Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gewarnt wird vor "DDR-Ostalgie"

+
Mit einer Flasche Obstbrand bedankte sich Oberbürgermeister Manfred Kösterke beim Historiker Gerd Evers (links) für die Festrede.

Traunstein - Auf den Tag genau heute vor 20 Jahren fiel in Berlin die Mauer. Sie hatte 28 Jahre lang nicht nur Familien, eine Stadt und ein Land in zwei Teile geteilt, sondern sie war auch das Symbol des "Kalten Krieges". ** Merkel: Lebensverhältnisse weiter angleichen ** Vorbereitungen für Berliner Mauerfall-Feier **

Sie stand für die Spaltung Berlins, Deutschlands, Europas und der Welt in einen freien und einen unfreien Teil. Mit der Feierstunde "20 Jahre Mauerfall" im Kulturzentrum gedachte die Stadt Traunstein am gestrigen Sonntag des Mauerfalls.

Vorbereitungen für Berliner Mauerfall-Feier

Merkel: Lebensverhätnisse weiter angleichen!

"Es war wie ein Wunder", erinnerte Oberbürgermeister Manfred Kösterke im Beisein des neuen Bun-desverkehrsministers Peter Ramsauer, MdL Klaus Steiner, des stellvertretenden Landrats Sepp Konhäuser und Altoberbürgermeisters Fritz Stahl. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Elisabeth Nagl (Klavier) und Simon Nagl (Violoncello).

Fotostrecke: Die bewegendsten Bilder vom Mauerfall

20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos

20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Tausende Menschen tanzen und singen vor dem Brandenburger Tor. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Am 9. November 1989 gibt SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz, die live im DDR-Fernsehen und im Radio übertragen wurde, die Öffnung der Grenzen bekannt. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Schabowski verliest eine neue Reiseregelung, nach der jeder DDR-Bürger ohne Voraussetzungen aus dem Land ausreisen darf. Auf die Zwischenfrage eines Journalisten, ab wann diese Regelung in Kraft trete, antwortet er irrtümlich: „Das tritt nach meiner Kenntnis (...) ist das sofort, unverzüglich.“ © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Von da an gibt es kein Halten mehr: Ost- und West-Berliner stürmen die Mauer. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Geschichte zum Mitnehmen: Dieser Mann hackt sich ein Stück Mauer ab. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Hier feiern die Menschen an einer Kontrollstation. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Ostberliner klettern die Mauer nach West-Berlin hoch. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Ein Berliner reicht zwei ostdeutschen Grenzbeamten seine Hand. Die bleiben mit hinter dem Rücken verschränkten Armen unbewegt stehen. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Ostberliner besteigen die Mauer Richtung Westen. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Diese Berliner wollen mit dem Hammer und bloßen Händen die Mauer einreißen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Mit Wunderkerzen feiern die Demonstranten den Fall der Mauer. 28 Jahre trennte das Bauwerk die Berliner. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Mit vereinten Kräften erklimmen die Menschen die Mauer. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Jubelszenen am 9. November 1989. Diese Bilder bewegten die Welt. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Feiernde mit einer Deutschlandfahne auf der Grenzmauer. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Tausende Ostberliner fahren nach der Mauereröffnung mit ihren Trabis in den Westen. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Diese Berliner Schuljungen zeigen stolz die Mauerstücke, die sie mitgenommen haben. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Menschenauflauf an einer Berliner Grenzstation. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Dieser Mann versucht, mit einem Hammer die Mauer einzureißen. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Freude pur auf der Mauer vor dem Reichstag. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Grenzbeamte vor einem Segment der Mauer, das die Berliner heruntergerissen haben. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Diese Bilder sprechen Bände: Die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschen ist Geschichte. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Sie singen und tanzen auf der Mauer vor dem Reichstag. © ap
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Verkehrschaos: Tausende Trabis tuckeln nach der Mauereröffnung in den Westen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Stau, Hupkonzerte und Jubelrufe auf den Straßen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Riesenandrang an einem Grenzübergang in den Westen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Mit dem Taxi lassen sich diese Ostdeutschen in den Westen bringen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Die Schranken an der Grenze haben ihre Bedeutung verloren. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Hupend bahnen sich die Trabifahrer ihren Weg durch die feiernden Menschen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Diese DDR-Grenzbeamten bekommen von Westdeutschen Blumen auf die Mauer gereicht. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Lachend und weinend liegen sich die Menschen in den Armen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Auf in die Freiheit! Kilometerlang schieben sich die Kolonnen auf den wenigen Autobahnen Richtung Westen. © dpa
20 Jahre Mauerfall: Die bewegendsten Fotos zum Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin
Dass die Menschen am Tag des Mauerfalls stundenlang unterwegs sind, störte damals keinen. © dpa

"Wir haben allen Grund, für dieses Wunder, für diesen besonderen Glücksfall der deutschen Geschichte, der eigentlich ein Versehen war, dankbar zu sein", fuhr das Stadtoberhaupt fort.

