Urteil um tödliche Alkoholfahrt bei Surberg 

Aus diesem Grund kommt der Angeklagte mit Bewährung davon

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In diesem Wrack verstarb am 5. April ein erst 24-Jähriger bei Surberg als Beifahrer. Der Fahrer muss sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.
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Traunstein/Surberg - Am Gegenverkehr rauschte er knapp vorbei, doch beim Aufprall in den Bäumen verstarb sein Beifahrer: Ein junger Mann musste sich wegen dieser Alkoholfahrt im April 2017 vor Gericht verantworten. 

UPDATE, 14.25 Uhr: Das Urteil ist gefallen 

Richter Ott verkündet das Urteil: Der Angeklagte ist schuldig der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs. Er bekommt eine Haftstrafe ausgesetzt zur Bewährung - anderthalb Jahre. Außerdem muss der 23-Jährige für zwei Jahre seinen Führerschein abgeben. 

Der Richter geht davon aus, dass der Beifahrer dem Angeklagten nicht ins Steuer gegriffen hat, sondern die Ursache für den Unfall ein alkoholbedingter Fahrfehler war. Dass die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird begründet der Richter damit, dass der Beifahrer nicht angeschnallt war. Er trage eine Mitschuld. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche können Verteidigung oder Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil einlegen.

UPDATE, 13.50 Uhr: Plädoyer vom Staatsanwalt und des Verteidigers

Plädoyer Staatsanwalt: 

"Ich finde es mehr als zynisch, die Schuld auf den Verstorbenen zu schieben, der sich nicht mehr wehren kann", beginnt der Staatsanwalt: "Ein totaler Quatsch." Schließlich habe er diese Version auch erst heute in der Verhandlung präsentiert, nicht schon bei früheren Vernehmungen durch die Polizei.

Zu Gunsten des Angeklagten spreche, dass der Getötete nicht angeschnallt war - sonst hätte er den Unfall womöglich überlebt. Die Tatsache, dass sein bester Freund ums Leben kam und die eigenen Verletzungen des Angeklagten sollten strafmildernd bewertet werden, so die Staatsanwaltschaft: Der 23-jährige Rumäne brach sich Schulterblatt, Rippen und Brustbein. Er renkte sich den Ellenbogen aus und vor allem zog er sich starke Lungenverletzungen mit Einblutungen zu.

"Der Angeklagte war rotzbesoffen in der Gegend unterwegs", fasst der Staatsanwalt zusammen. Gut 110 km/h war der Angeklagte unterwegs. Als Strafe fordert er letztlich ein Jahr und acht Monate Haftstrafe. Seinen Führerschein soll der Angeklagte erst in 20 Monaten wieder bekommen.

Plädoyer Verteidigung: 

"Mein Mandant versucht nicht, die Schuld auf den Toten zu schieben", so Verteidiger Luedtke. Er bereue aufrichtig, dass es zu dem Todesfall gekommen ist. Außerdem betont der Verteidiger, dass der junge Rumäne die Kosten der Beerdigung seines besten Freundes übernahm. Auch vorbestraft sei der Angeklagte nicht, weder in Rumänien noch in Deutschland.

Einen konkreten Strafantrag stellt der Verteidiger nicht: "Ich beanspruche die Milde des Gerichts." Der Anwalt legt ein beglaubigtes Dokument vor, dass sein Mandant nach der Verhandlung sofort wieder nach Rumänien ziehen würde, er habe dort eine Zusage für eine Arbeitsstelle. Daher fordert die Verteidigung, von einer Haftstrafe abzusehen.

Der junge Mann sitzt derweil geknickt auf der Anklagebank: "Ich nehme die Verantwortung auf mich." Seinen Freund wolle er nicht schuldig machen. Nun wartet der 23-Jährige auf sein Urteil.

UPDATE, 12 Uhr: Ersthelfer reagierten vorbildlich

Nun eine Zeugin, der das Unfallauto auf der B304 entgegenkam: "Ich hab' gleich gesehen, dass das Auto nicht unter Kontrolle war", so die 27-jährige Teisendorferin. "Es war brutal knapp. Ich habe schon mit dem Aufprall gerechnet, mich am Lenkrad festgeklammert", meint die Zeugin. Wie ein Glücksgefühl sei es gewesen, als das Auto des Angeklagten an ihr vorbei war. Im Rückspiegel hat sie den Überschlag noch gesehen.

Die junge Frau hat in dieser furchtbaren Situation vorbildlich reagiert: Sie hielt andere Autofahrer an, bat sie um Hilfe, setzte einen Notruf ab und ging danach zum Unfallauto. "Verbal hat der Fahrer nicht mehr reagiert, aber er hatte noch Puls." Inzwischen hat sie die Erlebnisse verdaut. Der Angeklagte entschuldigt sich bei ihr: "Es tut mir sehr leid was passiert ist."

