Rosenheimer Ex-Pärchen wegen Einbruchs, Diebstahls und mehr angeklagt

Jahrelange Haftstrafen für Rosenheimer "Bonnie und Clyde"

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Traunstein/Landkreis Rosenheim - Gegen das ehemalige Pärchen Florian und Anita könnte heute das Urteil vor dem Landgericht fallen: Es geht um Einbrüche, Betrug und Diebstähle.

UPDATE, 17.07 Uhr - Haftstrafen verhängt:

Das Gericht mit Vorsitz von Richter Erich Fuchs hat geurteilt: Florian bekommt wegen Fahrens ohne Führerschein, Urkundenfälschung, Diebstahls, Sachbeschädigung, Computerbetrug und Wohnungseinbruchsdiebstahl eine Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten. Seine Ex-Freundin Anita muss wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Computerbetrug, Urkundenfälschung und des Zulassens des Fahrens ohne Führerschein für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Gericht ordnet außerdem einen Drogenentzug an. Ist dieser erfolgreich, könnte die Haftdauer verkürzt werden.

"Die kriminelle Energie war hoch und es war eine Vielzahl an Straftaten", so Erich Fuchs und nennt als Beispiel geklaute Nummernschilder, um die Straftaten zu verschleiern.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Verteidigung und Staatsanwaltschaft können binnen einer Woche Revision beantragen.

UPDATE, 15.44 Uhr - Lange Haftstrafen gefordert:

Diebstahl, Sachbeschädigung, Computerbetrug und Urkundenfälschung wird beiden vorgeworfen, dem Angeklagten Florian darüber hinaus Wohnungseinbruchsdiebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis. In der Verhandlung stellte sich heraus, dass die Straftaten vor allem begangen wurden, um den Drogenkonsum des Angeklagten zu finanzieren.

Die Staatsanwältin sieht die Anklagepunkte erfüllt und fordert für beide jahrelange Haftstrafen: Anita soll zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis, Florian für sechs Jahre - Bewährungsstrafen scheiden bei diesem Strafrahmen aus. Beide sind vorbestraft, der Angeklagte saß schon früher im Gefängnis: "Die Taten waren wohlüberlegt und geplant, das waren keine Spontan-Handlungen", so die Staatsanwältin, die von einer "hohen kriminellen Energie" spricht.

Florian und sein Verteidiger Markus Frank leugnen die Wohnungseinbrüche nicht - doch in einem Fall habe Anita Druck auf ihn ausgeübt, ihn zur Tat angetrieben. Auch den Aufbruch des Parkautomaten in Bad Tölz gesteht der Angeklagte, ebenso die geklauten Kfz-Kennzeichen. Für die Aufbrüche der Fahrkartenautomaten in Bernau, Aßling, Großkarolinenfeld und bei Bayrischzell gebe es aber keine Hinweise, so Verteidiger Frank. Und: Der Angeklagte habe die Taten unter Drogeneinfluss begangen, meist Kokain, und sei deshalb vermindert einsichts- und schuldfähig. Der Anwalt fordert maximal drei Jahre Haft und eine Unterbringung in einer Entzugsklinik.

Anita habe mit den Wohnungseinbrüchen nichts zu tun, sie sei deswegen auch nicht angeklagt gewesen - und die Anschuldigung des Angeklagten, sie habe ihn zu den Einbrüchen angestachelt, sei "völlig lebensfremd", so Verteidiger Harald Baumgärtl für seine Mandantin. Diebstahl, Sachbeschädigung, Computerbetrug und Urkundenfälschung hat die Angeklagte bereits in Untersuchungshaft zugegeben: "Ein Geständnis ohne Wenn und Aber", so Baumgärtl. Er fordert eine Haftstrafe von maximal zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung - auch wegen einer günstigen Sozialprognose.

Das Urteil wird gegen 16.45 Uhr erwartet.

Erstmeldung

Die 30-jährige Anita war beim ersten Prozesstag voll geständig, ihr früherer Partner Florian schwieg dagegen - er äußerte sich nur zu seiner Biographie, die von Gefängnisaufenthalten, Alkohol- und Drogenkonsum geprägt gewesen sei. Beide stammen aus dem Landkreis Rosenheim. Am heutigen Montag könnte vor dem Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs ein Urteil fallen.

Einkaufstour im Sex-Shop mit erbeuteter EC-Karte?

Der 26-Jährige soll im Januar 2016 in zwei Häuser in Bad Aibling eingebrochen sein. Einmal fand er nichts, beim anderen Mal soll er Schmuck, Fotoapparate, eine Uhr und Autoschlüssel erbeutet haben - Gesamtwert 12.500 Euro. Im März 2016 soll ein Einbruch in Feldkirchen-Westerham gefolgt sein. Die Beute: Ein Tresor, Schmuck, eine EC-Karte und Fahrzeugpapiere im Wert von 22.000 Euro. Mit der Bankomatkarte soll er dann insgesamt 3000 Euro abgehoben haben.

Im Dezember 2016 soll das Pärchen dann bei einer Firma in Stephanskirchen eingebrochen sein. Aus dem Stahltresor sollen die beiden 3000 Euro, elf Autoschlüssel, Tankgutscheine und wiederum eine EC-Karte genommen haben. Mit der Bankkarte wurden laut Staatsanwaltschaft dann 2500 Euro abgehoben und für 5000 Euro im Sex-Shop eingekauft.

Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen aufgebrochen

Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen aufgebrochen Vier Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen wurden dann im Februar 2017 Opfer: In Bernau, Aßling, Großkarolinenfeld und in Geitau bei Bayrischzell brach man laut Staatsanwaltschaft die Automaten auf, erbeutete insgesamt 14.000 Euro. Auch drei Automaten in einem Bad Tölzer Parkhaus seien von dem Pärchen aufgebrochen worden - 5740 Euro sollen sie dort eingesteckt haben.

Wohl um unerkannt auf Beutezug gehen zu können, sollen die beiden im Februar auch Nummernschilder fremder Autos geklaut haben - ein Rosenheimer Nummernschild am Pendlerparkplatz in Bernau und ein Traunsteiner Nummernschild in Waging.

Anklagepunkt Prostitution eingestellt

Den Anklagepunkt "verbotene Prostitution" stellte das Gericht am ersten Prozesstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft mit Blick auf die restlichen Vorwürfe ein. Die 30-jährige Angeklagte soll sich übers Internet zum Sex angeboten und bei zwei Treffen in Kiefersfelden dafür insgesamt 600 Euro verlangt habenAm 28. Februar wurden die beiden von der Bundespolizei in Übersee geschnappt.

Der Prozess beginnt um 9 Uhr, rosenheim24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa

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