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Lieber String statt Krone?

Eklat am Königinnentag: Traunsteiner MdL Steiner irritiert mit sexistischer Äußerung

Über 250 Produktköniginnen aus ganz Deutschland waren am zweiten Juniwochenende nach Traunstein gekommen.
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Über 250 Produktköniginnen aus ganz Deutschland waren am zweiten Juniwochenende nach Traunstein gekommen.

Bei dem Begriff „Königin“ denkt man an Würde und Respekt. Und nicht unbedingt an eine Empfehlung, Bikinis oder gar Strings zu tragen, um einen Prinzen zu finden. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, war es am Traunsteiner Königinnentag zu einem sexistischen Eklat gekommen. Die Hintergründe. 

Traunstein – Von der Kirschkönigin bis zur Zuckerrohrkönigin, über 250 Produktköniginnen aus ganz Deutschland hatten sich auf Einladung des Verbands „Traunstein erleben“ in den Chiemgau begeben. Es stand auch ein Festumzug samt offiziellem Empfang der Stadt am Samstag auf dem Terminplan der Königinnen.

„Auf der Suche nach Prinzen“

Dort sprach auch der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner (CSU) ein Grußwort an die 250 Damen: „Sie sind sicher auf der Suche heute nach solchen Prinzen. Da wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Und ich hätte noch eine Empfehlung. Erscheinen Sie einfach im Bikini oder im String. Dann wird‘s kühl. Aber die meisten werden so ausgestattet sein.“ Veröffentlicht wurde das Video, das Steiner zeigt, in den Sozialen Medien von den Journalisten des Y-Kollektivs, die in Traunstein für eine Reportage über Carolin Lehner, amtierende Mostkönigin von Rottal am Inn, drehten.

Bei ihr kam Steiners Spruch gar nicht gut an. Wie auch bei Lehners Kollegin Anna Straubinger, die amtierende bayerische Mehlkönigin ist. „Es war ziemlich laut in dem Saal, und zunächst dachte ich, ich hätte mich verhört“, sagt Straubinger im Telefonat mit den OVB-Heimatzeitungen. Zwar kassiere sie öfters mal einen Spruch, dass es bei den Königinnen nur ums Aussehen gehe. „Natürlich zieht man sich schön an, aber das ist nicht alles“, findet Straubinger. Letztlich sei es ein Ehrenamt, das man aus Freude mache. „Ich will dafür sorgen, dass der Müllerberuf nicht in Vergessenheit gerät“, erklärt Straubinger ihre eigene Motivation. Jedes Wochenende sei sie dafür unterwegs und mache mindestens einen Termin, oft zwei. „Die Zeiten haben sich doch eigentlich geändert“, seufzt die Mehlkönigin angesichts Steiners Rede.

Das findet auch Gisela Sengl, Landtagsabgeordnete der Grünen aus dem Landkreis Traunstein. Sie wirft der CSU vor, dass jede gesellschaftliche Entwicklung an ihr vorbei gegangen sei. „Ich bin fassungslos!“, schreibt Sengl auf Instagram. Leider sei sie nicht eingeladen gewesen – „Hätte da gerne mal ein Pfeifkonzert eingeleitet“, schreibt Sengl weiter. „Zutiefst angewidert“ ist die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Simone Strohmayr, von Steiners Äußerungen. Sie erwarte, dass sich Ulrike Scharf, frisch gekürte Chefin der Frauen-Union, sowie Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Markus Söder von dem Vorfall distanzieren: „Frau Scharf hatte die mangelnde Gleichberechtigung in ihrer Partei noch vor einigen Tagen kritisiert. Was sagt sie zu einem solchen Frauenbild?“

„Eine solche Aussage ist nicht akzeptabel“, lautet die Antwort von Scharf. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen teilt Scharf mit, dass sie dem gleichberechtigten und respektvollen Miteinander von Frau und Mann, wie es zum Selbstverständnis der CSU gehöre, widerspreche.

Ein Missverständnis?

Steiner wiederum fühlt sich missverstanden, wie er auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. „Ich stand vor der Eröffnung im Kulturzentrum mit einer Gruppe von circa zehn Königinnen zusammen, die sich in gelöster Stimmung, bei einem Glas Sekt, über die bevorstehende Abendveranstaltung in einem Gewächshaus unterhalten haben“, so Steiner. Dabei sei es vor allem auch darum gegangen, was man angesichts der zu erwartenden Temperaturen bei der späteren Party im Gewächshaus anziehen werde. „Eine Königin schlug spaßeshalber Bikini vor, eine andere sagte, sie werde einen Stringtanga tragen, was die Gruppe mit ausgelassenem Gelächter quittierte“, so der Landtagsabgeordnete. Diese Äußerungen seien ohne dessen Mitwirkung erfolgt. „Ich mischte mich allerdings mit der Bemerkung ein, ob das auch für den Wurstkönig gelte“, sagt Steiner.

Er habe diese „spaßhaften Bemerkungen“ lediglich in seinem Grußwort aufgegriffen, „sozusagen als Gag, diesen aber nicht genannt“, erklärt Steiner. Niemand habe ihn darauf angesprochen, aber er habe bemerkt, dass seine Worte zum Teil ganz anders eingeschätzt werden. „Ich habe mich darauf vollumfänglich auf Facebook entschuldigt und erklärt, dass ich niemanden beleidigen wollte“, so der Christsoziale. Zu keinem Zeitpunkt sei etwas sexistisch gemeint gewesen.

Parteiintern bekommt Steiner ordentlich Gegenwind. Traunsteiner Landrat Siegfried Walch, zugleich CSU-Kreisvorsitzender, ist froh, dass Steiner sich inzwischen entschuldigt hat. Er halte die Äußerung seines Parteifreunds für „selbstverständlich untragbar“. Walch gehe zwar davon aus, dass er es als Scherz gemeint habe, aber das entschuldigt nichts. „Es ist weder lustig, noch passt es in die Zeit“, so Walch. Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU), der bei der Veranstaltung zugegen war, will sich auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht äußern.

Söder ärgert sich über Steiner

An der CSU-Spitze gibt es erheblichen Ärger über Steiner, auch bei Söder. Er lässt seinen Generalsekretär Martin Huber ausrichten, die Entschuldigung sei dringend angebracht: „Diese Äußerungen sind absolut inakzeptabel.“

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