Verhandlung gegen drei Burghauser

Folternacht: So kam die Pistole mit ins Spiel

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In einem Wohnblock in Burghausen soll der 32-Jährige fünf Stunden lang gefoltert worden sein.
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Burghausen/Traunstein - Im Januar soll sich ein Martyrium abgespielt haben: Drei Männer sollen einen 32-Jährigen misshandelt haben. Vor Gericht gab es Einblicke in die schockierende Tat!  

UPDATE 17.45 Uhr: Wie die Pistole an den Tatort kam

Am Nachmittag wurden vor dem Landgericht in Traunstein weitere Zeugen in dem Folterprozess angehört. So kam auch Herr K. zu Wort, der das Martyrium letztlich beendete.

K. sei in der Nacht angerufen worden. Die mutmaßlichen Täter hätten ihn aufgefordert, bei der Erpressung und Misshandlung des 32-Jährigen mitzuhelfen. Das wollte K. aber nicht und habe stattdessen die drei Täter mehrfach aufgefordert, den Mann gehen zu lassen und die Erpressung zu beenden.

Der Zeuge gab an, dass er selbst die Pistole und das Messer nicht gesehen habe. Dass eine Pistole im Spiel war, bestätigte dagegen die damalige Partnerin des mutmaßlichen Täters C.

Sie gab an, dass M. in der Früh an der Wohnung von C. "sturmgeklingelt" habe. Er wollte sich die Pistole von C. ausleihen, habe er an der Tür gesagt. Laut der Zeugin begründete M. das damit, dass er die Waffe brauche, damit er "jemanden erpressen kann, nicht zur Polizei zu gehen". 

Zuerst habe C. das abgelehnt, nach einem Wortwechsel aber nachgegeben, sich umgezogen und sei maskiert aus der Wohnung gegangen. Er sei ungefähr eine Stunde lang außer Haus gewesen und kam deprimiert zurück. Bei seiner Rückkehr habe C. dann zu seiner damaligen Partnerin gesagt, es sei "nicht so gelaufen, wie es gedacht war".  Weiter nachgefragt habe sie aber nicht, denn die Zeugin wollte mit der Sache nichts zu haben.

Außerdem wurde ein weiterer Bekannter des Opfers sowie ein Freund des Angeklagten D. befragt, die aber wenige Angaben zu dem Fall machen konnte. Ebenso wie ein Mitarbeiter der Kneipe, in der die Geschichte ihren Anfang nahm.

Am Ende des Prozesstages kam noch ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe zu Wort, der seine Einschätzungen zum Angeklagten M. abgab. Dieser stamme aus einem schwierigen familiären Umfeld und habe regelmäßig Alkohol und Drogen konsumiert. M. bereue den Vorfall mittlerweile jedoch zutiefst und habe sich bei dem Opfer auch schon entschuldigt. Daher wird empfohlen, ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen.

Am Mittwoch wird eine weitere Zeugin gefragt und die Gutachter geben ihre Stellungnahmen ab. Außerdem werden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger erwartet. Möglicherweise kommt es sogar schon zum Urteilsspruch. chiemgau24.de wird erneut aktuell aus dem Gerichtssaal berichten!

UPDATE 13.50 Uhr: Das Opfer schildert das Martyrium

Nach einer kurzen Pause schilderte nun das mutmaßliche Folteropfer, was in der Nacht aus seiner Sicht passierte. Alles fing damit an, so der Geschädigte, dass er in der Kneipe einen Mann kennenlernte, mit dem er sich auf Anhieb gut verstand, den Angeklagten Herrn M.

Als dieser von ihm jedoch 20 Euro ausleihen wollte, habe es der 32-Jährige abgelehnt, weil er ihm unbekannt war. So ging man in eine Wohnung, aus der M. seinen Personalausweis holen wollte. Auf dem Rückweg soll M. dann das spätere Folteropfer geschubst haben, woraufhin dieser auf den Boden fiel und seine Brieftasche verlor. Aus dieser habe M. dann schnell Geld entnommen und sei weggerannt, woraufhin der Geschädigte zur Polizei ging um Anzeige gegen Unbekannt zu erstattet. Die Polizei stellte bei ihm bei einem Alkoholtest einen recht hohen Promillewert fest.

Zurück in der Kneipe traf der Geschädigte dann einen Bekannten und zusammen mit zwei bis drei weiteren Personen ging es zu einer Tankstelle, um Bier zu kaufen. Dann sei die Gruppe in Richtung einer Wohnung gegangen, wobei der 32-Jährige nicht bemerkt habe, dass es sich um dieselbe Wohnung handelt, in der er kurz zuvor mit Herrn M. war. Auch als er sich schon im Wohnzimmer aufhielt, sei ihm nicht aufgefallen, dass er kurz zuvor bereits dort war! Ebenfalls habe er nicht bemerkt, dass auch M. in der kleinen Gruppe war. 

