Schüsse auf Ex: "Ich wollte nur mit ihr reden"

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Traunstein/Burgkirchen - Die Schüsse auf seine Ex bestreitet ein 53-Jähriger nicht - doch wollte er sie auch töten? Die Staatsanwaltschaft will ihn für Jahre hinter Gittern sehen. *UPDATE*

UPDATE 15.30 Uhr: Die Plädoyers

Geht es nach der Staatsanwaltschaft, wollte der Angeklagte das Opfer töten. Dass der Angeklagte wirklich dachte, es habe sich nur um eine Spielzeugpistole gehandelt, die er in Tschechien kaufte, nahm ihm Staatsanwalt Björn Pfeifer nicht ab. Denn wenn er das Opfer nur hätte erschrecken wollen, hätte er nicht zuerst auf den Boden gezielt, bevor er die Schüsse auf ihren Körper abfeuerte.

Aus drei Gründen geht die Staatsanwaltschaft von einem Tötungsvorsatz aus: "Erstens, weil der Angeklagte dem Opfer androhte, dass etwas Schlimmes passieren würde. Zweitens, weil er auch Zeugen sagte, dass er eine Frau umbringen wolle. Drittens, weil der Angeklagte aus nächster Nähe schoss und auch ein weiteres Mal feuerte, nachdem er gesehen hatte, dass die Frau verletzt ist."

Für den Angeklagten spreche zwar die Verzweiflung des Angeklagten, das Teilgeständnis, die Entschuldigung beim Opfer und sein psychischer Zustand, aber: Ein ähnlicher Fall kam schon einmal vor. 2004 bedrohte der Angeklagte wegen Unterhaltszahlungen seine vorherige Ehefrau bereits mit einer Machete. Auch die zweite Tat, die am Montag vor Gericht behandelt wurde, die Bedrohung des neuen Geliebten seiner Ex-Frau, sei versuchte Nötigung.

Die Staatsanwaltschaft plädierte für insgesamt neun Jahre Haft, die teils in einer Therapieanstalt verbracht werden kann. Die Nebenklage schloss sich dem Plädoyer an. 

Der Verteidiger erinnerte dagegen, dass die Bedrohung seiner vorangegangenen Ehefrau mit einer Machete bereits lang zurückläge und damals auch niemand zu Schaden gekommen sei. Im jetzigen Fall kann der Verteidiger keine konkrete Tötungsabsicht erkennen. Auch die Sprüche in der Kneipe wären nur ein "Prahlen im angetrunkenen Zustand" gewesen. Auch die Zeugen hätten den Angeklagten dabei nicht ernst genommen.

Eine Tötungsabsicht läge außerdem nicht vor, weil die manipulierte Waffe ungefährlich gewesen sei. Auch von einem Hinterhalt könne man nicht sprechen, weil das Opfer den Angeklagten bei der Tat gut erkennen hätte können. "Mein Mandant hat sich entschuldigt und ist in einem Alter, in der die Strafempfindlichkeit hoch ist", meinte der Verteidiger - vier bis viereinhalb Jahre Unterbringung und Therapie, so sein Plädoyer. 

"Ich wollte nur mit ihr reden, ihr nicht weh tun. Vor allem was jetzt mit den Kindern passiert ist, das verzeihe ich mir nie", waren die abschließenden Worte des 53-jährigen Angeklagten. Am 24. März wird Richter Erich Fuchs das Urteil gegen den Burgkirchner sprechen.

UPDATE 13.17 Uhr: Aussage der Sachverständigen

Obwohl der Angeklagte aus sieben bis acht Zentimetern auf das Opfer gefeuert hat, wurde sie nicht schwer verletzt, weil der Revolver derart manipuliert und der Gasdruckverlust so hoch war: "Ernsthaft gefährden kann man mit so einer Waffe niemanden", so der Sachverständige.

Das Opfer hatte auch fünf Tage nach der Tat noch ausgeprägte Hämatome an der Brust. Die Aussagen des Opfers, dass der Angeklagte aus nächster Nähe geschossen haben soll, passen gut zu den Erkenntnissen der Sachverständigen.

"Der Alkoholismus zieht sich durch sein Leben", merkte der psychiatrische Gutachter an. Seit 1988 spiele Alkohol im Leben des Angeklagten eine große Rolle. Seit Juni, als die Probleme mit seiner Frau größer wurden, trank er bis zu 15 Bier am Tag - auch am 25. Juli.

"Der Angeklagte war trotzdem nur leicht bis mittelmäßig alkoholisiert zum Tatzeitpunkt. Er hat den Alkohol gut vertragen und schnell abgebaut", so der Gutachter. Eine verminderte Steuerungsfähigkeit könne man trotzdem nicht ausschließen.

