Prozessauftakt am Landgericht in Traunstein

Totschlag-Prozess: Das passierte am ersten Tag

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Traunstein/Rosenheim - Zehn Monate nach dem Tod von Markus Till am Bahnhof muss sich der mutmaßliche Täter vor Gericht verantworten. Wir haben den Prozess den ganzen Tag über begleitet.

UPDATE 16.48 Uhr: Verhandlung wird am 12. Februar fortgesetzt

Der letzte Zeuge aus dem Rosenheimer Bahnhofmilieu, der für den ersten Prozesstag geladen war, erschien am Dienstag nicht vor Gericht. Der arbeitslose Rosenheimer hatte dem Gericht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Grund für sein Nicht­erscheinen zukommen lassen.

Statt der Aussage des Zeugen wurde deshalb das Protokoll seiner Vernehmung bei der Polizeiverlesen. Auch dieser Zeuge gab an, zum Tatzeitpunkt der festen Überzeugung gewesen zu sein, dass sich Markus Till zum Schlafen auf die Wiese vor dem Bahnhofsgebäude abgelegt hatte.

Der Bekannte des Angeklagten hatte zudem keinerlei Erinnerung an eine körperliche Auseinandersetzung an diesem Tag. Er konnte sich bei der Vernehmung durch die Polizei zwei Wochen nach der Tat ebenfalls nicht mehr erinnern, welche Personen am 2. April auf dem Bahnhofsvorplatz anwesend waren.

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs unterbrach nach der Verlesung der Vernehmung die Hauptverhandlung. Der Prozess wird am 12. Februar ab 9 Uhr mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt. Am zweiten von insgesamt vier angesetzten Verhandlungstag sollen dann auch schon die medizinischen und psychologischen Gutachten gehört werden.

chiemgau24.de berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal.

UPDATE 15.43 Uhr: Zeuge berichtet: "Am Boden hat er dann ganz komisch geatmet"

Nach den unbeteiligten Passanten machten am Dienstag auch Zeugen Angaben zur Sache, die das Geschehen am 2. April aus nächster Nähe mit verfolgt hatten.

"Ich weiß nicht mehr viel" erklärte der erste Zeuge aus dem Milieu gleich zu Beginn seiner Aussage. Er habe das Opfer flüchtig gekannt. Die Schlägerei am Tatnachmittag habe sich aus einer verbalen Auseinandersetzung ergeben. Um was es bei dem Streit ging, konnte der Zeuge nicht mehr erzählen.

Nachdem Till einige Schläge abbekommen hatte, lag er auch schon am Boden, so der Zeuge. "Am Boden hat er dann ganz komisch geatmet."

Ein weiterer Zeuge aus der Rosenheimer Bahnhofs­szene konnte sich bei seiner Befragung ebenfalls nur noch an sehr wenige Details erinnern. Nach dem verbalen Streit soll wieder Ruhe in der Gruppe eingekehrt sein. Als das spätere Opfer sich dann beim Angeklagten abstützte um aufzustehen soll es zu einem Schlag gekommen sein. Ob die Faust auch ihr Ziel am Kopf des Opfers fand, konnte der Zeuge nicht bestätigen.

"Wir haben dem Till dann einen Hut aufs Gesicht gelegt, wir haben gedacht, er schläft", so der Zeuge abschließend. Er habe zu diesem Zeitpunkt ja schließlich noch geatmet, so der Eindruck des Mannes, der während der Schlägerei nur wenige Meter vom Opfer und dem Angeklagten entfernt gestanden hatte.

UPDATE 14.54 Uhr: Hielt der Angeklagte das Opfer im Schwitzkasten?

Nach der Mittagspause setzte Richter Erich Fuchs die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Totschläger aus Rosenheim mit der Vernehmung von Zeugen weiter fort. Zwei Augenzeugen konnten insbesondere zum Anfang des Streits zwischen dem Angeklagten und dem Opfer Markus Till Angaben machen.

So will eine Zeugin, die gerade auf dem Weg zum Bahnhof gewesen war, beobachtet haben, wie sich der Streit entwickelte. Sie habe beobachtet, wie der Angeklagte Markus Till im Schwitzkasten gehalten hatte. "Hör auf, du bringst ihn ja um!" soll einer aus der Gruppe, die sich um das Gerangel gebildet hatte, dabei gerufen haben. Nachdem ein weiterer Mann dazwischen gegangen sei, habe sie noch eine Ausholbewegung des Angeklagten gesehen. Den oder die Schläge selbst konnte die Zeugin jedoch nicht beobachten.

Diese Aussagen decken sich mit den Angaben eines weiteren, unbeteiligten Zeugen. Nach einem Schlag in die Magengegend habe der Angeklagte das Opfer gepackt und in den Schwitzkasten genommen. Aufgrund der Menschenmenge um die beiden kämpfenden Männer konnte jedoch auch dieser Zeuge von keinen weiteren Schlägen berichten.

