Prozessauftakt vor dem Traunsteiner Landgericht

Urteil nach sadistischer Tat gefallen

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Der Angeklagte bespricht sich vor der Verhandlung mit seiner Verteidigerin.
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Traunstein - Im Prozess gegen einen brutalen Vergewaltiger aus Bayerisch Gmain ist jetzt der Richterspruch gefallen. Das Gericht wertete die Tat als unmenschlich und urteilte entsprechend hart.

Update vom Prozess, 16.15 Uhr

Das Urteil ist gefallen: Der Angeklagte wurde der schweren Vergewaltigung, gefährlichen Körperverletzung und des schweren Raubs schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt. Der Unterbringung in eine psychiatrische Einrichtung wurde zugestimmt.

"Das Opfer hatte Glück, dass es überhaupt noch lebt. Es kann aber nie wieder ein normales Leben führen", erklärte das Gericht.

Es betonte, dass das Verbrechen an Unmenschlichkeit, Menschenverachtung, Sadismus und Grausamkeit fast nicht mehr zu steigern sei. Nur knapp entging der Angeklagte der Höchststrafe von elf Jahren und drei Monaten.

Zudem wurde klargestellt, dass nicht der Alkoholkonsum, sondern die Persönlichkeitsstörung für das Verhalten des Angeklagten zuständig gewesen sei.

Update vom Prozess, 15.40 Uhr

In der Mittagspause wurde ein Sichtschutz um die Anklagebank aufgebaut. Die Geschädigte, die nach der Pause aussagte, gab an, den Angeklagten nicht mehr sehen zu wollen. Das Gericht kam dieser Bitte nach.

Die 58-jährige Geschädigte erklärte, aktuell noch bei einer Traumatherapie in Behandlung zu sein. Medikamentös werde sie mit Antidepressiva behandelt, um die Angststörungen, Flashbacks und Albträume in den Griff zu bekommen. Die Narben an ihrem Körper werden sie jedoch immer an den Vorfall erinnern, betonte die gefasst wirkende Frau aus dem Chiemgau.

In drei Operationen wurde ihre linke Brust wieder annähernd hergestellt, eine Hauttransplantation zur Herstellung einer neuen Brustwarze blieb jedoch erfolglos. Das eheliche Zusammenleben sei seit dem Vorfall erheblich gestört.

Zur Tat gab das Opfer an, mehrmals nachgefragt zu haben, ob der Angeklagte das versprochene Geld zur Hand habe. Es wurden im Vorfeld keine Fesselspiele ausgemacht. Als sie die Wohnung betreten hatte, habe er sie gepackt, auf das Bett geworfen, gefesselt und anschließend vergewaltigt. Dabei soll er wiederholt die Worte "jetzt bist du fällig" entgegnet haben. Sie sei sich sicher gewesen, dass der Mann sie umbringen wollte.

Die 58-Jährige berichtete weiter, wie der Angeklagte sie mit dem Messer im Intimbereich und an der Brust misshandelte. Zwischenzeitlich habe ihr der Mann 60 Euro aus dem Geldbeutel genommen. Nach 90 bis 120 Minuten, in der die Geschädigte unterschiedlichste Schnittverletzungen am ganzen Körper davongetragen hatte, ließ der Angeklagte von ihr ab.

Sie sollte sich waschen und die Wohnung verlassen. Er habe sie danach noch bis zum Auto begleitet und ihr mehrfach gedroht, die Sache für sich zu behalten. Er wisse, wo sie wohne.

Angeklagter hat Alkoholprobleme

Nach der Aussage des Opfers wurden der Auszug aus dem Bundeszentralregister verlesen. Bereits im Jahr 1994 war der Angeklagte bereits in ähnlicher Hinsicht wie im aktuellen Fall zum ersten Mal auffällig geworden. Unter erheblichem Alkoholeinfluss forderte der Angeklagte damals eine ehemalige Nachbarin mit Hilfe eines Messers zum Geschlechtsverkehr auf. Die Frau konnte damals jedoch fliehen.

Im Folgenden berichtete der psychologische Gutachter Dr. Gerl vom Inn-Salzach-Klinikum über den Werdegang des Angeklagten. Bereits in seiner Jugend soll der 53-Jährige massiv in Kontakt mit Alkohol gekommen sein. Der langjährige Konsum führte laut Aussage des Gutachters zu einer alkoholbedingten Verhaltensstörung.

