Gewalttat nach Discobesuch in Burghausen vor Gericht

Urteil gefallen: Mann (24) muss wegen Vergewaltigung hinter Gitter

Traunstein/Burghausen - Eine damals 18-Jährige erlebte auf dem Heimweg von der Disco Schlimmstes: Sie wurde hinter ein Gebüsch gezogen und vergewaltigt. Der Täter, ein 24-jähriger Mann, stand deshalb am Dienstag, 10. Dezember, vor Gericht. 

Update, 19.50 Uhr - Urteil gefallen

Das Landgericht Traunstein hat ein Urteil gefällt: Der 24-jährige Angeklagte, mazedonische Staatsangehöriger, muss wegen Vergewaltigung fünf Jahre ins Gefängnis.


Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich an einer heute 19-Jährigen in den frühen Morgenstunden des 7. Juli verging. Nach dem Discobesuch wollte die junge Frau heimgehen, der Angeklagte begleitete sie. Gegen ihren Willen zerrte er sie nach einem Kilometer Fußweg ins Gebüsch. Sie schrie um Hilfe, doch der Mann habe ihr den Mund zugehalten. Er führte zwei Finger in die junge Frau ein, was rechtlich als Vergewaltigung gilt.

Update, 18.42 Uhr - Die Plädoyers

Die Plädoyers sind gehalten: "Dem Angeklagten ist kein Glauben zu schenken. Es gibt auch keinen Grund, warum die Geschädigte den Angeklagten zu unrecht belasten sollte", so die Staatsanwältin. Für sie ist der 24-jährige Mazedonier schuldig der Vergewaltigung. Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft.


"Das sind Taten vor denen sich jede junge Frau fürchtet. Man geht abends nach Hause, wird von einem fremden Mann verfolgt, in ein Gebüsch gezogen und dann kommt es zu solchen sexuellen Handlungen. Das sollten wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ahnden", so die Staatsanwaltschaft. Die Nebenklage-Vertreter der Geschädigten bemängelt außerdem, dass es keine Entschuldigung gab.

Die Verteidigung fordert dagegen einen Freispruch. "Wenn ich keinen Kontakt will, warum gehe ich dann über einen Kilometer mit jemandem mit und bleibe nicht einfach stehen?", fragt der Anwalt. Es sei auch nicht nachvollziehbar, warum die junge Frau nach der mutmaßlichen Tat nicht davongelaufen sei oder geschrien habe. "Außerdem gab es am Slip der Frau keine DNA-Spuren des Angeklagten", so der Verteidiger.

Falls das Gericht aber doch eine Gewalttat erkennen würde, plädiert der Verteidiger auf eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung und einer Haftstrafe von maximal zwei Jahren, die dann zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Die letzten Worte des Angeklagten: "Wenn ich etwas Falsches gemacht habe, bitte ich um Verzeihung." Noch heute soll das Urteil fallen.

Update, 18.07 Uhr - Gutachterin trägt DNA-Gutachten vor

Nun geht es vor dem Traunsteiner Landgericht um DNA-Gutachten und der Einschätzung eines Gerichtsmediziners. Manche der DNA-Gutachten sind eindeutig:  

Wie ein Kriminalpolizist vor Gericht aussagt, wurden auf dem Kleid der jungen Frau Spermaspuren des Angeklagten gefunden. Im Vaginalbereich der jungen Frau wurden aber keine DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. Auch wurden unter den Fingernägeln des Angeklagten keine sicheren Spuren der mutmaßlichen Geschädigten gefunden. "Aber er könnte seine Finger auch gewaschen oder gereinigt haben", so die Gutachterin. 

Auch die Aussage des Gerichtsmediziners belastet den angeklagten Mazedonier. Bei gynäkologischen Untersuchungen wurde ein kleiner Kratzer am Scheideneingang der jungen Frau festgestellt. "Das lässt auf eine Gewalteinwirkung rückschließen", so der Gerichtsmediziner. Alle Zeugen wurden nun gehört, jetzt werden Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung ihre Plädoyers halten.

Update, 16.17 Uhr - Geschädigte: "Ich hab' das noch immer nicht richtig verarbeitet"

Nun muss die junge Frau, die im Juli mutmaßlich Opfer der Vergewaltigung in Burghausen wurde, schwere Minuten durchleben. Als Zeugin muss sie dem Landgericht die Tat noch einmal schildern. Heute ist sie 19 Jahre alt.

"Als ich von der Disco hinausgegangen bin stand er auf einmal da. Ich kannte ihn, im März habe ich ihn mal zufällig auf der Straße gesehen. Da hat er schon versucht, mich zu umarmen", so die Geschädigte. Eigentlich wollte sie von der Disco alleine heimgehen, "aber er ist mir nicht von der Seite gewichen, hat seinen Arm um mich gelegt und 'Ich liebe Dich' gesagt".

Die junge Frau wird nicht am Zeugentisch direkt im Blickfeld des Angeklagten vernommen, sondern kann rund zehn Meter entfernt von ihm sitzen. Trotzdem muss sie ihre Aussage immer wieder unterbrechen und kämpft mit den Tränen. "Ich hab' ihn immer wieder weggeschubst und die ganze Zeit gesagt, dass er mich in Ruhe lassen soll."

"Dann hat er angefangen mich am Hals zu küssen", berichtet die Frau weiter. Sich wegzudrücken schaffte sie nicht. Nachdem der Angeklagte sie fest am Hintern packte, habe er sie ins Gebüsch geschubst. Sie lag auf dem Boden, er auf ihr. "Dann ist er mit mindestens zwei Fingern in mich eingedrungen", so die Geschädigte. Doch es ging noch weiter: Der Angeklagte habe dann schon seine Hose hinuntergezogen und sich an ihrem Schritt gerieben.

