Fortsetzung im Totschlag-Prozess am Landgericht

Totschlag: Verteidiger kündigt Revision an

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Fortsetzung im Prozess wegen Totschlags gegen den 65-jährigen Priener am Landgericht Traunstein
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Traunstein/Prien - 14 Jahre Haft mit Option auf Sicherungsverwahrung - das Urteil, das das Gericht gegen einen 65-jährigen Priener am Montag fällte. Doch der Verteidiger möchte das Urteil so nicht stehen lassen.

UPDATE Dienstag, 20. Mai, 8.15 Uhr

Der Verteidiger des wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilten Prieners will gegen das Urteil des Landgericht Traunstein Revision einlegen. Das hatte der Verteidiger nach dem Urteilsspruch am Montag angekündigt. Dabei gehe es vor allem um die Option einer möglichen Sicherungsverwahrung seines Mandanten nach der Haft, so die Begründung.

Quelle: Radio Charivari

UPDATE 17.10 Uhr

Die Urteilsverkündung im Totschlags-Prozess gegen einen 65-jährigen Priener verzögerte sich um gut eine Stunde. Erst gegen 16.30 Uhr verkündete der Richter das Urteil: 14 Jahre Haft wegen Totschlags. Eine anschließende Sicherheitsverwahrung wird vorbehalten, d.h. kurz vor Ende der Haft wird in einem gesonderten Verfahren über eine mögliche Sicherheitsverwahrung erneut entschieden.

Das Urteil orientiert sich an der Forderung der Staatsanwaltschaft. Zur Begründung führte das Gericht an, dass eine Täterschaft zweifelsfrei feststehe, obgleich keine objektive Aussage über den Tathergang getroffen werden könne, da es keinerlei Tatzeugen gebe. Es kann trotzdem ausgeschlossen werden, dass ein Anderer die Tat begangen habe. Das Gericht sah weder die Mordmerkmale als erfüllt an, noch sah es einen besonders schweren Fall von Totschlag, da der genaue Ablauf nicht mehr nachzuvollziehen sei. Es bestehe auch kein minderschwerer Fall von Totschlag, da der Angeklagte bereits vorbestraft ist. Als einzig strafmildernd wertete das Gericht das Geständnis des Angeklagten.

UPDATE 15 Uhr

Zu Beginn des heutigen drittten Verhandlungstages gegen einen 65-jährigen Priener wegen vermeintlichen Totschlags verlas der Richter zunächst den Auszug aus dem Bundeszentralregister des Angeklagten. Darin sind zwei Einträge zu finden: Im Jahr 1982 wurde er wegen Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt. Der zweite Eintrag bezieht sich auf seine Verurteilung wegen Mordes u.a. mit Körperverletzung und Waffengebrauch. Er wurde in diesem Prozess zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt.

Direkt im Anschluss wurde auch die Anklageschrift des Prozesses aus dem Jahr 1985 verlesen. Demnach saß er wegen versuchter Tötung an seiner leiblichen Tochter in Untersuchungshaft. Diese wollte er im Alter von vier Jahren mit Schlaftabletten töten. Während dieser Untersuchungshaft fasste der Angeklagte bereits den Entschluss, seine derzeitige Freundin zu töten. Nach seiner Entlassung besorgte er sich für 15.000 Schilling eine Waffe und tötete sie aus Hass mit insgesamt vier Schüssen. Ein Schuss davon war ein aufgesetzter Kopfschuss. Spätestens dieser war tödlich. Direkt nach der Tat verletzte er zudem einen österreichischen Kriminalbeamten mit einem Durchschuss durch dessen Achselhöhle und mit einem Messer an Oberschenkel und Arm. Diese Tat wurde in das Urteil von 20 Jahren Freiheitsstrafe mit eingerechnet.

