ÖPNV: Der Politik Dampf machen

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Landkreis - Um sich über die derzeitige Situation im ÖPNV auszutauschen, trafen sich jetzt Vertreter der UVA und der „Bürgerallianz Grenzenlos".

Vor kurzen trafen sich Vertreter des Umweltschutzverbandes Alztal und Umgebung (UVA) und des regionalen Netzwerkes „Bürgerallianz Grenzenlos“ um ihre Positionen in Bezug auf den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) in der Region angesichts der bevorstehenden Kreistags- und Landratswahl darzustellen.

Schon im September 2012 forderten die Verbände in ihrem „Südostbayern Manifest“ endlich den ÖPNV in der gesamten Region attraktiv und in vielen Bereichen als echte Alternative zum Individualverkehr auszubauen. Inzwischen liegt ein Konzept der Nahverkehrsberatung Südwest aus Heidelberg vor, das jedoch nicht veröffentlicht wurde und somit der Bürger, der Nutzer eines solchen Konzeptes werden soll, bisher keine Gelegenheit hatte, Stellung zu beziehen oder selber Vorschläge einzubringen.

Ein bereits vereinbartes Treffen für Anfang Februar zwischen UVA und dem Ersteller des Konzepts, Herrn Stefan Kroll, von der Nahverkehrsberatung Südwest wurde kurzerhand vom Landrat verboten. Kein Wunder, dass engagierte Bürgerinnen und Bürger sauer reagieren, wenn ihnen Informationen vorenthalten werden. Die Vorsitzende des UVA, Gisa Pauli meint: „Um ein Verkehrskonzept zu optimieren und bürgergerecht umzusetzen, bedarf es doch eines Austausches zwischen Planer, Politik und Einheimischer, um auf vorhandene Nöte, Mängel oder fehlende Verbindungen aufmerksam machen zu können. Jedenfalls hat der Verband jetzt eine Befragung durchgeführt und möchte die wichtigsten Punkte im Konzept berücksichtigt wissen".

Schnellbahn von Mühldorf nach Traunstein gefordert

Kernpunkte der Stellungnahme der Verbände ist die Attraktivität des ÖPNV unter Einbeziehung von Bus und Schiene. Der stärkste Personenverkehr im Landkreis findet auf der Achse Trostberg – Traunreut – Traunstein statt. Es ist selbstverständlich, dass gerade auf dieser Achse die Schiene das Rückgrat bilden muss, zumal auch die Weiterführung nach Mühldorf- München (Flughafen) und Traunstein- Salzburg- München vorhanden ist.

Allerdings, so kritisiert Ulrich Kühn: „kann es nicht sein, dass die derzeitige Bahn eine unattraktive Schneckenbahn darstellt mit Fahrzeiten wie sie vor 100 Jahren üblich waren. Ohne die Ausbildung einer attraktiven umweltfreundlichen Schnellbahn, die schneller als Bus und PKW ist, wird das Angebot der Bahn nicht wirklich angenommen. Es ist ein Anachronismus, wenn für einen modernen Tunnel bis zu 80 Millionen locker gemacht werden, aber keine Gelder für eine Modernisierung der Schienenanlagen zur Verfügung gestellt werden. Hier ist der engagierte Bürger gefragt, der der Politik Dampf macht.“ Die gleichen Forderungen gelten natürlich für alle weiteren regionalen Bahnen: Waging - Traunstein – Ruhpolding und andere.

Eine weitere Kernforderung sind die zeitangepassten Zubringerdienste durch Busse und je nach Bedarf kleinere Buseinheiten. Da der Bedarf im Tagesverlauf sehr schwanken kann wegen der unterschiedlichen Besiedlung, besonders abends bis Mitternacht, aber trotzdem eine Beförderung notwendig ist, ist auf bedarfsgerechte Ruftaxis zurückzugreifen, so wie es auch in Großstädten, wie München praktiziert wird.

Zur Attraktivität eines funktionierenden und rentablen ÖPNV gehört auch ein vereinfachtes Fahrscheinsystem oder noch moderner eine Chip-Karte (siehe Südtirol), die für Bahn und Bus gültig ist. Daneben muss es attraktive Angebote für Gruppen und Familien mit Kindern geben.

Reinhold Schopf macht darauf aufmerksam, „dass bereits in den Gebieten, die einen gut funktionierenden ÖPNV haben, wie beispielsweise in München oder Wien die Fahrgäste ständig steigen und die Besitzer von eigenen PKWs abnehmen.

Das Statussymbol Auto hat besonders bei jungen Leuten abgenommen.“ Außerdem ist der ÖPNV wesentlich umweltfreundlicher und für die immer älter werdende Bevölkerung besonders wichtig für deren Mobilität. „Bei einem immer attraktiveren ÖPNV bei uns haben Autohändler sicherlich das Nachsehen, wenn auch hier der Autokauf zurückgeht und das Carsharing zur Gewohnheit wird. Trotzdem muss man für die Zukunft planen“ ergänzt Kühn und hofft, dass sich der zukünftige Landrat mehr für ein Informationsfreiheitsgesetz einbringt und von Beruf kein Bauingenieur für Straßen wird, sondern sich mit Nachdruck für einen attraktiven, bürgerfreundlichen ÖPNV einsetzt.

Pressemitteilung Bürgerallianz Grenzenlos

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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