UPDATE 12.20 Uhr: Unbeteiligte Zeugen sagen aus

Kurz vor der Mittagspause haben unbeteiligte Zeugen vom Tathergang berichtet. Den Anfang machte eine junge Frau, die im Bahnhofsumfeld gearbeitet hatte. Durch das laute Schreien der Beteiligten sei sie auf das Handgemenge am Bahnhof aufmerksam geworden. Sie gab an, dass der Angeklagte Markus Till mehrfach mit den Fäusten geschlagen habe. Till habe den Angreifer wiederholt gebeten aufzuhören. Nachdem das Opfer umgefallen war, habe der Angeklagte auch weiterhin auf den am Boden liegenden Mann eingeschlagen und getreten.

Sie konnte auch bestätigen, dass der Angeklagte auf Markus Till urinierte. Hilfsmaßnahmen, wie die vom Angeklagten beschriebene stabile Seitenlage konnte die Frau nicht bezeugen. "Im Gegenteil, die Gruppe hat den Mann am Boden nur ausgelacht", so die Zeugin.

Der nächste Zeuge, ein Mann der zum Zeitpunkt der Tat etwa 50 Meter entfernt gearbeitet hatte, konnte nur einen Schlag bestätigen. Beide Männer seien sich etwas abseits der knapp 20 Personen umfassenden Gruppe am Bahnhof gegenüber gestanden. Im Zuge des Faustschlags gingen dann beide zu Boden. Der Angeklagte sei dann zur Gruppe gegangen um kurz darauf nochmal zurück zu gehen. Der Zeuge hatte dann nur noch eine Bewegung des Angeklagten beobachtet, die ihn darauf schließen ließ, dass er auf den am Boden Liegenden uriniert habe.

Ein unbeteiligter LKW-Fahrer, der zum Zeitpunkt der Schlägerei eine Pause am Rosenheimer Bahnhofs gemacht hatte, bestätigte diese Angaben. Er will aber insgesamt zwei Schläge gegen das Gesicht des Opfers gesehen haben. Was genau sich am Boden abgespielt hatte, konnte der Zeuge hingegen nicht beschreiben.

Das DNA-Gutachten einer Münchner Rechtsmedizinerin konnte zur Klärung der Situation nicht beitragen. So konnten an den Schuhen des Angeklagten zwar Blut- und DNA-Spuren festgestellt werden, ob diese Antragungen jedoch zweifelsfrei vom Opfer stammten, konnte die Gutachterin nicht bestätigen. Die zur Analyse eingereichten Probn enthielten ausschließlich sogenannte Mischspuren, die von verschiedenen Verursachern stammen könnten oder waren in einigen Fällen nicht verwertbar.

Nach der Mittagspausen sollen zum heutigen Prozessauftakt vier weitere Zeugen und zusätzliche Gutachten folgen.

UPDATE 11.50 Uhr: Beweisaufnahme hat begonnen

Nach den Angaben des Angeklagten trat Richter Erich Fuchs in die Beweisaufnahme ein. Als erstes gab der Sachbearbeiter der Kripo in Rosenheim einen Einblick in die Ermittlungsarbeit. Die Befragungen im Bahnhofsmilieu gestalteten sich sehr schwierig, so der Beamte. Im Nachhinein könne man die Aussagen der Zeugen jedoch in drei Gruppen aufteilen:

Aus den Reihen der Personen, die sich zum Tatzeitpunkt in unmittelbarer Nähe des Geschehens aufhielten, soll die Situation weitestgehend verharmlost worden sein. Auch der Angeklagte selbst habe anfangs zur Polizei gesagt, dass Markus Till "nur hingefallen" sei, "halb so wild". Später gab der Anklagte an, denjenigen zu kennen, der Markus Till niedergeschlagen hatte. "Bei uns verpfeift man aber keinen", habe er den Beamten dann entgegnet.

Die Angaben der Beobachter innerhalb der Szene gingen im Laufe der Befragungen durch die Polizei jedoch sehr weit auseinander. Ein paar wenige Zeugen hatten jedoch angegeben, dass es zu Schlägen von Seiten des Angeklagten gekommen sei.

Die aufschlussreichsten Beobachtungen hätten jedoch die unbeteiligten Passanten gemacht, so der Kripo-Beamte. Viele Menschen hätten hier "unterschiedliche Phasen des Geschehens" sehr genau beobachtet. Aus diesen Aussagen heraus habe man den Tathergang soweit rekonstruieren können, dass es wohl zu mehreren Schlägen und Tritten gekommen sei, so der Polizist. Zusätzlich soll sich der Angeklagte über das Opfer gebeugt, seine Hose ausgezogen und auf den Mann am Boden uriniert haben.

Zum Tatzeitpunkt konnten die Beamten den Blutalkoholspiegel des Angeklagten mit 1,84 Promille bestimmen. Der Wert des Opfers habe sich zum selben Zeitpunkt bei über drei Promille bewegt. Der Polizist, der als erstes am Ort des Geschehens eintraf, beschreibt die Stimmung des Angeklagten am Bahnhof als "sehr aggressiv". Nachdem man dem Mann mehrfach einen Platzverweis erteilt hatte, mussten ihn die Beamten sogar in Gewahrsam nehmen.

