Nach Explosion in Happing: Prozess gegen Mutter und Tochter

Anwalt: "Sie wurden schon mehrmals zwangsgeräumt"

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Die beiden Angeklagten neben ihren Verteidigern zum Prozessauftakt. 
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Rosenheim/Traunstein - Ende Juli 2016 brach in einem Wohnhaus im Stadtteil Happing ein Feuer aus, es kam auch zu einer Verpuffung. Am Montag mussten sich die beiden Bewohnerinnen, die Mutter und Tochter sind, vor Gericht verantworten. Haben sie den Brand vorsätzlich gelegt?

UPDATE, 16.30 Uhr: Weitere Zeugen wurden vernommen

Nun wurde der Sohn der vorherigen Zeugin angehört - ebenfalls Nachbar, ebenfalls Vermieter der Angeklagten. "Nachdem es den Schnalzer getan hat, sind aus dem ersten Stock Rauchschwaden gekommen, das ist immer stärker geworden", so der Nachbar. Flammen habe er aber nicht gesehen. 

Auch er berichtet, dass die Angeklagten nach den Verpuffungen auf dem Balkon gewesen seien und später wieder hineingegangen seien. "Für meine Mutter war es eine schlimme Zeit, die sie da durchmachen musste. Sie konnte in der Nacht nicht schlafen, hat oft geweint", so der Zeuge.

Die Eigentümerin des Hauses wird als nächstes geladen. Dach, Heizungen, Bad, Dachfenster, Toilette, Treppenhaus, Böden, Garage - alles habe nach dem Brand neu gemacht werden müssen: "DerSchaden beträgt über 100.000 Euro, um die 20.000 Euro sind bisher an mir hängengeblieben, unter anderem für die Entrümpelung."

Dem Brand in der Doppelhaushälfte ging bereits ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen den Angeklagten und ihren Vermietern voraus: Der Anwalt der Vermieter berichtet von Klagen gegen die Kündigung der Wohnung und gegen die Räumungsklagen. "Das Verfahren hat sich über zwei Jahre hingezogen und ging bis zum Oberlandesgericht München", so der Anwalt vor Gericht.

Außerdem berichtet der Anwalt von einer ganzen Reihe von Strafanzeigen, die die Angeklagten unter anderem gegen ihn und die Vermieterin gestellt hätten: "Sie behauptete, die Vermieterin und ich hätten den Brand gelegt um die Versicherung zu betrügen." Der Anwalt der Vermieter berichtet von inzwischen fünf Leitz-Ordnern, die sich durch all die Verfahren gefüllt hätten.

Und: Die beiden Damen auf der Anklagebank hatten in Happing wohl nicht zum ersten Mal mit einer Räumungsklage zu tun: "Auch in deren früheren Wohnungen in Rosenheim und Oberaudorf wurden die zwangsgeräumt, weil keine Mieten bezahlt wurden", so der Anwalt. 

Der Prozess wird am Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt. Das Gericht erwartet dann Einsatzkräfte der Feuerwehr und Brandsachverständige, um zu klären, ob die beiden Frauen die Doppelhaushälfte angezündet haben.

UPDATE, 14 Uhr: Anhörung der Vermieterin

Die erste Zeugin, die Vermieterin und direkte Hausnachbarin, hat ausgesagt. Die Damen hätten an dem Tag einen Termin gehabt, dass sie raus müssten, weil sie keine Miete mehr zahlten, erzählt die Zeugin. Als der Brand ausbrach, sei sie 20 Meter davor auf der Straße gestanden. Auf Nachfrage schildert sie dem Vorsitzenden Richter Jürgen Zenkel, was passierte.

"Ich war beim Ratschen auf der Straße, auf einmal hat es einen Schnalzerer getan. Die Dachziegel sind bis auf die Straße geflogen. Die Feuerwehrler haben nach dem Brand zu mir gesagt, dass in allen Räumen gezündelt worden ist, auch im Heizungsraum", so die Nachbarin. Im Haus war eine Gasheizung verbaut. Erst nach dem zweiten "Knall" im Haus seien die beiden Angeklagten heraus auf den Balkon gekommen.

Die Zeugin beschreibt das Mietverhältnis mit den beiden Frauen als schwierig. Seit Ende 2013 wohnten sie in der Doppelhaushälfte: "Drei Monate lang haben sie Miete bezahlt - dann nicht mehr oder nur noch sehr unregelmäßig." 1150 Euro Kaltmiete wurden für die 145 Quadratmeter monatlich fällig.

Die Angeklagten hätten auch keine Handwerker ins Haus gelassen. Nach dem Brand habe sich die Doppelhaushälfte als völlig vermüllt gezeigt: "Vier Container sind beim Entrümpeln voll geworden." Noch immer sei das Haus nach den Explosionen nicht vollständig repariert.

Weitere Nachbarn werden nun vor dem Gericht erwartet.

UPDATE, 10.30 Uhr:

Der Prozess beginnt um 13 Uhr. Ein Urteil wird vom Gericht für den 3. Februar angepeilt. Weitere, geplante Prozesstage bis dahin: 12., 19. und 20. Januar.

Wir werden ab 13 Uhr aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

Unser Artikel vom Dienstagmorgen:

Vor dem Landgericht Traunstein wird am Dienstag der Prozess gegen eine Mutter und ihre Tochter fortgesetzt, wie die Bayernwelle berichtet. Sie sind wegen vorsätzlicher Brandstiftung angeklagt. Der Vorwurf lautet, dass sie unmittelbar vor der Zwangsräumung einer gemieteten Doppelhaushälfte im Rosenheimer Stadtteil Happing versucht haben, das Gebäude in Brand zu stecken.

Am zweiten Prozesstag habe die Tochter eine Einstellung des Verfahrens und einen neuen Pflichtverteidiger beantragt. Sie beklage  viele Rechts- und Verfahrensfehler, wie der Radiosender berichtet. Beide Forderungen sind vom Gericht abgelehnt worden. Auch eine Polizistin hat bereits ausgesagt. Sie hat angegeben, dass die Mutter die Brandstiftung ihr gegenüber gestanden habe.

Bilder: Großeinsatz nach Explosion in Mehrfamilienhaus in Kaltwiesstraße

xe

Quelle: chiemgau24.de

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