Die Steuerungsfähigkeit sei stark vermindert, es habe bereits eine organische Wesensänderung stattgefunden. Da aus psychiatrischer Sicht keine kurzzeitige Heilung zu erwarten sei, schlug der Gutachter die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt bei Verurteilung vor.

Die Plädoyers der Prozessbeteiligten

In den Plädoyers forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von elf Jahren. Positiv sei zumindest das Geständnis und eine Entschuldigung zu werten. Einer Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt wurde zugestimmt.

Der Vertreter der Nebenklage, Alexander Stephens, forderte in seinem Plädoyer eine Strafe von mindestens 14 Jahren, da er keine Verschiebung im Strafrahmen erkennen könne. Eine Tat, die in ihrer Grausamkeit mit Superlativen alleine nicht mehr zu beschreiben sei, fordere eine angemessene Strafe, so der Anwalt.

Auch die ähnlichen Taten in der Vergangenheit trügen somit zu diesem Gesamtbild bei. Auch er sprach sich für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt aus.

Die Pflichtverteidigerin, Katharina Pilsel legte dem Gericht nahe, eine Verschiebung des Strafrahmens anzuwenden. Laut Aussage des Gutachters müsse man davon ausgehen, dass bereits bei der Vorbereitung der Tat eine verminderte Schuldfähigkeit vorgelegen habe. Einen konkreten Antrag zur Haftdauer stellte die Vertreterin des Angeklagten jedoch nicht.

In seinen letzten Worten entschuldigte sich der Angeklagte bei seinem Opfer. Die Geschädigte hatte den Gerichtssaal bereits kurz nach ihrer Aussage verlassen.

Das Urteil im Prozess wird für 16 Uhr erwartet.

Update vom Prozess, 13 Uhr:

Eine Sachbearbeiterin der Kriminalpolizei Traunstein, ein Polizist und eine Polizistin wurden angehört. Die Sachbearbeiterin wurde am Tatabend als Erste informiert.

Noch am selben Abend sei der Angeklagte von einem Sondereinsatzkommando festgenommen worden. Er habe bereits damit gerechnet, dass ihn die Polizei früher oder später fassen würde und unternahm deshalb erst gar keinen Vertuschungsversuch. Bei der Festnahme habe er einen epileptischen Anfall erlitten und sei nicht mehr vernehmbar gewesen.

Bei der Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten wurden Fesselwerkzeuge und Mullbinden gefunden. Zudem fanden die Beamten Blut auf Bett und Handtüchern.

Das Opfer habe nach der Tat in Bayerisch Gmain den Heimweg zum knapp 60 Kilometer entfernten Zuhause angetreten. Erst dort wählte die Frau den Notruf.

Opfer soll sich gewehrt haben

Die abgeschnittene Brustwarze des Opfers wurde in einer weißen Tüte sichergestellt, der Angeklagte am Folgetag verhört. Auf Nachfrage, ob sich das Opfer gewehrt habe, antwortete der Angeklagte: "Ja. Aber ich war halt stärker."

Er gab zudem an, dass er am Tattag ab 7 Uhr morgens 13 Flaschen und zwei Dosen Bier getrunken habe. Bei der Festnahme in den Abendstunden wies er einen Promillewert von 1,7 auf. Anzeichen auf einen Drogenkonsum habe es nicht gegeben.

Die Beamten gehen nun von zwei Szenarien aus: Sollte der Angeklagte nach der Tat noch weiteren Alkohol getrunken haben, dann gehe man von einem Promillewert zwischen 1,5 und 2,4 zur Tatzeit aus. Sollte er nach der Tat nichts mehr getrunken haben, dann könnte sein Promillewert zur Tatzeit zwischen 3 und 3,5 gelegen haben.

Er habe sexuelle Fantasien mit Fesselspielen und Ritzen, gab aber gleichzeitig an: "Es sollte nicht so brutal werden."

Angeklagter rückfällig geworden

Die Sachbearbeiterin erklärte weiter, dass der Angeklagte rückfällig geworden sei und sich in einem Programm für haftentlassene Sexualstraftäter befinde.

"Die Planung von damals war auch hier sofort erkennbar", schilderte die Beamtin und bezog sich damit auf eine vergangene Tat des Angeklagten. Damals soll es aber bei den Vorbereitungen geblieben sein.