UPDATE 10.35 Uhr: Angeklagter mit Teilgeständnis

Unter dem Vorsitz von Richter Erich Fuchs begann am Dienstag der Prozess gegen den Mann, der im vergangenen Jahr einen Bekannten am Rosenheimer Bahnhof totgeschlagen haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklageschrift von vorsätzlichem Totschlag aus. Nach einem anfangs nur mit Worten geführten Streit, soll der arbeitslose, 44-jährige Angeklagte Markus Till angegriffen und mehrfach mit der Faust gegen das Gesicht und den Kopf geschlagen haben.

Nachdem Till zu Boden gegangen war, soll er noch nachgetreten haben. Maßnahmen, das Leben des schwer verletzten Mannes zu retten, habe der Angeklagte dabei nicht ergriffen, so die Staatsanwaltschaft. Markus Till verstarb nur wenige Tage später an seinen schweren Schädelverletzungen.

Bereits zum Beginn der Verhandlung machte der 44-Jährige Angaben zur Tat im April 2014. Über seine Trinkgewohnheiten sprach der Angeklagte offen: "Pro Tag ein Kasten Bier, eher selten Schnaps. Wenn, dann aber kräftig; eine Flasche Vodka," so der 44-Jährige, der seit 2009 arbeitslos ist und Markus Till seit einem früheren, gemeinsamen Aufenthalt in der JVA Bernau kennt.

Bereits am Tag vor der Tat, am 1. April, soll es zu einem persönlichen Zusammentreffen von Markus Till und dem Angeklagten gekommen sein. Am Abend will der heute 44-Jährige einen Streit zwischen Till und einer anderen Person geschlichtet haben. Daher sollen auch die Verletzungen im Augenbereich des Toten stammen. Im weiteren Verlauf des Abends habe man dann weiter getrunken und die Zeit am Bahnhof verbracht.

Nach einer durchzechten Nacht sei der Angeklagte am nächsten Morgen, dem 2. April wieder den ganzen Tag am Bahnhof in Rosenheim gewesen und habe getrunken. Am Nachmittag sei es dann zur Auseinandersetzung mit Markus Till gekommen. Als Grund für den Streit gab der Angeklagte an, dass er mit Till nicht weitertrinken wollte. Plötzlich habe er sich im Schwitzkasten wiedergefunden. Nachdem er sich befreien konnte, will der Angeklagte wiederum selbst zugepackt haben. Er gibt an, erst abgelassen zu haben, als sein Gegenüber schon blau angelaufen sei.

Kurze Zeit später, nachdem sich die Situation zwischenzeitlich beruhigt hatte, soll Till den Angeklagte dann an der Schulter gepackt haben. "Als Reflex" schlug der 44-Jährige dann zu. "Ich schätze ich habe ihn am Kinn erwischt. So etwas kann schnell passieren, da schlägt die Stimmung schnell um", erklärte der Angeklagte. Till sei ein Stück getorkelt, umgefallen und habe nur noch geröchelt. "Es war keine Absicht und auch nur ein Schlag", beteuerte der Angeklagte auf Nachfragen.

Er habe Till im Nachgang in die stabile Seitenlage gebracht und die Umstehenden aufgefordert Hilfe zu holen. "Ich bin leicht reizbar, das weiß ich. Herr Till war ein guter Bekannter. Es tut mir leid, aber sowas passiert leider", gab der Angeklagte am Ende seiner Aussage zu.

Der Vorbericht:

Am 2. April kam es am Rosenheimer Bahnhof zu einem tragischen Vorfall, der einen Großeinsatz auslöste: Gegen 16 Uhr kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Was anfänglich nur mit Worten heftig diskutiert wurde, artete schnell in eine handfeste Schlägerei aus in deren Verlauf Markus Till schwer verletzt wurde.

Lesen Sie dazu:

Vermutlich nach mehreren Schlägen des am Dienstag vor Gericht stehenden Mannes aus Bad Aibling erlitt Markus Till so schwere Verletzungen im Kopfbereich, dass er bereits drei Tage später, am 5. April, in der Schön-Klinik in Vogtareuth verstarb. Beide Männer sollen sich vor der Tat bereits gekannt haben. Die Polizei konnte den damals 43-jährigen, mutmaßlichen Täter bereits wenige Stunden nach der Tat am Rosenheimer Bahnhof in Gewahrsam nehmen. Die Staatsanwaltschaft klagt den heute 44-Jährigen Mann aus dem Bahnhofsmilieu deshalb wegen vorsätzlichen Totschlags an.

Für den toten Markus Till errichteten Freunde, Familie und Bekannte bereits kurz nach der Tat eine kleine Gedenkstätte am Rosenheimer Bahnhof. Ein Topf voller bunter Blumen und drei Gedenkkerzen sollte damals an das unter tragischen Umständen aus dem Leben gerissene Opfer der Schlägerei erinnern.  

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Totschläger vor dem Landgericht in Traunstein. Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr, rosenheim24.de ist im Gerichtssaal und berichtet live vom Sitzungsauftakt.

Quelle: chiemgau24.de

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