"Ein Glücksfall für Traunstein"

Traunstein - Für Aufsehen sorgte vor wenigen Tagen die Bekanntgabe, dass sich in Traunstein eine Hochschule ansiedeln wird, die den Studiengang "Homöopathie" anbieten wird.

Am Dienstag beschäftigte sich nun der Kreisausschuss im Landratsamt Traunstein mit dem Thema, das von allen Ausschussmitgliedern nach Vorstellung des Projekts zustimmend zur Kenntnis genommen wurde.

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Kreisausschuss für Homöopathie-Hochschule

Landrat Hermann Steinmaßl führte aus, dass die Sanierung des ehemaligen Annette-Kolb-Gymnasiums geplant im Sommer abgeschlossen sei. Dort würden dann unter anderem das Staatliche Gesundheitsamt, die Krankenpflegeschule der Kliniken Südostbayern AG, die Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werkes und weitere Bildungseinrichtungen im regionalen Gesundheitswesen ihre Heimat finden. Hier habe auch die Homöopathie ihren Platz. Bereits jetzt würde die Krankenpflegeschule mit örtlich niedergelassenen Homöopathen kooperieren.

Man stehe den Überlegungen einer Gründung einer europäischen Hochschule für Homöopathie aufgeschlossen gegenüber. Gleichzeitig machte er deutlich, dass man die angefragten Räumlichkeiten zu "marktüblichen Preisen" vermieten werde. "Wir werden sonst keinerlei finanzielle oder sonstige Verpflichtungen haben. Die Hochschule organisiert und finanziert sich selbst."

Urs Rentsch, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, machte deutlich, dass es ihnen neben der Schaffung des Studienganges, der im kommenden Frühjahr starten soll, auch um Aufklärung gehe: "Nicht alles, was heute Homöopathie heißt, hat auch damit zu tun." Mit der Hochschule biete man ein fünfjähriges Studium an, in dem nach drei Jahren ein Batchelor-Abschluss erreicht werden könne, an dem medizinisches Basiswissen und eine homöopathische Grundausbildung vermittelt werde. Im Rahmen zweier weiterer Studienjahre sei im Rahmen des Master-Abschlusses die klinische und homöopathische Praxis erlernbar. Seiner Überzeugung nach solle durch die Schaffung der Studienplätze mittelfristig eine homöopathisch-medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung sichergestellt sein.

In Traunstein optimale Voraussetzungen

"Traunstein bietet optimale Voraussetzungen" sagte Rentsch. Man habe im Traunsteiner Landratsamt großes Wohlwollen und vor Ort eine gute Vorbereitung durch aktive Homöopathen gefunden, die ursächlich auch auf den seit zwei Jahrzehnten als klassisch homöopathisch arbeitenden Heilpraktiker Josef Graspeuntner aus Hufschlag zurückzuführen ist. Und sein Kuratoriums-Kollege Dr. Manfred Stäudinger fügte hinzu: "Was uns in Traunstein begegnet ist, haben wir sonst nirgends bekommen."

In der Aussprache betonte Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD), es sei für den Landkreis Traunstein wichtig, dass man "so etwas qualifiziert anbietet." Immer mehr Eltern mit kleinen Kindern würden der alternativen Medizin positiv gegenüberstehen. Sepp Konhäuser (SPD), Stellvertreter des Landrats betonte, die Homöopathie gehöre für ihn zur Daseinsvorsorge. "Das ist eine super Sache für das Gesundheitszentrum."

So sah es auch Karl Kaditzky (CSU): "Das ist ein medizinisches Standbein, das wir im Landkreis noch brauchen." Facharzt Dr. Lothar Seissiger (FW/ UW) betonte, ihm gehe es um eine entsprechende Kostendeckung für die aufwendige Sanierung und den Betrieb des Bildungsträgers im AKG, worauf der Landrat salopp entgegnete: "Wenn wir die nicht drin haben, dann haben wir die Miete nicht." Seissiger ließ nicht locker: "Der Landkreis finanziert die Ausbildung für ganz Deutschland. Hier muss eine Co-Finanzierung her."

Der Leiter des Bildungszentrums für Gesundheits- und Sozialberufe, wie das Zentrum künftig heißt, Rupert Übelherr, nannte es einen "Glücksfall" für Traunstein. Das sehe er auch für die Einnahmen, die durch die Hochschul-Anmietung generiert werden könnten. Vor dem Hintergrund des stärker werdenden Fachkräftemangels sei es eine "Pflicht, in dem Bereich zu investieren."

Investition gegen Fachkräftemangel

Mit dem Bildungszentrum, zu dem für ihn auch homöopathische Angebote gehöre, investiere man für die Region zur Absicherung gegen den sich verschärfenden Fachkräftemangel. Er wandte sich gegen geäußerte Kritik, dass man hier "für ganz Deutschland ausbilde", wie in Seissigers Wortmeldung kritisiert wurde. 90 Prozent der Auszubildenden aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein würden der Region erhalten bleiben.

Als Wermutstropfen mussten die Stiftungsvertreter dann aber doch einräumen, dass die Frage der Anerkennung des erworbenen Abschlusses derzeit nicht endgültig geregelt sei. Man hoffe, dass die Approbation komme. "Aber wir können das jetzt nicht machen", ließ Rentsch offen. Auch auf kleine Feinheiten wie die Schreibweise "europäisch" oder "Europäisch" müsse man achten. Es sei eben keine Institution, die auch Anerkennung nach derzeit gültigem europäischem Recht genieße. Man sei aber zuversichtlich, auf längere Sicht vieles, was sich jetzt teilweise noch in Anfangsstadien befinde, auf einen positiven Weg zu bringen - die hohe Nachfrage von interessierten potenziellen Studiengängern stimme positiv.

Der Landrat blieb abschließend bei seiner positiven Bewertung: "Die neue Hochschule ist eine zusätzliche Bereicherung und keine Belastung." Dieser Einschätzung schlossen sich letztlich alle Ausschussmitglieder an.

wz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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