Für eine ganze Generation junger Deutscher sei die Einheit schon zur Normalität geworden. Deshalb sprach Kösterke den Umgang mit der Geschichte der DDR an. Das Ergebnis einer Studie, bei der Jugendliche aus West und Ost über ihr Bild von der DDR befragt wurden, habe ihn sehr nachdenklich gemacht. "Nur etwa die Hälfte der Befragten vertrat die Meinung, die DDR sei überhaupt eine Diktatur gewesen. Das ist ein schlimmer Befund, der Aufschluss gibt über den tatsächlichen Stand der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit", sagte der Oberbürgermeister. Schulen und auch die Medien stünden in der Verantwortung, die SED-Diktatur nicht als "Ostalgie" zu verharmlosen. "Nichts gegen nostalgische Schwärmereien, wenn aber Nostalgie umschlägt in Relativierung bis hin zur Verherrlichung, ist es kein Wunder, dass das Bild der DDR als totalitärer Unterdrückungsstaat zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet und die politischen Erben der SED im Deutschen Bundestag und in fast allen Landtagen vertreten sind."

Offenbar seien die über 1000 Mauertoten schnell in Vergessenheit geraten, ebenso der Überwachungsstaat der Stasi, die Drangsalierung von Oppositionellen, die sozialistische Mangelwirtschaft, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Ein-schränkung der Reisefreiheit. Als Demokraten sei es unsere Pflicht, der weit verbreiteten Geschichtsklitterung mit allen Mitteln entgegen zu wirken.

Der Fall der Mauer habe überall dort begonnen, wo das Prinzip "Die Partei hat immer Recht" in Frage gestellt wurde, stellte der Historiker Gerd Evers als Festredner fest. Mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann habe sich die DDR-Führung 1976 plötzlich einer unerwarteten Solidarisierung bekannter Schriftsteller und Künstler gegenüber gesehen, die in einem Aufruf dagegen protestierten und deren Rücknahme forderten. Arbeits- und Veröffentlichungsverbote kennzeichneten danach das Machtgefälle zwischen der Parteiführung und den kritischen Intellektuellen. Die Auseinandersetzung mit dem SED-Herrschaftssystem habe in den 80er-Jahren unterschiedliche Formen geschaffen: die Friedens-, Umwelt- oder Bürgerrechtsbewegung.

"Schwerter zu Pflugscharen" wurde zu ihrem Wahlspruch, brennende Kerzen zu ihrem Symbol. "Andererseits waren sich die Ostberliner Machthaber bewusst, dass ihr Staat nur als sozialistischer, nicht aber als liberaldemokratischer Staat eine Überlebenschance besaß", so Evers. Aus diesem Bewusstsein rühre auch der trotzige Widerstand gegen eine Übernahme der Gorbatschow-Reformen. Die Reformierung der Sowjetunion wiederum habe der Reformbewegung in der DDR ein Zeichen der Hoffnung gegeben. Die gärende Unzufriedenheit und latente Opposition erhielten neue Nahrung im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen 1989 und den von der SED verordneten Manipulationen. Sie führten zu vermehrten Protesten und Demonstrationen gegen den offensichtlichen Wahlbetrug. Die Unfähigkeit der SED-Führung zu Reformen ließ zudem die Zahl der Ausreiseanträge sprungartig ansteigen. Zugleich suchten viele DDR-Bürger durch Botschaftsbesetzungen in Warschau und Prag sowie die massenhafte Ansammlung an der ungarisch-österreichischen Grenze ihr Heil in der Flucht.

Nach den Worten des früheren Isinger Lehrers war zum damaligen Zeitpunkt das schnelle Ende der DDR noch nicht vorauszusehen. Mit der Maueröffnung wurde es möglich, dass das Ziel der Reformierung von Staat und Gesellschaft der DDR abgelöst wurde vom Willen zur sofortigen Verbesserung des Lebensstandards und dass der Ruf dieser Tage "Wir sind das Volk" sich verwandelte in die Wiedervereinigungsparole "Wir sind ein Volk". Die weitere Entwicklung war laut Evers durch zwei Faktoren bestimmt: durch die in Aussicht genommenen Parlamentswahlen und durch die politischen Einwirkungen der deutschen Regierung.

bjr/Chiemgau-Zeitung

Kommentare