Zu diesem Zeitpunkt habe es in dieser Gruppe auch keine Aggressionen gegeben. Das änderte sich, als der Geschädigte in der Wohnung auf die Toilette ging. Da er unter Durchfall litt und das Klo schnell wieder verlassen musste, weil ein anderer es benutzen wollte, habe er die Kloschüssel verschmutzt hinterlassen. Daraufhin sei der zweite Angeklagte, Herr D. "sehr wütend geworden". Der Geschädigte sei geschlagen und schon am Boden liegend auch getreten worden, auch M. habe sich daran beteiligt.

Daraufhin wollte der Geschädigte aus der Wohnung fliehen, doch sie wurde abgesperrt und es wurde ihm verboten, sie zu verlassen. Die Angeklagten D. und M. hätten ihn stattdessen vorgeschlagen, den Film "Fightclub" nachzuspielen und sich mit ihm zu prügeln bis einer am Boden liegt. Der 32-Jährige lehnte das ab, woraufhin er sich weitere Faustschläge einfing.

Zu diesem Zeitpunkt verließ der Bekannte des Opfers, der mit ihm in die Wohnung gegangen war, den Tatort. Nun waren M. und D. mit ihm alleine und stahlen dem Geschädigten die EC-Karte und gelangten unter Drohungen auch an die PIN. Dabei wurde er auch das erste Mal gewürgt. M. sei mit der Karte zu einer Bank gegangen, während D. das Opfer unter Vorhaltung eines Messers "in Schach hielt". Der Angeklagte M. konnte aber kein Geld von dem Konto abheben, was mit weiteren Schlägen "bestraft wurde".

Die Angeklagten haben dann überlegt, wie sie an Geld gelangen könnten, woraufhin das Folteropfer einen Silberring freiwillig hergegeben hätte, der bis heute verschwunden ist.

Ohne Vorankündigung sei dann ein maskierter Mann aufgetaucht, der Angeklagte C. Nach einer kurzen Unterredung in einem Nebenzimmer, habe C. dann den Geschädigten mit einer Pistole bedroht. Die Waffe sei ihm längere Zeit in den Mund gesteckt und an die Schläfe gehalten worden. Herr D. hätte zudem mit einem Messer am Oberschenkel des Opfers hantiert. Immer wieder hätten die Angeklagten 2000 Euro von ihm gefordert.

In seiner Panik habe der 32-Jährige dann die Mutter eines Bekannten angerufen um Geld aufzutreiben - jedoch erfolglos. Daraufhin habe D. langsam das Messer in den Oberschenkel des Opfers gedrückt, was zu einer Verletzung führte.

Das Martyrium ging weiter: So sei er von den Angeklagten in der Folge mit kaltem und heißem Wasser angespritzt und überschüttet worden. Dann habe man seinen Ausweis in die Hand genommen, um sich seinen Namen und die Adresse zu merken. Sollte er zur Polizei gehen, drohen ihm und seiner Mutter der Tod, so die Warnung. Der Satz "Wenn du zur Polizei gehst, dann finden wir dich" sei gefallen.

Man habe ihn angewiesen, am nächsten Tag zur Geldübergabe der 2000 Euro an einen Treffpunkt am Bürgerhaus in Burghausen zu kommen.

Es erschien ein vierter Mann in der Wohnung, der dazwischen ging und das Martyrium beendete. Der Angeklagte D. habe ihn dann noch mit auf dem Weg gegeben: "Hau bloß ab, bevor wir es uns anders überlegen. Vergiss nicht: Keine Polizei und vergiss nicht das Geld!"

Nach der Mittagspause geht die Vernehmung des Folteropfers weiter, mit einer Befragung durch die Verteidiger der Angeklagten. Danach werden weitere Zeugen befragt. chiemgau24.de wird weiter aktuell berichten.

UPDATE 10.30 Uhr: Ein Polizeibeamter schildert seine Eindrücke

Zum Beginn des Prozesstages am Dienstagvormittag sagten zwei Zeugen aus, die direkt mit dem mutmaßlichen Folteropfer Kontakt hatten, nachdem er freigelassen wurde.

Ein Arbeitskollege des 32-Jährigen traf ihn zufällig auf der Straße. Der Geschädigte habe ihm da erzählt, was mit ihm geschah. Er habe dabei aufgelöst und durcheinander gewirkt, berichtete der Zeuge vor Gericht. Das Opfer habe ihm erzählt, dass er mit einem Mann in eine fremde Wohnung gegangen sei, um dort einen Film zu sehen. Dann sei die Wohnungstür abgesperrt worden und er wurde mit Schlägen und Tritten verletzt. Die Täter in der Wohnung hätten ihn mit dem Tod bedroht, sollte er zur Polizei gehen.

