Aus dem Landgericht

Rentner ermordet: Andere Tatverdächtige genannt

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Traunstein - Wegen dem Mord an einem Rentner aus Traunreut muss sich ein 25-jähriger Niedersachse vor Gericht verantworten. Das passierte am fünften Prozesstag:

UPDATE 12.30 Uhr: Verteidigung nennt weitere Personen mit mutmaßlichen Tatmotiven

Verteidiger Axel Kampf stellte zum Ende des fünften Verhandlungstages insgesamt acht Beweisanträge. Im wesentlichen hatten die Anträge das Ziel, andere Mordmotive und somit auch andere Verdächtige zu präsentieren.

Beispielsweise hätte das Opfer teils für Liebesdienste bezahlt, was finanzielle Verpflichtungen nach sich zog und somit ein Tatmotiv für eine dieser Frauen ergebe. Aber auch ein Hundezüchter, dem das Opfer Geld geschuldet haben soll, hätte ein Motiv gehabt, erklärte der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft will sich nun schriftlich zu den Anträgen äußern.

Damit ist die Verhandlung für heute beendet.

UPDATE 12.15 Uhr: Wann kamen die DNA-Spuren an die Essigflasche?

Die Flasche mit der Essigessenz beschäftigte am Freitagvormittag wieder das Gericht. Zur Erinnerung: am Verschluss der Flasche waren DNA-Spuren des Beschuldigten gefunden worden.

Die Essenz selbst war über das Bett des Opfers verteilt worden, vermutlich um mögliche Spuren zu überdecken. Nun ging es darum, zu klären, wann die Essenz hergestellt wurde. Denn sollte der Essig bereits 2013 existiert haben, dann hätte die DNA des 25-Jährige bereits auf den Verschluss gekommen sein, als er bei dem Rentner gewohnt hatte.

Ein Mitarbeiter des Lebensmittelkonzerns, der den Essig herstellt, bestätigte an diesem Freitag allerdings, dass die Flasche am 24. März 2014 produziert wurde. Dies sei anhand der Chargennummer eindeutig belegbar.

Der Beschuldigte hatte zwar eingeräumt, dass er nach seinem Gefängnisaufenthalt 2014 nochmal in der Wohnung des 61-Jährigen war. Allerdings war keine Rede davon, dass er dabei den Verschluss der Essigflasche angefasst habe. Ein Gutachter bestätigte anschließend noch, dass der Deckel - "oder ein genau gleicher Deckel, desselben Produkts" - zur Essigflasche gehörte.

UPDATE 11.25 Uhr: Verteidiger beschwert sich über Umgang mit Entlastungszeugen

Der Verteidiger Axel Kampf gab am Vormittag eine Erklärung ab. Er prangerte dabei an, dass die Entlastungszeugen, die das Opfer später gesehen haben, ständig verunsichert würden. "Die Aussagen werden ständig mit einem Fragezeichen versehen."

Das sei nur eine Folge der "Fehler der Ermittlungsbehörden", die es versäumt hätten, den Todeszeitpunkt des 61-Jährigen genauer zu bestimmen.

UPDATE 10.45 Uhr: Wann wurde das Opfer zuletzt lebend gesehen?

Ein Nachbar des Opfers sagte aus, dass er den 61-Jährigen zuletzt am 15. Mai 2014 - zwei Tage, bevor die Leiche gefunden wurde - in Traunreut gesehen habe. Ganz sicher sei er sich beim Datum aber nicht. Er könne sich allerdings noch erinnern, dass der Rentner allein unterwegs war. Auch am vierten Verhandlungstag hatte eine Bekannte des Opfers ausgesagt, dass sie ihm an diesem Tag noch begegnet sei. Sie war sicher, dass der Beschuldigte dabei gewesen sei. Das Problem daran: Der 25-Jährige wurde an diesem Tag von der Polizei in Norddeutschland, wegen eines Fahrraddiebstahls, vernommen.

UPDATE 10.15 Uhr: Aussage des Sozialpädagogen

Ein 64-jähriger Sozialpädagoge machte am Vormittag seine Aussage. Er habe den Beschuldigten zuletzt am 12. Mai 2014 - also kurz vor dem Mord - gesehen. Der 25-Jährige habe von ihm 100 Euro Unterstützungsgeld bekommen. "Er hat dann seine Sachen bei uns gelassen. Ich habe ihn zum Jobcenter geschickt, damit er sich um seine Angelegenheiten kümmern kann. Ich habe ihn dann aber nicht mehr gesehen." Einige Tage später sei er dann nochmal zu einer Kollegin des Sozialpädagogen gekommen, um einen Teil seiner Sachen wieder abzuholen. Wann genau, wisse er allerdings nicht.

VORBERICHT:

Fünfter Verhandlungstag im Prozess gegen einen 25-jährigen Mann aus Niedersachsen. Im Mai 2014 soll er einen 61-jährigen Traunreuter in dessen Wohnung erstochen haben. Die Leiche soll er anschließend unter das Waschbecken im Badezimmer gestopft haben. Der Tote wurde erst einige Tage später von der Polizei gefunden, als eine Nachbarin den Verwesungsgeruch im Hausgang bemerkte. Der Niedersachse, der vorher bereits einige Zeit bei dem 61-Jährigen gewohnt hatte, konnte schließlich am 30. Juli festgenommen werden.

Der 25-Jährige ist in einer Psychiatrie untergebracht. Er leidet an einer schizophrenen Störung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seine Steuerungsfähigkeit zum Tatzeit zumindest eingeschränkt gewesen ist. Im Falle einer Verurteilung könnte der Niedersachse dauerhaft in eine Psychiatrie eingewiesen werden.

Der Beschuldigte schwieg bislang zu den Tatvorwürfen. Dafür beantragte sein Verteidiger Axel Kampf am ersten Verhandlungstag den Ausschluss der Vernehmungs-Protokolle des Beschuldigten.

Am zweiten Verhandlungstag wurde der Antrag des Anwalts abgelehnt. Der Beschuldigte sei korrekt belehrt worden und die Dauer der Vernehmungen habe ihn nicht in seinem Willen beeinträchtigt, so die Begründung des vorsitzenden Richters Erich Fuchs.

Der Eingrenzung des Todeszeitpunkts dienten die Zeugen-Vernehmungen am dritten und vierten Prozesstag. Doch sowohl die Befragungen der Einsatzkräfte, als auch die Aussagen der Nachbarn und Bekannten des Opfers, erbrachten dabei keine entscheidenden Hinweise auf den Zeitraum des Todes.

Das Gericht konnte somit bislang noch nicht eindeutig nachweisen, dass sich der Beschuldigte - im Zeitraum des Mordes - in Traunreut befunden hat. Das Tatmesser wies keine Spuren auf, da es nach dem Mord bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen wurde. Fehlanzeige auch in der Wohnung, in der gewischt und anschließend Kaffeepulver, Mehl, Zucker und Essigessenz verstreut wurde. Es bleibt also abzuwarten, was die weiteren Verhandlungstage ergeben.

An diesem Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Chiemgau24.de ist vor Ort und berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

Quelle: chiemgau24.de

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