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Stefan H. (50) machte sich in Rosenheim schuldig

Urteil gegen „falschen Impfarzt“ – und Richterin packt plötzlich grausige Details über ihn aus

Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“ Stefan H. am Landgericht Traunstein
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Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“ Stefan H. am Landgericht Traunstein

Nach drei Monaten Verhandlung ist das Urteil im Prozess für Stefan H. gesprochen worden. Wegen tausendfacher Körperverletzung ist er angeklagt gewesen, weil er in und um Rosenheim als „falscher Impfarzt“ tätig war. Diese Strafe erwartet ihn nun:

Update, 11.50 Uhr - Richterin packt grausige Details über Stefan H. (50) aus

Stefan H. ist schuldig! Er muss für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis, entschied das Traunsteiner Landgericht am Donnerstagvormittag. Er fälschte Arzt-Urkunden und konnte so im Februar und März 2020 im Rosenheimer Impfzentrum und in mobilen Teams impfen. Das Urteil: 305 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, 1144 Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung. Dazu kommen gewerbsmäßiger Betrug, Urkundenfälschung, Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis. 

„Sie haben ein Spiel mit dem Leben anderer gemacht“, so Jacqueline Aßbichler, die Vorsitzende Richterin. Und sie macht weitere Details über den 50-Jährigen publik, die im Prozess bisher nicht zur Sprache kamen: „Sie haben pädophile Neigungen“, so Aßbichler. Bei den Ermittlungen habe sich herausgestellt, dass Stefan H. wiederholt konkret überlegt habe, Kinder zu missbrauchen. Das hätten viele ausgewertete Chats ergeben.
 
Die Richterin spricht Klartext: „Sie haben menschenverachtende, rücksichtslose, empathielose Züge. Ihnen fehlt jedes Verantwortungsbewusstsein. Gott sei Dank sind Sie kein Priester geworden und können keine minderjährigen Flüchtlinge mehr betreuen.“ Weil sich Stefan H. aber nur im privaten Bereich über den sexuellen Kindesmissbrauch unterhielt und darüber nachdachte, liegt hier keine Strafbarkeit vor.
 
Im Prozess stellte sich der „falsche Impfarzt“ immer wieder als Mensch mit guten Absichten dar, der in der Corona-Pandemie nur helfen wollte. Die Richterin sieht es anders: „Stefan H. wollte Geld. Er gab vor, eine Person höheren Ansehens zu sein, um Vorteile zu erhalten.“ Sein narzistisches Verhalten zeige sich gegenüber Familie, Lebenspartner, Vermieter, Sexpartner oder Gericht.
 
Täuschen und manipulieren sei das Motto des Angeklagten – Richterin Jacqueline Aßbichler nennt ein anschauliches Beispiel: „Am ersten Prozesstag schleppte er sich mit Krücken in den Saal. In der ersten Verhandlungspause sprang er dann aber wie ein junges Reh vom Stuhl. Darauf sind wir nicht hereingefallen.“ Auch seine Tätigkeiten im Impfzentrum seien nicht so harmlos gewesen. Beim falschen Impfen könnten Nervenschäden auftreten. „Und die Impfung ist nicht nur ein Pieks. Der Angeklagte hatte schließlich auch die Entscheidung darüber, wer überhaupt geimpft werden kann. Durch ihn entstand ein Vertrauensschaden.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 11.07 Uhr - Das Urteil ist gefallen

Das Urteil ist gefallen: Stefan H., der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, muss ins Gefängnis. Das Traunsteiner Landgericht hat ihn soeben zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er ist unter anderem schuldig wegen 305 Fällen von gefährlicher Körperverletzung und 1144 Fällen von vorsätzlicher Körperverletzung. Darüber hinaus kommen Straftatbestände wie gewerbsmäßiger Betrug.

In Kürze berichten wir in einem ausführlichen Update ausführlich über das Urteil.

Rosenheim/Traunstein - Wohin die Reise im Urteil des Traunsteiner Landgerichts am Donnerstag (19. Mai) gehen könnte, wurde vorige Woche in den Plädoyers ersichtlich. Fünf Jahre Haft forderte die Staatsanwaltschaft für den „falschen Rosenheimer Impfarzt“, die Verteidigung plädierte auf Bewährung für Stefan H. Gegen 11 Uhr wird die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler das Urteil sprechen. Wir berichten sofort nach dem Urteilsspruch. Der Fall erregte bundesweites Aufsehen.

„Falscher Impfarzt“ in Rosenheim: Urteil am Landgericht Traunstein

Stefan H. aus dem Landkreis München arbeitete im Februar und März 2020 als Impfarzt in und um Rosenheim. Genommen wurde er nur, weil er Urkunden fälschte und sich so als Arzt ausgab. Das hat der 50-Jährige bereits gestanden. Er selbst sagt, er tat es aus Nächstenliebe, die Anklage behauptet, er brauchte dringend Geld. Staatsanwalt Andrä bezeichnete Stefan H. als „Hochstapler und Betrüger“. Verteidiger Peter Witting betonte dagegen, sein Mandant habe niemanden verletzt und die Impflinge seien „glücklich nach Hause gegangen“.

 H. war eigentlich „nur“ Theologe und war zuletzt händeringend auf der Suche nach Jobs, außerdem plagten ihn Mietschulden. Rund 20.000 Euro wären dem Angeklagten, der sowohl im Impfzentrum in Rosenheim als auch in einer Reihe von Pflegeheimen im Landkreis Rosenheim aktiv war, theoretisch zugestanden. Der Stundenlohn eines Impfarztes beträgt 100 EuroLaut psychiatrischem Gutachter wollte er mit der Arbeit als Impfarzt vor allem sein geringes Selbstwertgefühl aufpolieren

Bei mindestens 306 Personen habe er die Spritze selbst gesetzt, bei 1144 Personen habe er nur Leitung und Aufsicht inne gehabt. Zuletzt sagte der Leiter des Rosenheimer Impfzentrums als Zeuge aus. Er gab Einblicke, wie man Stefan H. auf die Schliche kam, dass er gar kein richtiger Arzt ist - doch anfangs glaubte man ihm noch. Angeklagt ist der Mann wegen 1450 Fällen von Körperverletzung, Urkundenfälschung, gewerbsmäßigen Betrugs, Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. 

xe

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