Aufgrund von Telefonprotokollen und Terminnotizen gehe die Polizei davon aus, dass die Misshandlungen eineinhalb bis zwei Stunden angedauert haben. Anschließend habe er plötzlich aufgehört und sie sehr vorsichtig losgebunden - "so, als wollte er sie nicht verletzen", erklärte die Beamtin.

Der Polizist, der den ersten Kontakt mit dem Opfer nach der Tat aufnahm, habe die Frau mit einem blutüberströmten Kleid aufgefunden. Sie sei aber relativ gefasst gewesen.

Das bestätigte auch die Polizistin, die das Opfer im Krankenhaus vernommen hatte. Die Frau sei wohl unter Schock gestanden.

Update vom Prozess, 10.30 Uhr:

Unter dem Vorsitz von Richter Dr. Jürgen Zenkel fand am Montag der Prozessauftakt gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger aus dem Berchtesgadener Land statt. Die Staatsanwaltschaft vertreten durch Monika Veiglhuber legte dem 53-jährigen Angeklagten eine schwere Vergewaltigung, schweren Raub und gefährliche Körperverletzung zur Last.

In einer Einlassung, die der Angeklagte über seine Pflichtverteidigerin Katharina Pilsel verlesen ließ, räumte der arbeitslose Handwerker große Teile der ihm zur Last gelegten Vorwürfe ein. Die schwerwiegendsten Anschuldigungen - ein Würgen bis zur Bewusstlosigkeit sowie die vorsätzlichen Verletzungen im Genitalbereich - ließ er jedoch unkommentiert.

Der 53-Jährige gab er zu, das Opfer am Tattag auf das Bett geschubst, mit vorbereiteten Fesselwerkzeugen im Bett fixiert und geknebelt zu haben und die Frau anschließend ohne Kondom vergewaltigt zu haben. Er gab weiter zu, die Gelegenheitsprostituierte im Anschluss daran mit einem Messer im Genitalbereich gefoltert zu haben.

Im weiteren Verlauf der Vergewaltigung habe er seinem Opfer auch Schnittwunden im Brustbereich zugefügt, wobei er eine Brust verstümmelte. Der Angeklagte räumte zudem ein, seinem Opfer sämtliches Geld abgenommen zu haben. Nach der Tat forderte er die Geschädigte auf, sich zu waschen und sein Haus zu verlassen.

Laut den Angaben des 53-Jährigen habe er zum Tatzeitpunkt unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden. Vor der Tat, im Laufe des Tages, soll er bereits mehrere, mindestens aber fünf Flaschen Bier getrunken haben. An die genaue Menge könne er sich jedoch nicht mehr erinnern. Über die Dauer der Misshandlung könne er aus diesem Grund auch keine genauen Aussagen treffen. Weitere Fragen zu den Hintergründen der Tat seitens des Gerichts beantwortete der Angeklagte nicht.

Nach einer kurzen Unterbrechung wird das Opfer aus dem Chiemgau und Polizisten, sowie ein medizinischer Gutachter gehört.

Vorbericht zum Prozess:

Nach der Vergewaltigung einer 57-jährigen Frau im Landkreis Berchtesgaden im September des vergangenen Jahres, steht am Dienstag der mutmaßliche Täter vor Gericht. Der Angeklagte soll die Frau am Tag seiner Festnahme brutal vergewaltigt und im Zuge dessen schwer verletzt haben.

Der Angeklagte soll die Frau am Tattag in seiner Wohnung in Bayerisch Gmain gefesselt und zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Danach soll der 53-Jährige der wehrlosen Geschädigten mit einem Messer schwere Verletzungen im Bereich des Unterleibs und am Oberkörper zugeführt haben. Weiter soll der Angeklagte dem Opfer sämtliches Bargeld im Zuge der Misshandlung abgenommen haben. Unter weiteren, massiven Drohungen soll es der geschädigten Frau schließlich gelungen sein, den Tatort zu verlassen und nach Hause zu fahren. 

Der Tatverdächtige konnte noch am selben Tag von der Polizei festgenommen werden. Laut Informationen des Reichenhaller Tagblatts soll ein großes Polizeiaufgebot dabei mehrere Stunden vor Ort gewesen sein. Der Angeklagte befindet sich zur Zeit im Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg in Haft.

Chiemgau24 ist am Dienstag beim ersten Verhandlungstag vor Ort und berichtet von der Verhandlung in Traunstein.    

Quelle: chiemgau24.de

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