Die Aussage der medizinisch-psychologischen Gutachterin

Nach der Verlesung seiner bisherig erfassten Taten sagte die medizinisch-psychologische Gutachterin aus. Die Oberärztin am Bezirkskrankenhaus in Straubing Mirela P. erstellte während vier Besuchen des Angeklagten im Gefängnis ihr forensisch-psychologisches Gutachten. Sie beschrieb seine Grundhaltung als eloquent und mit einem überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten. Er sei in seinen Tatberichten theatralisch und selbstmitleidig.

Zudem zeigte der Angeklagte nach Ansicht der Gutachterin eine egozentrische Darstellung der Geschehnisse. Außderdem zeigte er eine Gefährdung, sich selbst zu töten. Nach Urteil der Oberärztin habe der Angeklagte eine narzistische und histrionische Persönlichkeitsakzentuierung, die allerdings keine Minderung der Schuldfähigkeit nach sich ziehe. Zudem sei der Angeklagte anfällig zu Impulstaten, wozu sie auch diese Tat zählte. Während seiner ersten Haft habe er eine Behandlungsresistenz gezeigt; seine Rückfallquote liege bei 12 Prozent nach sieben Jahren, wobei diese gerade im Alter stetig anstiege.

Vom Tattag berichtete er der Gutachterin, dass seine Freundin sehr schweigsam gewesen wäre. Gerade im Bezug auf Fragen zum Beziehungsstatus beantwortete sie keine Fragen. Am Tattag telefonierte seine Freundin mit seinem Bruder. Aus diesem Telefonat hörte der Angeklagte heraus, dass sie sich von ihm trennen möchte. An die Tat selbst habe er keine Erinnerung, was einem partiellen Gedächtnisverlust entspricht. Diesen Gedächtnisverlust bezweifelt die Staatsanwaltschaft allerdings.

Im Anschluss auf die Aussage der Gutachterin wurden die Plädoyers gehalten. Zuerst forderte Staatsanwalt Bernd Magiera, den Angeklagten wegen Totschlags mit direktem Vorsatz zu 14 Jahren zu verurteilen. Er habe laut Staatsanwalt völlig konzentriert gehandelt. Als Motiv führte er an, der Angeklagte habe das Beziehungsende nicht verkraftet. Er sehe zudem eine Parallele zu dem ersten Fall in Wien, wo er mit absoluter Gewalt agierte.

Staatsanwalt: Angeklagter handelte völlig kontrolliert

Zur Tat selbst hielt der Staatsanwalt fest, dass die Freundin des Angeklagten auf den Flur gelaufen sei. Der Angeklagte verfolgte sie und traf sie mit dem Messer von hinten dreimal im Hals- und Nackenbereich. Ein Stich soll dabei den Halswirbelbereich getroffen haben, was sie teilweise handlungsunfähig gemacht habe. Danach habe der Angeklagte sein Opfer zurück in die Wohnung gezogen, wobei Nachbarn auf den Angeklagten aufmerksam wurden. Er habe diese glaubwürdig beruhigt. Zurück in der Wohnung habe er insgesamt elf Mal auf seine Freundin, die am Boden vor ihm lag, von oben eingestochen.  Dabei handelte er ruhig und kontrolliert.

Im Anschluss an den Staatsanwalt hielt der Vertreter der Nebenklage sein Plädoyer. Dabei zeigte sich Walter Lechner aufgebracht und emotional. "Sie haben Leben genommen aus eigennützigen Motiven.", so Herr Lechner. Die Tat wäre aufgrund der Trennung an Niedertracht nicht zu überbieten. Das Geständnis des Angeklagten sehe er als nicht strafmildernd. Dem Angeklagten fehle es an jeglichem Respekt und ethischen Grundsätzen. Er zeigte zudem kein Mitleid für sein Opfer. Der Vertreter der Nebenklage forderte, den Angeklagten lebenslang wegen Mordes zu verurteilen. Wenn das Gericht die Mordmerkmale allerdings nicht anerkennen sollte, forderte Lechner, ihn mit der Höchststrafe von Totschlag mit insgesamt 15 Jahren zu verurteilen.

