Wer kann Amtsinhaber Walch gefährlich werden?

Großes Aufeinandertreffen: Die Landratskandidaten auf dem Podium

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Bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Traunsteiner Annette-Kolb-Gymnasium, von links: Moderator Martin Miller (Traunsteiner Tagblatt), Dr. Ute Künkele (ÖDP), Siegfried Walch (CSU), Josef Konhäuser (SPD), Gisela Sengl (Grüne), Christian Schunck (FDP) und Moderator Karlheinz Kas (Trostberger Tagblatt). Andreas Danzer, Kandidat der Freien Wähler, war erkrankt. 
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Traunstein - Wer wird der nächste Landrat? Bei der großen Podiumsdiskussion der Kandidaten wurde klar, dass teils viel Konsens herrscht - und trotzdem gab es Themen, bei denen die Meinungen weit auseinander lagen. 

Es war eine solide Podiumsdiskussion zwischen den Traunsteiner Landratskandidaten am Donnerstagabend im Annette-Kolb-Gymnasium: Kein Streit, keine Ausrutscher. Josef Konhäuser (SPD), Christian Schunck (FDP), Dr. Ute Künkele (ÖDP), Gisela Sengl (Grüne) und Amtsinhaber Siegfried Walch (CSU) lieferten sich ein faires Gegenüberstellen ihrer Ideen. Andreas Danzer, Kandidat der Freien Wähler, war erkrankt. 

Mehr als ein Gegenüberstellen ihrer Ideen war es dann meist aber leider nicht. Eine Diskussion zwischen den Kandidaten kam kaum auf, doch das war im Moderationskonzept von Karlheinz Kas (Trostberger Tagblatt) und Martin Miller (Traunsteiner Tagblatt) wohl auch nicht vorgesehen. Die beiden sympathischen Chefredakteure waren mehr auf Fairness bedacht und achteten lieber akkurat darauf, dass sich die Redezeit der Kandidaten die Waage hielt. 

Die Aula des Traunsteiner Annette-Kolb-Gymnasiums war zur Podiumsdiskussion der Landratskandidaten fast voll. 

Nur bei wenigen Themen gab es wirklich große Gegensätze

Zwischen den fünf Kandidaten gab es bei vielen Themen Einigkeit: Bei Tourismus, Wirtschaft, ÖPNV oder Klimaschutz unterschieden sie sich höchstens im "Wie". Spannend wurde es bei der Frage, ob die "schwarze Null" bei den Kliniken alles sein könne. Hier prallten vor allem Sengl und Walch aufeinander. "Es ist fraglich, ob ein Krankenhaus immer betriebswirtschaftlich geführt werden kann. Es hilft nichts, wenn das Personal ausgepowert ist", meinte die Grünen-Kandidatin. Walch hielt dagegen: "Vor sechs Jahren war es Thema, ob die Kliniken in kommunaler Trägerschaft überhaupt überleben können. Jede Sanierung ist nun mal hart."

Landrat Siegfried Walch aus Inzell. Nominiert wurde er nicht nur von der CSU, sondern auch von der Bayernpartei und der Jungen Liste. 

Völlig gegensätzlich waren die Meinungen auch zu A8-Ausbau und Tempolimit, obwohl der Landkreis darauf keinen Einfluss hat. Sengl und Künkele ("Größere Straßen ziehen mehr Verkehr an") waren strikt gegen den sechsspurigen Ausbau und für ein Tempolimit, Schunck, Walch und Konhäuser ("Man kann die A8 nicht so belassen, sie muss sechsspurig ausgebaut werden") sahen es genau gegensätzlich. 

Kliniken - Ist die schwarze Null alles?

"Vor sechs Jahren musste jeder Mitarbeiter der Kliniken zittern, ob sein Standort überlebt, aber heute stehen wir stabil da", zeigte sich Walch mit der Entwicklung der Kliniken zufrieden. Jeder Kandidat sprach sich für den Erhalt aller sechs Standorte der Kliniken Südostbayern aus, "auch wenn die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden", so Konhäuser. 

Ute Künkele aus Petting kandidiert für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP).

Das gute Personal dürfe nicht verloren gehen, warnte Ute Künkele: "Sehr positiv ist aber die geplante Kurzzeitpflege in Trostberg." Gisela Sengl setzte sich außerdem dafür ein, dass das Essen in den Kliniken aus der Region kommt und nicht von einem Essenslieferanten aus Rheinland-Pfalz. "Das geht nicht von heute auf morgen und anfangs mussten wir auch beim Einkauf sparen", so Landrat Walch dazu. 