"Er wollte den Kummer wegen den Kindern und der Frau ertränken", so der Gutachter. Sein Hausarzt verschrieb ihm außerdem Antidepressiva.

Auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter habe der Angeklagte die Schüsse auf seine Ex-Frau gestanden. "Er sagte mir, es habe nur ,klack klack' gemacht, er habe nicht bewusst abgedrückt", erzählt der Gutachter. Sein Vorschlag: Eine Alkoholtherapie über anderthalb Jahre.

Am Nachmittag werden die Plädoyers erwartet.

UPDATE 11.08 Uhr: Wie betrunken war der Angeklagte tatsächlich?

Am Vormittag sagten vor Gericht sieben Zeugen aus. Es ging dabei unter anderem um die Frage, wie betrunken der Angeklagte zum Tatzeitpunkt am 25. Juli 2014 in der Burgkirchener Kneipe war.

Die Zeugen widersprachen sich dabei. Einige gaben an, dass der 53-Jährige bereits "sehr betrunken" war, wieder andere meinten, er sei nur "angetrunken" gewesen.

Zum anderen ging es bei den Vernehmungen um die Frage, ob der Angeklagte seine Tat vorher angekündigt habe. Zeuge K. will in der Kneipe gehört haben, dass er damit gedroht habe, eine Waffe aus dem Wald zu holen, seine Ex, ihren neuen Liebhaber und sich selbst zu erschießen. 

Mehrere Zeugen wollen gewusst haben, dass der Angeklagte zuvor von seiner Frau aus der Wohnung geworfen wurde und die gemeinsamen Kinder nicht mehr sehen durfte.

Laut seiner Tochter aus einer vorherigen Beziehung, die ebenfalls vor Gericht eine Aussage tätigte, akzeptierte der Angeklagte zwar die Trennung von seiner Frau, nicht jedoch die Trennung von den Kindern. Das habe ihn sehr belastet.

Im Anschluss werden nun die Gutachter ihre Berichte abgeben.

Vorbericht: Anklage "versuchter Mord"

Am 25. Juli 2014 kam es in Burgkirchen zu einer unglaublichen Szenerie: Auf offener Straße schoss ein damals 53-jähriger Mann im Streit mehrmals auf seine 37-jährige Ex-Ehefrau. Glücklicherweise kam diese jedoch mit nur leichten Verletzungen davon. Der Grund: Die Waffe, ein umgebauter Gas-Revolver, versagte mehrmals seinen Dienst. Am 10. März begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Vernommen wurde bisher die Geschädigte und einzelne Zeugen.

Der Prozess gegen den angeklagten 53-Jährigen wird am Montag ab 9 Uhr vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Es sollen unter anderem die medizinischen und psychiatrischen Gutachter und weitere Zeugen gehört werden. chiemgau24.de berichtet auch dann wieder von den Entwicklungen aus dem Gerichtssaal.

Bereits Mitte Juni soll der Angeklagte mit seiner baulich veränderten Schusswaffe in Erscheinung getreten sein. Damals soll er bereits einen Arbeitskollegen seiner Ex-Frau, den er in Verdacht hatte, ein Verhältnis mit ihr zu haben, mit der Pistole bedroht haben.Mit vorgehaltener Waffe soll der Angeklagte den Mann zum Aussteigen aus einem PKW aufgefordert haben. Während dieses Vorgangs soll sich ein Schuss aus dem umgebauten Revolver gelöst haben. Es kam dabei jedoch zu keinem Schaden für die beteiligten Personen.

Etwas mehr als ein Monat später soll der 53-jährige, mutmaßliche Schütze dann seiner Ex-Frau trotz eines richterlichen Kontaktverbots aufgelauert haben. Mit insgesamt zehn Schuss Munition und seiner modifizierten Waffe soll der Mann am Abend seine Ex-Frau abgepasst haben. In der Nähe eines Seniorenheims in der Burgkirchner Schusterbauerstraße soll er der Frau den Weg versperrt haben. Beim Versuch die Polizei zu rufen, habe der Mann dann mit der mitgeführten Pistole auf sie gezielt und mehrfach abgedrückt.

Nur ein Projektil soll dabei aufgrund einer Funktionsstörung gezündet worden sein. Es traf den Oberkörper der Frau, konnte jedoch glücklicherweise lediglich eine Prellung verursachen. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung soll sich dann noch ein weiterer Schuss gelöst haben, der die Frau aber verfehlte. Zwei auf das Geschehen aufmerksam gewordene Männer konnten den Angeklagten dann schnell überwältigen und den Mann bis zum Eintreffen der Polizei unter Kontrolle halten.

sl/xe

Quelle: chiemgau24.de

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