Verteidiger beantragte zehn Jahre wegen Totschlags

Im Anschluss daran hielt der Verteidiger Harald Baumgärtl sein Plädoyer. Er zeigte sich zuerst gefasst und auf die Fakten beschränkt. Das Geständnis spreche durchaus für den Angeklagten. Außerdem können die Aussagen des Angeklagten im Bezug auf den Tathergang mangels direkter Tatzeugen nicht bezweifelt werden. Er sehe keine Mordmerkmale und keinen besonders schweren Fall von Totschlag. Der Verteidiger räumte dann allerdings ein, dass es keine Strafverschiebung zugunsten des Angeklagten gebe. Auch sehe er keine verminderte Schuldfähigkeit. Aus diesem Gründen beantragte der Verteidiger, den 65-Jährigen zu zehn Jahren wegen Totschlags zu verurteilen.

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. Auch hier zeigte er sich besonders eloquent. Ihm wäre bewusst, dass er das Geschehene nicht mehr ungeschehen machen könne. Am Tattag sei auch sein Leben beendet worden, so der 65-Jährige.

chiemgau24 ist auch weiterhin für Sie im Gerichtssaal. Um 15.30 Uhr soll das Urteil fallen und die Urteilsbegründung verlesen werden.

Vorbericht

Im Prozess um den vermeintlichen Totschlag eines 65-jährigen Prieners an seiner 63-jährigen Nachbarin werden für Montag die abschließenden Plädoyers und danach das Urteil erwartet. Am ersten Prozesstag am 6. Mai hat neben den beteiligten Polizeibeamten und vier Nachbarinnen der Angeklagte selbst ausgesagt. In seiner Einlassung berichtete der 65-Jährige von der Tat. Er gab an, zusammen mit seiner Lebensabschnittsgefährtin Suizidgedanken gehegt zu haben. Bei einem Gespräch am Morgen des Tattags, habe sich seine Stimmung zunehmend verschlechtert. Als er seiner Freundin gesagt habe, dass er sich töten wollte, nahm sie ihm das Masser weg und wollte mit ihm ins Bett gehen, so der Angeklagte. Als er das verweigerte, soll die getötete Frau in den Hausflur gelaufen sein und um Hilfe gerufen haben. Von dem folgenden Geschehen, habe er nichts mehr mitbekommen. “Ich habe die Augen wohl zu gehabt.” Mit zitternder Stimme beschreibt der Angeklagte, wie er mit dem Messer über ihr stand und auf sie einstach. “Ich habe dann erkannt, dass sie gestorben war.”

Zugriff durch Beamte der Priener Polizei

"Auffällig war, dass in einem Regal im Eingangsbereich sehr viele Blutflecken in den unteren Fächern aufgefunden wurden. Man kann davon ausgehen, dass der Täter nicht ausschließlich aus einer stehenden Position zugestochen hat, sondern auch aus einer tieferen Position," berichtete ein 58-jähriger Hauptkommisar, der für die Spurensicherung am Tatort zuständig war. Diese Feststellung wiedersprach somit den Angaben des Angeklagten. Auch die Beamten, die am Tattag den Zugriff in der Wohnung des Prieners durchgeführt hatten, wichen in eineigen Details von den Aussagen des Angeklagten ab.

Hat der Angeklagte erneut getötet?

Für den 65-Jährigen ist es nicht das erste Mal, dass er sich wegen eines Tötungsdelikts vor Gericht verantworten muss. Wie das OVB berichtet, wurde der gebürtige Nordrhein-Westfale bereits 1985 wegen Mordes zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte seine damalige Ex-Freundin mit einer Pistole erschossen und anschließend einen österreichischen Polizisten mit einem Schuss und mehreren Messerstichen schwer verletzt. 1997 wurde er zur Bewährung aus der Haft entlassen.

Interview mit Polizeisprecher Stefan Sonntag vom 12. August 2013

Chiemgau24.de ist am Montag bei der Fortsetzung der Verhandlung vor Ort und berichtet im Ticker vom Prozess.

Quelle: chiemgau24.de

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