhalb der Region die Gemeinde Schneizlreuth mit der Stadt Bad Reichenhall und ist für die Stadt Salzburg und das Bundesland Salzburg die kürzeste Verbindung zu den österreichischen Urlaubsregionen in Tirol und im Pinzgau über das „Kleine Deutsche Eck“. Überregional erhält die B 21 ihre Bedeutung durch ihre Weiterführung auf österreichischer Seite zur Inntalautobahn. Dieser Streckenzug ist daher als Europastraße ausgewiesen und somit auch ein wichtiger Bestandteil des europäischen Straßennetzes.

Neben den allgemeinen Problemen und Gefahren einer stark befahrenen Bundesstraße mit einer Verkehrsbelastung von rund 7.000 KFZ/24h und einem Schwerverkehrsanteil von circa 1.000 KFZ/24h kommen durch die Trassenführung entlang der Berghänge noch zusätzliche Gefahren für die Straße und deren Verkehrsteilnehmer durch natürliche Ereignisse wie Hochwasser an den Wildbächen, Murgänge, Lawinen, Stein- und Blockschläge, Felsstürze und Eisschläge hinzu.

Entwicklung eines Schutzkonzeptes

In Abstimmung mit der Obersten Baubehörde wurde entschieden, für die B 21 ein „Integrales Schutzkonzept“ gegen diese Naturgefahren zu entwickeln. Ziel ist es, die Bundesstraße durch das Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen so zu schützen, dass sie sowohl für den regionalen als auch die überregionalen Verkehr ganzjährig mit gößtmöglicher Sicherheit befahrbar ist. Bei der Entscheidung, welches Schutzniveau zugrunde gelegt wird, spielten neben dem Schadenspotential auch Faktoren wie der durchschnittliche Tägliche Verkehr (DTV), die Verkehrsbedeutung der Straße und die Umleitungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Basierend auf diesen Untersuchungen wurde ein Schutzkonzept entwickelt, das in den nächsten Jahren entlang der gesamten Strecke umgesetzt werden soll.

In Bereich Baumgarten am meisten gefährdet

Wegen der Komplexität und des Umfanges dieses Projektes wurde eine Prioritätenreihung vorgenommen. So steht in einem ersten Schritt neben dem Schutz der Verkehrsteilnehmer die Erreichbarkeit der Gemeinde Schneizlreuth von und zur der Kreisstadt Bad Reichenhall im Vordergrund, damit eine Notfallversorgung in der Gemeinde jederzeit gewährleistet werden kann. In einem zweiten Schritt erfolgt die Sicherstellung einer durchgängigen, überregionalen Verbindungsfunktion im Abschnitt zwischen der Landesgrenze Melleck und Schneizlreuth. Die bisherigen Erfahrungen und die Auswertungen der Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die B21 im Bereich Baumgarten unterhalb des Vogelspitzes am stärksten durch Naturgefahren gefährdet ist und daher vordringlich zu behandeln ist. Zentrales Schutzbauwerk in diesem stark gefährdeten Bereich wird eine 139m lange Schutzgalerie gegen Steinschläge, Muren und Lawinen sein.

Ansicht der Schutzgalerie aus Richtung Bad Reichenhall (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Sie ist als halbseitig offener Rechteckquerschnitt aus Stahlbeton geplant. Um für die Steinschläge eine ausreichende Dämpfung auf der Decke des Bauwerks zu erreichen wird eine Überschüttung des Bauwerkes von im Mittel ca. 3 m erforderlich. Für die Überleitung von Muren und Lawinen ist außerdem ein ausreichendes Gefälle dieser Überschüttung notwendig. Dadurch wird sichergestellt, dass nur kleine Ablagerungen auf dem Bauwerk liegen bleiben. Diese Vorgaben machen letztlich eine Verschiebung der bestehenden Straßenführung um bis zu 9,50m in Richtung Hang notwendig.

Bauablauf/Bauzeit:

Als Bauzeit sind in diesem Jahr noch ungefähr 5 Monate und 2015 circa 6 Monate geplant. Witterungsbedingt sind im Winter keine Arbeiten vorgesehen, da in dieser Zeit wegen der schwierigen örtlichen klimatischen Bedingungen eine wirtschaftliche und technisch einwandfreie Herstellung des Bauwerks nicht möglich ist. 2014 werden zuerst die Hangabtrags- und Sicherungsarbeiten im Bereich des Hanges durchgeführt. Nach Fertigstellung von ersten Teilabschnitten wird bereits unmittelbar mit den Betonarbeiten für die Galerie begonnen. Die Fundamente und bergseitigen Wände, sowie die talseitigen Stützen werden blockweise hergestellt. Noch vor der Winterpause müssen in den fertiggestellten Bereichen die Galeriedecke erstellt und überschüttet werden, um das Bauwerk vor Lawinen oder Steinschlägen während der Winterperiode zu schützen. Diese Arbeiten sollen bis Ende November 2014 abgeschlossen sein.

Keine Vollsperrung

Heuer ist keine Vollsperrung vorgesehen. Der Verkehr soll planmäßig zweispurig über die lokale Baustellenumfahrung und nur bei Bedarf einspurig gesteuert durch eine Lichtsignalanlage geführt werden. In der zweiten Bausaison ab April 2015 werden die restlichen Wände, Stützen und Deckenelemente betoniert. Im Anschluss erfolgen die Entwässerungs- und Asphaltierungsarbeiten in der Galerie. Zum Schluss müssen noch größere Arbeiten auf und neben der neuen Schutzgalerie durchgeführt werden. Dies sind vor allem der Einbau einer Dämpfungsschicht auf dem Galeriedach, die Herstellung größerer Leitwälle, die Ausbildung eines Gerinnes zur Überleitung des Wildbaches und der Bau eines Havariebeckens.

2015 sechs Wochen Vollsperrung

2015 werden insgesamt rund 6 Wochen Vollsperrung erforderlich, davon 2 Wochen gleich zu Baubeginn der neuen Bausaison im April, die restlichen vier Wochen dann im Sommer 2015. Der Verkehr muss während der Vollsperrung über die B305 („Weinkaser“) und die St 2101 („Antoniberg“) umgeleitet werden.

Die Betriebsfreigabe ist für Ende Oktober 2015 geplant. Die Rohbaukosten für die Galerie betragen inklusive aller notwendigen Zusatzleistungen (wie Stützmauern, Leitwälle, Entwässerungsanlagen etc.) rund 6,3 Mio Euro. Das Staatliche Bauamt Traunstein bittet die Verkehrsteilnehmer für die unvermeidbaren Behinderungen während des Baus um Verständnis.

Pressemeldung des Staatlichen Bauamtes Traunstein

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