Klimaschutz - Wie können die jungen Menschen eingebunden werden?

"Ich finde die Klimaschutz-Demos ja wirklich gut, aber vielleicht muss es ja nicht immer zu Unterrichtszeiten sein", so Josef Konhäuser. Doch der stellvertretende Landrat ist stolz, dass der Strom für Privathausalte im Landkreis rechnerisch schon heute zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommt. FDP-Kandidat Schunck sah "Verbote und Bevormundungen als letztes Mittel" im Klimaschutz, Anreize seien besser.

Christian Schunck wohnt in Obing und geht für die FDP ins Rennen. 

Die Fridays-for-Future-Demonstranten (FFF) sollten ernst genommen und ins Landratsamt eingeladen werden, forderte Sengl: "Ich will nicht Schuld sein, wenn unsere Kinder keine Zukunft mehr haben." Walch konterte: Zwei Mal habe man FFF eingeladen, doch es gab keine Reaktion. "Wir haben auch schon viel geleistet, zum Beispiel den CO2-Ausstoß von landkreiseigenen Gebäuden um 80 Prozent gesenkt."

Wirtschaft - Wie können Firmen der Region unterstützt werden?

Flächenankauf für Erweiterungen heimischer Firmen wie in Bernhaupten einerseits, und starke Bildungseinrichtungen, wie der Campus Chiemgau, andererseits - das sind Siegfried Walchs Wege, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. ÖDP-Kandidatin Künkele schlug vor, dass der Landkreis selbst Gewerbesteuer erheben und diese dann an die Kommunen verteilen - so könne man die Konkurrenz zwischen den Gemeinden einbremsen.

Die Sondermoningerin Gisela Sengl (Grüne) würde ihren Platz im Landtag gerne mit dem im Landratsamt tauschen. 

Eine flächendeckende und leistungsstarke Mobilfunkabdeckung forderte Christian Schunck, genauso würde er sich für eine neue "Gründerkultur" einsetzen. Grünen-Kandidatin Sengl betonte die zentrale Stellung von Mittel- und Realschulen für das Handwerk. "Außerdem muss der Landkreis als Verbraucher, zum Beispiel in den Schulen, die regionale Wertschöpfung unterstützen."

ÖPNV - Wie kann er leistungsfähiger werden?

Gisela Sengl machte den konkreten Vorschlag einer neuen Expressbuslinie durchs Achental an den Überseer Bahnhof, der sich vor allem für Pendler anbieten würde. "Man sollte auch mit den Großbetrieben im Landkreis reden, ob die wieder Buslinien einsetzen könnten." Einfach nur mehr Busse fahren zu lassen funktioniere nicht, "das gibt nur mehr Leerfahrten", so die Meinung von Walch. Gerade werde im Landratsamt an einem effizienten und getakteten Nahverkehrsplan gearbeitet. 

Sepp Konhäuser aus Ruhpolding kandidiert inzwischen zum fünften Mal für die SPD als Landrat. 

Christian Schunck betonte die Verantwortung des Landkreises gegenüber Menschen ohne Auto, "und beim Thema Umweltschutz geht auch nur mit dem ÖPNV was weiter". SPD-Mann Josef Konhäuser brachte die Idee eines 365-Euro-Tickets für den ganzen Landkreis ins Spiel und Ute Künkele schlug Wanderringbusse in den Tourismus-Regionen oder Mitfahrerbankerl in den Gemeinden vor. 

Wohnungsnot - Wie können Geringverdiener Wohnraum finden?

"Alle Bürgermeister sollten Leerstände erheben und die Flächen nur noch für den Eigenbedarf ausweisen, nicht mehr für Gäste, die nur ihren Urlaub hier verbringen", so die Künkele. Gisela Sengl gab zu bedenken, dass die Menschen ihre Ansprüche auf den eigenen Wohnraumbedarf - Quadratmeter pro Person - künftig vielleicht etwas zurückschrauben könnten. 

33 Millionen Euro würde der Landkreis in den Wohnbau investieren, so Siegfried Walch. Mit der Wohnbaugesellschaft und dem Zweckverband "Heimat Chiemgau" sei man Vorreiter in ganz Bayern. Sepp Konhäuser rühmte seine Partei damit, dass sie verhindert habe, dass der Landkreis einst seine Wohnbaugesellschaft verkaufte. "Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis wir das Thema Wohnungsnot in den Griff kriegen."

Die Kommunalwahlen - Landrat, Kreistag, Bürgermeister und Gemeinde- bzw. Stadträte - sind am 15. März 2019. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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