Verhandlung am Landgericht Traunstein

Raiffeisen-Prozess: Chancen auf Erbe sinken

+
Anna Dirnberger klagt gegen die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit.
  • schließen

Traunstein - Anna Dirnberger kämpft um ihr Erbe, fordert zehntausende Euro von der Raiffeisenbank. Die Chancen, das ihr aus ihrer Sicht zustehende Geld zu erhalten, schwinden jedoch:

UPDATE 13 Uhr - Chancen auf Erbe sinken

Die Chancen von Anna Dirnberger, das ihr aus ihrer Sicht zustehende Geld zu erhalten, sind mit der heutigen Verhandlung wohl deutlich gesunken. Nach der Beweisaufnahme machte der Richter klar: "Es schaut schlecht aus." Die letzte Hoffnung Dirnbergers ist nun ein verschollenes Sparbüchlein.

Die ganze Verhandlung über war Dirnberger ihre Anspannung deutlich anzumerken. Zu stark zehrt der schon Jahre dauernde Rechtsstreit mit der Raiffeisenbank. Diese legte in der Verhandlung überzeugende Belege dafür vor, dass das in den drei Zertifikaten angelegte Geld ausbezahlt wurde.

Eine 37-jährige Mitarbeiterin der Bank hatte sich die Vorgänge und Belege durchgesehen und präsentierte diese vor Gericht als Zeugin. Das Gericht musste sich dabei durch Belege verschiedener EDV-Systeme kämpfen, zum Zeitpunkt der ersten Investition Anfang der neunziger Jahre kam sogar noch Mikrofiche zum Einsatz. Letztendlich wurde deutlich: die Auszahlungen sind erfolgt, auch wenn die Zertifikate von der Bank nicht zurückgefordert wurden.

"Das ist bei uns damals wirklich nicht gemacht worden, weil man die Kunden gekannt hat", erklärte die Zeugin. Erst als es 2003 Probleme wegen nicht zurückgeforderter Zertifikate gab, habe man sie stets zurückgefordert. Die Zeugin selbst arbeitet seit 20 Jahren bei der Bank und ist deshalb mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut. Die damals laxe Praxis bei Zertifikaten begründete die Zeugin mit dem Vertrauensverhältnis zu den Kunden. Einen jener Bankmitarbeiter, die das erste Zertifikat ausbezahlt und das Dokument nicht zurückverlangt hatten, kannte die 37-Jährige persönlich. "Er war ein gebürtiger Neumarkter, der, seitdem er 16 ist, in der Bank gearbeitet hat. Er kennt die Neumarkter."

Der Richter verdeutlichte, dass das Zurückverlangen der Zertifikate eine Sicherheit für die Bank bedeute. Behält der Kunde auch nach Auszahlung die Dokumente, ist die Bank in der Beweispflicht. Der Richter ließ klar durchblicken, dass es der Raiffeisenbank in diesem Fall gelungen ist, die erforderlichen Beweise zu erbringen.

Das schriftliche Urteil steht freilich erst noch aus. Raiffeisenvorstand Claus Seisinger, bei der Verhandlung persönlich anwesend, wollte vorerst keine Stellungnahme abgeben. Das müsse man erst mal sitzen lassen und das Urteil abwarten.

Anna Dirnberger und ihr Anwalt Steffen König halten es indes für möglich, dass Dirnberger trotz allem noch Geld zusteht. 15.000 DM aus dem letzten Zertifikat sind nämlich auf ein Sparbuch geflossen, das 2009 aufgelöst wurde. Dort habe es gelegentlich Barabhebungen aber auch größere Einzahlungen gegeben, so König, der davon überzeugt ist, dass das Geld bei der Auflösung des Sparbuchs nicht vollständig aufgebraucht gewesen sein kann. Dirnberger hat aber kein passendes Büchlein zu dem Sparbuch gefunden. Ob ihr also tatsächlich noch Geld zusteht, ist kaum zu belegen. "Ohne Beweise kann ich leider nicht gewinnen vor Gericht", bringt es ihr Anwalt auf den Punkt.

Was Dirnberger bleibt, ist ein mulmiges Gefühl. Während der Verhandlung hatte sie, den Tränen nahe, erklärt, was ihr an Krebs erkrankter Vater ihr kurz vor seinem Tod sagte: "Ich muss in die Bank. Es geht um sehr viel Geld." Auf ihre Frage, ob nicht sie gehen könne, habe ihr Vater geantwortet: "Nein Dirndl, dann schmieren sie dich auch noch aus."

VORBERICHT

Seit zwölf Jahren kämpft Anna Dirnberger um ihr Erbe, ein langer Rechtsstreit liegt bereits hinter ihr. Zwischenzeitlich hatte die 61-Jährige schon aufgegeben, aus gesundheitlichen Gründen, und weil die Anwaltskosten zur Belastung wurden. Unterstützt von ihrer Versicherung wagt sie nun den Gang ans Landgericht Traunstein. Der Ausgang der Verhandlung, die am Freitag um 10.30 Uhr beginnt, scheint völlig offen.

Kann die Bank die Auszahlung belegen?

Wie bereits berichtet, hat Dirnberger von ihrem Vater Zertifikate geerbt. Rund 51.000 Mark hatte der Neumarkt-St. Veiter in den neunziger Jahren auf diese Weise angelegt. Einlösen konnte seine Tochter Anna die Zertifikate aber nie. Die Raiffeisenbank ist davon überzeugt, dass das Geld bereits ausgezahlt wurde.

In allen drei Zertifikaten ist vertraglich festgelegt: "Die Auszahlung erfolgt gegen Rückgabe dieses Zertifikates bei der ausstellenden Bank." Und weil Dirnberger die Zertifikate noch besitzt, ist der Fall aus Sicht der 61-Jährigen klar. Am Landgericht Traunstein steht deshalb voraussichtlich die Frage im Fokus, ob die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit-Reischach belegen kann, dass das Geld bereits ausgezahlt wurde - und die Zertifikate beispielsweise aus Versehen nicht im Gegenzug zurückgefordert wurden.

Angebliche Unterschrift stiftet Verwirrung

Einzelne Belege für Auszahlungen gibt es zwar, doch diese sind nach Ansicht Dirnbergers mehr als verwirrend. Auf einem hatte die 61-Jährige sogar selbst unterschrieben. "Dabei befand sich diese nachweislich genau zu diesem Zeitpunkt in einer Vernehmung mit der Kripo, weil tags zuvor die Mutter von Frau Dirnberger verstorben worden war", so Dirnbergers Anwalt Steffen König.

Für Raiffeisenbankvorstand Claus Seisenberger ist dagegen klar: "Eine Auszahlung beziehungsweise Gutschrift der Sparzertifikate ist nachweislich erfolgt." Genau jener Nachweis könnte vor der fünften Zivilkammer des Landgerichts endlich Klarheit in die seit Jahren währende Auseinandersetzung bringen.

Innsalzach24 ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess.

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser