Angeklagte leugnen vor Gericht alles

Buttersäure-Attentat bei Siegsdorf? "Es stank ohne Ende, wie nach Kotze"

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Foto vom Feuerwehreinsatz bei Siegsdorf im Juni 2018. Zu sehen eine der Türen, die die Angeklagten mit Buttersäure bearbeitet haben sollen. 60 Feuerwehrler waren damals im Einsatz.
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Traunstein/Siegsdorf - Sie sollen die Haustüren und Kopfstütze seines Autos mit Buttersäure behandelt haben - das Opfer klagte wegen des Gestanks über starke Kopfschmerzen. Ein Urteil fiel gegen die beiden Angeklagten aber noch nicht.

Buttersäure auf Türen, Möbeln und dem Fahrersitz eines 180.000 Euro teuren Autos - wer steckt hinter dieser Tat vom 16. Juni 2018 bei Siegsdorf? Am Donnerstag wurde über Stunden vor dem Traunsteiner Amtsgericht verhandelt, doch ein Urteil fiel noch nicht. Angeklagt sind eine 43-jährige Siegsdorferin und ein 48-jähriger Traunsteiner. Der Geschädigte, Eigentümer des Gebäudes und des Autos, klagte vor Gericht, er habe wegen des Gestanks eine knappe Woche unter Kopfschmerzen gelitten.

Geschädigter: "Es stank überall nach Kotze"

Die Angeklagte und der Geschädigte waren sowohl in einer Beziehung, als auch Geschäftspartner. Doch nachdem das Zusammenleben auseinander ging trennte man sich auch geschäftlich. "An jenem 16. Juni hat sie ihre Sachen aus den Geschäftsräumen geholt und ich war kurz weg um Brotzeit zu kaufen. Als ich zehn Minuten später wiedergekommen bin, stank es überall nach Kotze", berichtet der Geschädigte. Der Verdacht der Feuerwehr, es handle sich um Buttersäure, wurde am Amtsgericht auch von einem Gutachter gestützt. 

"Ich dachte zuerst wirklich da hat jemand hingekotzt. Buttersäure war für mich damals noch ein Fremdwort", so der Geschädigte. Lüften half nichts, nur als man Schritt für Schritt die Möbel hinausschaffte, wurde es langsam besser. Auch aus dem teuren Auto war der Gestank kaum mehr herauszubekommen, obwohl die Inneneinrichtung erneuert wurde. Auch ein KfZ-Gutachter, der sich dem Wagen annahm berichtete: "Es hat unerträglich gestunken, wie Erbrochenes. Ein typischer Buttersäuregeruch."

Foto einer der Türen. Zu erkennen sind die Verätzungen rund ums Schlüsselloch.

Angeklagte unterhielten sich per Handy über Buttersäure

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: seine Ex-Partnerin war es. Denn auf dem Handy der Siegsdorferin fand man Chatverläufe zwischen ihr und dem Traunsteiner, in dem sie das Bild einer Buttersäure-Dosen verschickte. "Böses Mädchen" habe er darauf geantwortet, worauf sie schrieb "Du hast mich doch darauf gebracht". Laut Staatsanwaltschaft wurde die Buttersäure bei Amazon bestellt. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung ist die 43-Jährige angeklagt, der Mann wegen Anstiftung dazu. 

"Die Chatverläufe sind aus dem Zusammenhang gerissen", erwiderte die Siegsdorferin auf der Anklagebank. "Wir haben nur darüber gesprochen, was sich manche Paare gegenseitig so antun. Auch ich hatte nämlich gerade eine Trennung hinter mir", so der angeklagte Traunsteiner. Auch den Buttersäure-Anschlag selbst leugnete sie: "Ich war das nicht. Zu dem Zeitpunkt war ich schon nicht mehr in den Geschäftsräumen."

Amazon-Account gehackt? Urteil vertagt

Ein Urteil gab es am Donnerstag aber noch nicht. Andreas Kastenbauer, Anwalt der Siegsdorferin, will noch einen Zeugen vernehmen. Er könne Belege liefern, dass die Angeklagte das Buttersäure-Päckchen gar nicht erst erhalten habe. Auch könne jemand ihren Amazon-Account gehackt und in ihrem Namen die Buttersäure bestellt haben. Für die Staatsanwältin eine "reine Verzögerungstaktik", doch in den Augen von Richter Wolfgang Ott komme man an diesem Zeugen nicht vorbei. Der Prozess wird am 3. Dezember um 13 Uhr fortgesetzt.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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