Wie steht es ums Krankenhauspersonal?

Arbeitsdruck, Sparzwang, Engpässe? Klinik-Führung nimmt Stellung

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Das Defizit der Kliniken Südostbayern konnte in den vergangenen Jahren schon fast abgebaut werden: "Nun können wir wieder verstärkt in unsere Häuser und die Mitarbeiter investieren", meinte Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher.
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Traunstein - Die Kliniken kämpfen sich kontinuierlich aus dem Minus - doch gibt es auch eine Kehrseite der Medaille? Wir haben den Vorstandsvorsitzenden mit den Kritikpunkten konfrontiert.

Rund zwei Monate war die Station 4.1. in Traunstein heuer geschlossen, eine Station in Trostberg ebenfalls für mehrere Monate - der Grund: ausgefallenes Personal, interne Umstrukturierungen, aber auch wenig ausgelastete Betten. Anlässe für manche unserer Leser, sich an die Redaktion zu wenden: Von überarbeiteten Pflegekräften ist dann die Rede, von Spardruck und Personalmangel.

Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern, Dr. Uwe Gretscher.

"Den Kliniken drohte die Pleite! 2013 gab es noch ein Defizit von fast neun Millionen Euro", verdeutlicht Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher die damalige Lage. Eine mögliche Privatisierung konnte abgewendet werden: "Damit hätte die öffentliche Hand die Verantwortung für die Krankenhäuser aus der Hand geben müssen. Und man muss bedenken, dass bei privaten Trägern immer jemand anderes mitverdient." 2016 lag das Defizit nur noch bei 600.000 Euro.

Weniger gelernte Pfleger, dafür mehr einfache Hilfskräfte

Ein Sparkurs zu Lasten des Personals? Auch vom Betriebsrat hört Gretscher schon mal, dass die Belastung für das Personal mehr geworden sei, "aber wir arbeiten weiterhin an Prozessen". Konkret meint Gretscher Hilfskräfte, die im Traunsteiner Krankenhaus angestellt wurden und die Pfleger entlasten sollen: Betten schieben, Kaffee kochen - "für rund 30 Prozent der Arbeiten waren die Pfleger eigentlich überqualifiziert. Dadurch können die Pflegekräfte jetzt mehr Zeit auf den Stationen und bei den Patienten verbringen", so der Vorstandsvorsitzende. 

Zur Wahrheit gehört aber auch: Durch diese Hilfskräfte wurden die gelernten Krankenpfleger in den vergangenen Jahren deutlich weniger. 2014 waren es in Traunstein noch 433, heuer sind es 370 - und das obwohl der gesamte Personalbestand und die Anzahl der Betten mehr werden. "Auch die Zahl der Pflegekräfte wird sich jetzt wieder erhöhen", verspricht Gretscher - und erinnert dabei auch wieder an die weggefallenen Arbeiten, die das Pflegepersonal nun nicht mehr leisten muss. 

Teile der Belegschaft ausgegliedert

Die in den vergangenen Jahren angestellten Hilfskräfte sind aber hauptsächlich über eine Tochtergesellschaft angestellt und gehören nicht mehr zur Stammbelegschaft - dementsprechend sind auch deren Tarifverträge schlechter: "Ich denke aber, es ist auch für eine Hilfs- oder Reinigungskraft attraktiv bei uns zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen sind stabiler, die Bezahlung besser als wo anders", so der Vorstandsvorsitzende. Von einem verpflichtenden Personalschlüssel für Krankenhäuser hält Gretscher nichts: "In München herrscht ohnehin schon Personalmangel."

Dass das Personal in Traunstein besser und schneller geworden sei, könne man auch an der durchschnittlichen Verweildauer eines Patienten sehen: sechs Tage waren es noch 2013, inzwischen sind es nur noch 4,5 Tage. Gretscher: "Unsere Verfahren und Methoden sind besser geworden, aber auch die Krankenkassen zahlen inzwischen weniger, wenn sich ein Patient länger als die geplante Verweildauer bei uns aufhält."

Gretscher: "Keine Angst vor der Zukunft"

Die harten Zeiten sind nach jahrelangem Sparen für den Vorstandsvorsitzenden inzwischen großteils überwunden: "Inzwischen können wir auch wieder verstärkt in die Kliniken und in unsere Mitarbeiter investieren." Auch eine kleine Klinik, wie die in Ruhpolding würde inzwischen kein Defizit mehr schreiben: "Ich habe keine Angst vor der Zukunft." Gretscher dankt hier vor allem der Belegschaft: "Das Engagement unserer Mitarbeiter ist unglaublich."

xe

Quelle: chiemgau24.de

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