Zweimal habe sie um Hilfe geschrien: "Aber dann hat er mir den Mund zugehalten." Dann rechnete die junge Frau schon mit dem schlimmsten - und sagte dem Angeklagten dann, dass sie ihre Tage habe und schwanger werden könnte. Womöglich hat sie das vor weiterer Gewalt bewahrt: "Er hat sich dann neben mich gelegt und sich selbst befriedigt. Danach hat er getan, als ob nichts passiert wäre und hat wieder seinen Arm um mich gelegt."

Daheim angekommen, erzählte die 19-Jährige gleich ihrer Mutter was passiert ist, danach fuhr man zur Polizei. "Ich hab' das noch immer nicht richtig verarbeitet. Jetzt habe ich eine Therapeutin, aber ich versuche es immer noch zu verdrängen", so die junge Frau, die inzwischen aus Burghausen fortgezogen ist.

Der Anwalt des Angeklagten will es aber genauer wissen: "Warum sind Sie danach noch gemeinsam die Straße entlang gegangen und haben nicht nochmal um Hilfe gerufen?" Für die Geschädigte eine klare Sache: "Da war weit und breit niemand. Außerdem hatte ich Angst, dass er mir nochmal was antun könnte, oder dass er mich einholt, wenn ich weglaufe."

Update, 11.25 Uhr - Angeklagter wird verhört

Nun wird der Angeklagte verhört - und er leugnet die Tat. "In der Disco hat sie mich schon ständig angeschaut und sie hat mir auch gefallen", so der 24-Jährige. Als er die Disco verlassen habe, sei kurz darauf auch die junge Frau herausgekommen. "Nein, ich will alleine nach hause gehen", habe sie gesagt, als er sie ansprach.

Trotzdem sei man gemeinsam des Weges gegangen, er habe dabei schon seinen Arm um sie gelegt: "Sie hat nicht gesagt, dass sie das nicht wollte." Danach habe man sich geküsst und sei dabei auf den Boden gefallen. Abseits vom Gehsteig habe sich der Angeklagte dann selbst befriedigt. "Sie ist ein paar Meter neben mir gestanden und hat auf mich gewartet", erklärt der junge Mazedonier. Danach sei man weitergegangen.

Eine Vergewaltigung habe es also nicht gegeben. Nur einmal habe er der 18-Jährigen unter den Rock gefasst, doch das habe sie nicht gewollt, also habe er damit aufgehört. "Bei der Polizeivernehmung haben Sie noch gesagt, Sie seien immer angezogen gewesen?", fragt der Vorsitzende Richter Zenkel nach - "Da habe ich gelogen. Ich stand unter Stress und habe mich geschämt", so der Angeklagte. Weil der Angeklagte die Tat nicht gesteht wird auch das 18-jährige mutmaßliche Opfer noch vor Gericht aussagen müssen.

Update, 10.10 Uhr - Staatsanwältin erörtert Tathergang

Vergewaltigte er eine 18-Jährige neben der Straße in Burghausen oder nicht? Ein junger Mazedonier steht nun vor dem Traunsteiner Landgericht und muss sich für diese Tat am 7. Juli 2019 verantworten. Was genau soll passiert sein?

Die beiden kannten sich aus der Disco in der Burgkirchener Straße in Burghausen nur flüchtig. Gegen 5 Uhr morgens sei die junge Frau dann heimgegangen, der Angeklagte sei ihr gefolgt und habe sie angefasst. "Die Geschädigte forderte den Angeschuldigten immer wieder auf, sie in Ruhe zu lassen. Auch schubste sie ihn weg", verliest die Staatsanwältin die Anklageschrift.

Auf Höhe des Taxiunternehmens in der Burgkirchener Straße habe der 24-jährige Angeklagte sie dann auch geküsst und unter dem Kleid angefasst. "Schließlich packte er die Geschädigte, zog sie hinter eine Gebüschreihe und drückte sie zu Boden. Als sie auf dem Rücken lag, drang der Angeschuldigte mit mindestens zwei Fingern gegen den Willen der Geschädigten in deren Scheide ein."

Danach soll der Mazedonier auch versucht haben, mit dem Penis in die 18-Jährige einzudringen. Als ihm das nicht gelang ließ er laut Staatsanwaltschaft von ihr ab. Noch am gleichen Tag wurde der junge Mann festgenommen, seitdem sitzt er in Mühldorf in Untersuchungshaft. Wird der Angeklagte die Tat zugeben? Was sagt er zu den Vorwürfen? Der 24-Jährige will sich vor Gericht selbst äußern.

Erstmeldung

Es passierte in der Nacht auf den 7. Juli: Eine 18-Jährige war nach dem Discobesuch in Burghausen zu Fuß auf dem Heimweg. Auf Höhe des Taxiunternehmens in der Burgkirchener Straße wurde die junge Frau immer wieder von einem Mann bedrängt, obwohl sie ihn abwies. Gegen ihren Willen soll sie dann auch geküsst und begrapscht worden sein - bis sie vom Täter hinter eine Gebüschreihe gezogen und vergewaltigt worden sein soll

Am Dienstag muss sich nun ein 24-Jähriger aus Burghausen dafür verantworten. Wegen Vergewaltigung ist er vor dem Traunsteiner Landgericht angeklagt. Es ist nur ein Prozesstag vorgesehen. Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr. Wir berichten aktuell vom Prozess.

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Quelle: chiemgau24.de

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