Dorena: "Er wird mich noch umbringen"

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Der Angeklagte auf dem Weg ins Gericht.

Traunstein - Bereits vor ihrem Tod hat Dorena Weber zu ihren Freundinnen gesagt: "Er wird mich eines Tages noch umbringen." Seit Dienstag wird der Fall nun in Traunstein verhandelt.

Versteinert sitzt der Angeklagte im Gerichtssaal, den Blick starr nach vorne gerichtet. Er möchte zu den Vorwürfen gegen ihn keine Stellung nehmen. Doch selbst das sagt er nicht selbst, sondern lässt es dem Gericht durch seinen Verteidiger mitteilen. Als er vom Vorsitzenden Richter Erich Fuchs gefragt wird, ob er aussagen will, schüttelt er nur apathisch den Kopf.

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Ex von Dorena Weber steht vor Gericht

Nach der Anklageverlesung durch Staatsanwalt Andreas Miller kommt der erste Zeuge zu Wort. Wolfgang S. war der zuständige Ermittlungsbeamte im Fall. Er berichtet davon, wie Webers Vermieter die Leiche beim Ausräumen ihrer Traunsteiner Wohnung am 6. August 2010 entdeckt hatte und daraufhin die Polizeiinspektion Traunstein verständigte. "Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden wir dann das Handy und die Hausschlüssel von Frau Weber." Ende 2010 sei der Angeklagte wieder nach Thüringen gezogen, weil Weber nach München gegangen sei und er dachte, die Beziehung sei vorbei. "Er behauptete, erst von der Polizei von dem Tod seiner Ex-Freundin erfahren zu haben. Dabei zeigte er aber keinerlei emotionale Regung. Auch erkundigte er sich nicht bei den Beamten, wie und wo das Opfer gestorben ist", so der 55-jährige Polizist vor Gericht.

Das Opfer Dorena Weber.

Zum letzten Mal wurde Weber bei ihrem Substitutionsprogramm bei Dr. Ernst S. am 15.10.2010 lebend gesehen. Die 28-Jährige war seit 2007 bei dem Arzt in Behandlung und wollte sich an diesem Tag Methadon abholen. “Dieses Medikament geben wir Drogenabhängigen gegen die Heroinsucht”, so der Mediziner. Sie sei täglich in der Praxis erschienen, wie es bei so einer Behandlung üblich sei. Bis zum 15. Oktober. Am darauffolgenden Wochenende soll sie laut Anklageschrift getötet worden sein.

Leiche im Küchenschrank - Mann vor Gericht

Nach Auseinandersetzung getötet

Bei einer nächtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und dem Angeklagten soll das Verbrechen passiert sein. Dabei soll der Angeklagte Weber gewürgt und dadurch getötet haben. Anschließend soll er ihre Leiche in einen kleinen Küchenschrank gesteckt und diesen mit Frischhaltefolie und Müllsäcken umwickelt haben. Laut Aussage des Ermittlungsbeamten S. waren die grünen Müllsäcke mit Klebeband luftdicht verschlossen. "Auf der Innenseite des Klebebandes haben wir einen Fingerabdruck gefunden. Dieser konnte eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden." Auch Franz E. von der Kripo Traunstein, der für die Spurensicherung am Tatort zuständig war, bestätigt diese Aussage. Auf die Frage des Richters, wie der Fingerabdruck an diese Stelle gekommen sein kann, meinte der Beamte, die Spuren eines Menschen seien immer da zu finden, wo er sich aufgehalten habe. Auch die Sachverständige machte deutlich, dass "der Angeklagte als Verursacher der Spuren nicht auszuschließen ist."

Verteidiger Harald Baumgärtl mit dem Angeklagten Andy H.

Der Polizist S. brachte mit seiner Aussage noch mehr Licht in die Beziehung zwischen dem Angeklagten und Dorena Weber. Bereits im Juni 2010 sei das Opfer von dem Angeklagten geschlagen und gewürgt worden. Ihre Verletzungen wurden von der Polizei damals sogar mit Fotos dokumentiert. Im September des gleichen Jahres sei Weber dann erneut von dem 29-jährigen geschlagen worden. "Doch sie wollte damals keine Anzeige erstatten, weil sie nach eigener Aussage ihre Verlobung mit dem Angeklagten nicht gefährden wollte", erklärte der 55-jährige Beamte. Sie habe damals ihren Freundinnen erzählt, dass er öfter gewaltätig wird, wenn er getrunken hat. "Er wird mich eines Tages noch umbringen", habe sie gemeint.

Leichenfund in Traunstein

Der Vermieter Otto B. beschrieb anschließend mit allen schockierenden Details, wie er die Leiche des Opfers in dem Küchenschrank entdeckt hat. Zuerst habe er an seine Mieterin eine Kündigung geschickt, die allerdings unbeantwortet blieb. Daraufhin habe er im August 2011 angefangen die Wohnung Stück für Stück auszuräumen. “Dabei ist mir in der Küche dann das kleine Schränkchen aufgefallen, dass mit Folie umwickelt war. Ich habe zuerst gedacht, dass es neu ist. Doch als ich versuchte es mit dem Fuß wegzuschieben, merkte ich, wie schwer es eigentlich war. Deshalb riss ich die Folie weg, machte den Deckel auf und habe dann die Bescherung gesehen.”

Verteidiger Harald Baumgärtl und Staatsanwalt Andreas Miller im Gespräch.

Im August 2011 erhärtete sich der Verdacht gegen Webers Ex-Freund. Doch als die Beamten den Angeklagten festnehmen wollten, fanden sie eine verbarrikadierte Wohnung in Thüringen vor. "Vor die Tür war ein Sofa geschoben und der Angeklagte saß auf dem Boden", erinnert sich der 55-Jährige. In der anschließenden Vernehmung schwieg der 29-Jährige zu den Vorwürfen. Und sein Schweigen hat er bis heute nicht gebrochen.

Aus dem Video-Archiv

Patrick Steinke

Quelle: chiemgau24.de

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