Der Zeuge brachte den Verletzten daraufhin in die Notaufnahme. Zuerst habe er aus Angst vor der Todesdrohung gesagt: "Ich will nicht, dass die Polizei eingeschaltet wird". Der Arbeitskollege habe ihn dann aber doch davon überzeugen können, die Polizei zu informieren.

So wurde als zweiter Zeuge auch der Polizist vor Gericht angehört, der mit dem Geschädigten in der Klinik eine Befragung unternahm. Der Beamte sagte, dass der Mann durchaus schlüssige Aussagen und glaubhafte Angaben machte. Jedoch habe er aufgrund der Geschehnisse desorientiert gewirkt und die Ereignisse nicht chronologisch erzählen können.

Aus den Erzählungen habe sich folgender Ablauf ergeben: Zuerst wurde dem 32-Jährigen in einer Disko von einem Mann Geld gestohlen. Er habe diesen Diebstahl gleich bei der Polizei angezeigt und sei danach wieder zurück in die Kneipe gegangen. Dort lernt er einen zweiten Mann kennen, mit dem er in die Wohnung gegangen sei. Dort wurde gleich die Tür versperrt und auch der erste Täter, der Dieb aus der Disko, sei schon in der Wohnung anwesend gewesen.

Daraufhin sei der Eingesperrte geschlagen und getreten worden. Man habe ihm seine EC-Karte abgenommen und die Geheimzahl erpresst. Ein Täter ging zur Bank, konnte jedoch kein Geld abheben, weil das Konto nicht gedeckt war. Dann sei ein dritter, maskierter Täter in die Wohnung gekommen. Dieser habe ihn mit einer Pistole bedroht und der erste Täter aus der Disko habe ihm mit brühend heißem Wasser übergossen und mit einem Messer verletzt. Man habe 2000 Euro von ihm erpressen wollen.

Eine vierte Person, die zu diesem Zeitpunkt in die Wohnung kam, habe dann das Martyrium beendet und dafür gesorgt, dass der 32-Jährige gehen durfte. So gab der Polizist die Aussagen des Geschädigten in der Klinik wider.

Nun wird der Geschädigte selbst berichten, was sich in der Wohnung abspielte. chiemgau24.de berichtet weiter aktuell aus dem Gerichtssaal.

Vorbericht:

Am Dienstag wird der Prozess gegen drei Burghauser vor der Jugendkammer am Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Die drei jungen Männer im Alter zwischen 21 und 23 Jahren sollen im Januar diesen Jahres einen 32-Jährigen brutal gefoltert und misshandelt haben. Über fünf Stunden sollen Sie ihr Opfer in einer Wohnung gefangen gehalten, mit mehreren Waffen bedroht und schwer verletzt haben. Dabei kamen auch eine Pistole und ein Messer zum Einsatz.

An den ersten beiden Verhandlungstagen machten die drei Angeklagten und ein Rechtmediziner Angaben zum Fall. Während einer der beiden 21-Jährigen, der Angeklagte Ch. die Vorwürfe weitgehend einräumte, schob der 23-jährige mutmaßliche Täter D. die Schuld seinen beiden mutmaßlichen Komplizen zu. Der dritte Angeklagte, der 21-jährige M. wies jedoch die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zurück und belastete seinerseits den Angeklagten D. schwer. Dieser soll die treibende Kraft hinter den Misshandlungen gewesen sein.

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Verhandlungsauftakt im Folterprozess

Das Opfer, ein 32-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Altötting, hat am Tatabend mehrere, teils lebensbedrohliche Verletzungen davongetragen. Wie der Gerichtmediziner am zweiten Verhandlungstag berichtete, zog sich der Geschädigte über 30 unterschiedliche Verletzungen an Kopf, Hals, Rumpf und den Gliedmaßen zu. Lebensbedrohlich für das Opfer waren insbesondere die inneren Blutungen und das zugefügte Schädel-Hirn-Trauma, das zu einem Verlust der Schutzreflexe hätte führen können.  

Die Anklage gegen die drei jungen Burghauser lautet deshalb auf erpresserischen Menschenraub, versuchte und vollendete besonders schwere räuberische Erpressung, besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese Taten fast ausnahmslos gemeinschaftlich begangen worden seien. Für den dritten Verhandlungstag am Dienstag ist die Aussage des 32-jährigen Geschädigten vorgesehen.

Quelle: chiemgau24.de

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