Ein zweiter Zeuge, Anwohner nahe der Bundesstraße: "Wir sind vor dem Haus gestanden, dann hab' ich ein wahnsinnig langes Quietschen gehört. Dann hat es zwei Mal ganz brutal gekracht", so der Zeuge. "Das hat so 'tuscht, ich war mir sicher, dass da keiner mehr lebt."

Schon von der Weite habe man Rauch aufsteigen sehen. Also packte der Zeuge den Feuerlöscher und rannte "volle Kanne" zur Unfallstelle: "Ich bin hinein ins Auto zum Beifahrer, aber da hab' ich gleich gewusst... er ist so nach hinten gehängt, war total blutunterlaufen." Zu fünft habe man versucht die Tür aufzureißen, doch es gelang nicht. Bald darauf kam schon die Feuerwehr, versuchten eine Reanimation.

Ein dritter Zeuge, Inhaber einer Autowerkstatt, bestätigt dem Gericht, dass der Angeklagte mit dem späteren Opfer am selben Tag noch in seinem Geschäft war. Er habe Alkohol gerochen und die Männer gewarnt: "So würde ich in Deutschland nicht Auto fahren." Eine Warnung, die der 23-Jährige offensichtlich jedoch in den Wind schlug.

Auch der Angeklagte selbst wurde bei dem Unfall schwer verletzt. Was genau er sich zuzog, wird nun ein medizinischer Sachverständiger erklären.

UPDATE, 10.50 Uhr: Hat sein Freund ihm ins Lenkrad gegriffen?

"Der Beifahrer sei ungeduldig geworden und habe ihm ins Lenkrad gegriffen", so der Verteidiger für seinen Mandanten. Die beiden Freunde waren angeblich spät dran, sein Freund musste zu einem Termin. Auf Nachfrage bestätigt auch der Angeklagte: "Er hat mir ins Lenkrad gegriffen." Richter Ott will ihm diese Geschichte aber nicht recht glauben, bei der Polizeivernehmung eine Woche nach dem Unfall war von dem Griff ins Lenkrad nämlich noch nicht die Rede.

Der Angeklagte wurde bei dem Unfall selbst schwer verletzt, kam ins Krankenhaus. Schon sechs Tage nach dem Unfall wurde er aus der Intensivstation heraus verhaftet: "Es hat mich gewundert, dass man ihn in diesem Zustand ins Gefängnis verlegen kann", so sein Anwalt. Nun saß der Angeklagte ein knappes halbes Jahr in Untersuchungshaft, zuerst in München, dann in Traunstein.

Nun werden Zeugen erwartet: Eine junge Frau, die im Gegenverkehr knapp einem Crash entkam und ein Anwohner der B304.

UPDATE, 9.50 Uhr: Beifahrer war sein bester Freund

Ein junger, stiller Mann sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Traunstein. Er soll im April auf der B304 betrunken einen Unfall gebaut haben. Der Beifahrer kam noch neben der Straße ums Leben - vor Gericht stellt sich heraus: Es war der beste Freund des 23-jährigen Angeklagten.

"Ich kann es kaum ertragen, dass es ihn nicht mehr gibt", so der junge Rumäne. Wenn er vor dem Grab seines besten Freundes stehe, wisse er nicht, was er sagen solle. Der junge Rumäne ist großteils geständig. "Mit dieser Schuld wird er sein ganzes Leben lang leben müssen", so sein Verteidiger Manuel Luedtke.

Mit "weit überhöhter Geschwindigkeit, quietschenden Reifen und schon in Schrägstellung" soll er den Autos auf der anderen Fahrbahn entgegengekommen sein, so der Staatsanwalt. Das Auto schleuderte dann in die Bäume. Zwei bis drei Bier und ein größeres Glas Wodka habe er vor der Fahrt getrunken. Rund 1,3 Promille habe er gehabt, errechnete später die Polizei.

Wie wird sich der Angeklagte zur Tat äußern?

Vorbericht:

Rund 1,3 Promille hatte er im Blut und zuvor auch Cannabis geraucht, meint die Traunsteiner Staatsanwaltschaft: Sein Auto konnte ein heute 23-jähriger Rumäne deshalb wohl nicht mehr auf der Straße halten, knallte am 5. April in die Bäume. Der Beifahrer des Rumänen (24) verstarb noch an der Unfallstelle in Au bei Surberg auf der B304. Zum Glück passierte nicht noch mehr, denn fast soll der junge Mann auch den Gegenverkehr erwischt haben.

Bilder: Bergung des Unfallautos auf der B304

Fahrlässige Trunkenheit im Verkehr, vorsätzliche Gefährdung im Straßenverkehr und fahrlässige Tötung wirf ihm die Staatsanwaltschaft deshalb vor. Erschwerend kommt hinzu, dass der 23-Jährige laut Staatsanwaltschaft noch vorgewarnt wurde: Kurz vor dem Unfall habe ein Autohändler seine Fahne bemerkt und ihn ermahnt. Der junge Rumäne wurde bei dem Unfall selbst schwer verletzt, wie die Polizei damals mitteilte. 

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Traunstein beginnt um 9 Uhr, wir werden aktuell berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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