Prozess wegen versuchtem Mord

Opfer (56): "Ich dachte, jetzt verreck ich"

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Verteidiger Harald Baumgärtl im Gespräch mit seinem 48-jährigen Mandanten.
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Traunstein/Garching - Mit Hilfe zweier Ex-Freunde soll eine 40-Jährige versucht haben, den Vater ihrer Tochter zu ermorden. An diesem Donnerstag sagte das Opfer vor Gericht aus.

Laut Anklage soll die 40-jährige Frau - zusammen mit ihrem 48-jährigen Ex-Freund - den Mord an dem Vater ihrer Tochter geplant haben. Der dritte Angeklagte habe die Frau in ihrem Vorhaben bestärkt, den Kindsvater umzubringen. Ende Februar diesen Jahres soll es dann zur Tat gekommen sein. Gegen 22.30 Uhr habe der 48-Jährige die Wohnung des Geschädigten betreten und ihm ein Messer in den Hals gerammt, während dieser schlief. Dadurch wurde ein Ast der Schlüsselbein-Arterie vollständig durchtrennt. In seiner Aussage vor Gericht am ersten Verhandlungstag gab der 48-Jährige zu, die Tat begangen zu haben. Er wollte so die Beziehung mit der 40-Jährigen wieder aufleben lassen. 

Die Angeklagte gab zwar in ihrer Aussage zu, an den Planungen des Mordes beteiligt gewesen zu sein. Zeitgleich versuchte sie aber auch den 48-jährigen Haupttäter zu belasten: "Er wollte ihn aus Eifersucht umbringen." Der vorsitzende Richter Erich Fuchs zweifelte das allerdings an: "Sie waren verpflichtet, ihrem Ex-Freund den Umgang mit der gemeinsamen Tochter zu gewähren. Und das wollten sie mit allen Mitteln verhindern."

Der andere Ex-Freund der Frau, der wegen Beihilfe zum Mord angeklagt ist, soll die 40-Jährige in zahlreichen WhatsApp-Nachrichten zur Tat motiviert haben. Er habe auf eine zeitnahe Ausführung hingewirkt. Er bestritt allerdings eine Beteiligung: "Ich habe nicht gedacht, dass sie das ernst meint, mit dem Mord."

Das Opfer sagt aus

An diesem Donnerstag machte der mittlerweile 56-jährige Geschädigte seine Aussage vor Gericht. Zuerst ging er auf seine Beziehung mit der 40-Jährigen ein. Ende 2007 habe er sie kennengelernt. Doch nach der Geburt der gemeinsamen Tochter 2009 sei die Beziehung auseinandergegangen. "Ihre andere Tochter hat ihr erzählt, dass ich ihr fremdgehen würde." Zudem habe die Mutter der 40-Jährigen ihr eingeredet, dass er mit der gemeinsamen Tochter abhauen wolle. Daher habe die Angeklagte auch verhindern wollen, dass er seine fünfjährige Tochter weiterhin sieht. "Sie hat das nur als Vorwand genommen. Sie wollte einfach nicht, dass ich mit der Kleinen etwas zu tun habe. Ich passte nicht in ihre Welt."

Einige Wochen vor der Tat habe ihn auch der 48-jährige Angeklagte eines Nachts besucht. "Er hat gemeint, dass er seiner Ex-Freundin eins auswischen wolle, weil er sie im Verdacht habe, fremdzugehen. Er wollte daher meine Tochter vom Kindergarten abholen und zu mir bringen. Ich habe zu ihm gesagt, er soll das sein lassen. Wenn er das mache, würde sofort die Polizei bei mir vor der Tür stehen." Zudem vermutete der 56-Jährige hinter dem Angebot eine Falle: "Die wollten mich damit doch nur reinlegen."

Anschließend beschrieb der Geschädigte seine Erinnerungen an die Tatnacht: Er sei von der Arbeit so erschöpft gewesen, dass er sich frühzeitig schlafen gelegt habe. "Ich bin aufgewacht, weil mir jemand in den Hals gestochen hat und ich hab geschrien." Aus dem Augenwinkel habe er noch jemanden weglaufen sehen. Danach habe er gemerkt, dass er ziemlich heftig blute. "Mein erster Gedanke war: 'Jetzt verreckst du'." Mit der Hand habe er versucht, die Blutung zu stoppen. "Das hat aber nicht viel gebracht. Daher habe ich zwei Finger in die Wunde gesteckt. Ich habe dann gemerkt, dass es ziemlich tief reingeht." Mit letzter Kraft habe er noch sein Handy vom Nachttisch greifen können, um den Notruf zu wählen. "Ich konnte noch meine Adresse durchgeben. Dann ist mir das Handy aus der Hand gefallen."

Quelle: chiemgau24.de

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