Kampfkandidaturen und Frauen-Vorrechte

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Unser Foto zeigt von links die Spitzenkandidaten Marianne Penn (Platz 6), Alexander Reinmiedl (Platz 3), Burgi Mörtl-Körner (Platz 2), Gisela Sengl (Platz 4), Willi Geistanger (Platz 5) und Sepp Hohlwe-ger (Platz 1).

Traunstein - Sepp Holweger ist der Spitzenkandidat auf der Kreitagsliste der Grünen. Doch der Weg dahin war steinig, denn viele weibliche Mitglieder hatten etwas dagegen.

Kampfabstimung bei den Grünen: Bei der Aufstellungsversammlung im Gasthaus Sailer-Keller hatte Sepp Holweger, der Landratskandidat aus Ruhpolding, mit dem Wonneberger Bürgermeisterkandidat Alexander Reinmiedl einen Mitstreiter um den Spitzenplatz. In der Abstimmung gewann Hohlweger dann schließlich mit 53:34 Stimmen.

"Menschen mitnehmen, nicht überreden"

In seiner Vorstellung setzte sich Hohlweger für Transparenz und Zukunftsfähigkeit in der Politik ein. „Die Menschen wollen mitgenommen und nicht überredet werden“, sagte er. Man müsse ihnen deshalb Risiken und Chancen aufzeigen.

Tourismus als "Stiefkind" des Landkreises

Landratskandidat Sepp Hohlweger ist auf Platz eins der Kreistagskandidatenliste von Bündnis 90/Die Grünen.

In der jedem Kandidaten vorgegebenen Zeit von drei Minuten hatte der Landratskandidat nur kurz Gelegenheit, einige kommunalpolitische Themen anzusprechen. So müsse der Landkreis die Kliniken Südostbayern AG wieder voranbringen, damit die rund 3700 Mitarbeiter wüssten, wie es weiter gehe. „Die gute medizinische Versorgung muss weiterhin in der Hand des Landkreises bleiben“, forderte er.

Den Tourismus nannte er ein „Stiefkind“ des Landkreises, weil die kleinen Strukturen links liegen gelassen würden.

Platz 1 steht eigentlich den Frauen zu

Die Gegenkandidatur von Reinmiedl war aber nicht das einzige Hindernis, das Hohlweger für seinen Spitzenplatz zu überspringen hatte. Da laut Parteistatuten die ungeraden Plätze, und damit auch der Listenplatz eins, Frauen vorbehalten sind, musste zunächst darüber abgestimmt werden, ob man von dieser Praxis abweichen wollte. In der Diskussion darüber meinte Willi Geistanger, es wäre gut, wenn der Landratskandidat auf Platz eins stehen würde. „Wir Bünd-nis90/Die Grünen sind die einzige Partei mit einem Frauenstatut. Das zeichnet uns aus“, widersprach ihm Burgi Mörtl-Körner und fragte: „Warum sollten wir das aufgeben?“ Wogegen Marianne Penn meinte, die Partei zeichne aus, dass sie flexibel damit umgehe. Mit Hohlweger an erster Stelle setze man ein klares Signal. Für Margret Winnichner war das Frauenstatut dagegen ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Bündnis 90/Die Grünen, an dem man festhalten sollte. „Wenn er nicht auf dem ersten Platz steht, schmälert dies keineswegs die Stellung vom Sepp“, war ihre Meinung.

In weiteren Beiträgen wurde angeführt, dass der Landratskandidat und die Kreistagskandidatenliste nichts miteinander zu tun hätten. Der Landratskandidat bekäme auf Platz zwei noch genug Häufelstimmen. Eine andere Meinung war, dass es die Wähler nicht verstehen würden, wenn der Landratskandidat nicht an erster Stelle stehe. Dies sei schlecht für die Außenwirkung. Der Antrag für Hohlweger den vordersten Listenplatz frei zu machen ging schließlich mit 14:12 Stimmen knapp durch. Als einige die Gültigkeit des Wahlgangs bezweifelten, weil die meisten Delegierten vergessen hatten, die Wahlgangsnummer auf den Stimmzettel zu schreiben und damit ihre Stimmen ungültig waren, drohte Uli Genghammer sogar erbost, die Versammlungsleitung niederzulegen.

Im weiteren Verlauf des Wahlmarathons, der mit über 30 Abstimmungen bis weit nach Mitternacht dauerte, wurden nur die Kandidaten für die ersten 20 Listenplätze in Einzelabstimmung festgelegt.

Die Reihenfolge lautet:

1. Landratskandidat Sepp Hohlweger (Ruhpolding), 2. Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner (Traunstein), 3. Bürgermeisterkandidat Alexander Reinmiedl (Wonneberg), 4. MdL Gisela Sengl (Sondermoning), 5. Kreisrat und Bürgermeisterkandidat Willi Geistanger (Siegsdorf), 6. Stadträtin Marianne Penn (Trostberg), 7. Pfarrer Andreas Herden (Trostberg), 8. Margret Winnichner (Übersee), 9. Bürgermeis-terkandidat Sebastian Heller (Chieming), 10. Marlies Neuhierl-Huber (Siegsdorf), 11. Mina Baur (Traunstein), 12. Ilse Englmaier (Tittmoning), 13. Josef Stöttner (Marquartstein), 14. Kreisrätin Inge Kämpfl (Waging), 15. Dr. Michael Hüller (Kirchanschöring), 16. Anneliese Kiermaier (Fridolfing), 17. Zweiter Bürgermeister Hans Kern (Waging), 18. Regina Reiter (Kirchanschöring), 19. Peter Beisser (Waging) und 20. Gemeinderätin Lisa Heimbucher (Chieming).

Genghammer freute sich, dass sich wieder so viele Kandidaten zur Verfügung gestellt haben, „mit allen Hoffnun-gen, Erwartungen und Enttäuschungen“. „Es braucht Mut zu kandidieren, aber auch zu verlieren“, betonte er.

Eine besonders engagierte Bewerbungsrede hielt Andreas Herden aus Trostberg, der Abteilungsleiter Migrationsdienste der Inneren Mission München ist. Er kümmert sch dort um jugendliche Flüchtlinge, die unbegleitet in Bayern gestrandet sind. Seine Rede verhalf ihm nach einer mit 54 zu 20 Stimmen gewonnen Stichwahl auf den begehrten siebten Listenplatz. Über die Listenplätze 21 bis 70 wird die Kreisvorstandschaft in den kommenden Wochen einen Vorschlag erarbeiten. Die endgültige Abstimmung über die gesamte Liste erfolgt am 10. Januar in einer eigenen Aufstellungsversammlung.

Bjr

Quelle: chiemgau24.de

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