Er soll zwei Menschen in Traunreuter Kneipe erschossen haben

Zwei Zeugen bringen Ferdinand F. plötzlich zum Lächeln - ehemalige Nachbarin weint

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Der Angeklagte Ferdinand F. mit einem seiner Anwälte, Walter Appel.
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Traunreut/Traunstein - Zwei Kneipengäste wurden im September 2017 in Traunreut erschossen - am Donnerstagvormittag wurde der Prozess gegen Ferdinand F. fortgesetzt. Als erstes sagten eine Witwe und der Vater eines Opfers aus: 

UPDATE, 15 Uhr - Aussagen von fünf weiteren Zeugen

Fünf weitere Zeugen hat das Gericht geladen, um über Ferdinand F. auszusagen – darunter zwei Arbeitskollegen, die mit dem Angeklagten bei einer Traunreuter Baufirma gearbeitet haben. Als sie hereinkommen, grüßt sie Ferdinand F. von der Anklagebank aus freundlich. Man merkt: Er freut sich, sie zu sehen.

Die beiden Männer beschreiben den Angeklagten als fleißig, einer der anpackt, manchmal vielleicht etwas jähzornig. “Ein guter Arbeiter”, so das Urteil eines Arbeitskollegen. Ferdinand F. nickt. Als die Männer das Gericht wieder verlassen, zeigt der Angeklagte erstmals wirklich Gefühle: Er ist geknickt. Bereut er jetzt, was man ihm vorwirft?

Auch drei Frauen, frühere Nachbarinnen im Haus am Traunreuter St.-Georgs-Platz sagen als Zeuginnen aus. Sie kennen ihn seit Jahren. “Eigentlich kann ich nur Positives berichten”, so eine der Frauen. Manchmal brachte er ihr Fische vom Angeln mit. Als die Ex-Frau noch bei ihm wohnte, hätte es in der Nachbarwohnung schon manchmal Streit gegeben – allesamt aber recht gewöhnliche Geschichten.

Als eine der Frauen nach der Aussage von ihrem Stuhl aufsteht und an Ferdinand F. vorbeigeht, grüßt sie ihn noch nickend – kurz darauf kann sie dann doch nur noch mit dem Kopf schütteln. Sie wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Es waren die letzten Zeugen, die das Gericht im Fall des Traunreuter Doppelmordes gehört hat. Auch ein Gerichtsmediziner, ein Blutspurengutachten und ein Waffengutachten des Landeskriminalamtes wurden am Donnerstag vom Gericht noch gehört.

Der Prozess wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt. Möglicherweise werden Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenklage dann ihre Plädoyers halten.

UPDATE, 11.15 Uhr - "Ich habe keine Kraft mehr!"

"Ich habe mich wirklich nicht drum gerissen, hier auszusagen", beginnt die Witwe eines der Getöteten ihre Zeugenaussage. Trotzdem: Das Gericht will wissen, welche Menschen die beiden Männer waren, die in der Kneipe ihr Leben lassen mussten. Denn über das Motiv des Mörders ist schließlich noch immer so gut wie nichts bekannt.

33 Jahre alt ist die Altenmarkterin, vor zehn Jahren lernte sie ihren Mann kennen. 2016 die Hochzeit, das erste Kind und der Einzug ins gemeinsame Haus – Familienglück. Sie war mit dem zweiten Kind schwanger, als ihr Mann erschossen wurde. Im Dezember 2017, drei Monate danach, kam der zweite Bub auf die Welt.

"Wenn er was getrunken hatte, wurde er noch friedliebender, als er eh schon war. Er war die Ruhe selbst und hätte keiner Fliege was zu Leide getan", so die Witwe. Auch ihr Vater muss hier aussagen: Er ist bis heute arbeitsunfähig - "Ich habe keine Kraft mehr." Beide Getöteten waren 31 Jahre alt, beide arbeiteten in Traunreut - der eine bei Siemens, der andere bei Siteco. Sie waren beste Freunde von klein auf.

Der Vater des zweiten Getöteten, ein Landwirt aus Palling, beschreibt dem Gericht voller Trauer, wie er den Tag nach den Schüssen erlebt: "In der Früh ist es in den Nachrichten gekommen, dass es in Traunreut Schüsse gegeben hat und zwei Leute gestorben sind. Schon im Stall haben wir ein schlechtes Gefühl bekommen, weil sein Auto noch nicht da war. Nach dem Frühstück ist dann das Kriseninterventionsteam zu uns gekommen – da haben wir gewusst, dass es uns trifft."

Ferdinand F. auf der Anklagebank bleibt bei all diesen Worten völlig regungslos.

Der Vorbericht:

Bisher gab es kein Geständnis und keine Entschuldigung: Ferdinand F. kann sich nach eigener Aussage nicht mehr daran erinnern, ob er es war, der am 16. September 2017 in der Traunreuter Bar "Hex Hex" zwei Menschen erschossen und zwei weitere verletzt hat. Ob er sich am heutigen dritten Prozesstag dazu äußern wird?

Für Donnerstag haben die Verteidiger des 63-Jährigen einen weiteren Zeugen geladen, außerdem stehen noch die Gutachten über Ferdinand F. aus: Wie tickt dieser Mann? Vielleicht können die Psychologen dem Gericht einen Hinweis geben, was den Täter dazu getrieben hat, unvermittelt Menschen zu töten - denn das Motiv liegt noch immer im Dunkeln.

Wirtin, Bedienung und Kneipengäste als Zeugen: Der zweite Prozesstag

Weder die Wirtin, noch eine Bedienung des "Hex Hex" konnten am Dienstag dem Gericht auf die Sprünge helfen, warum es zu dem Blutbad kam. Beide Beschrieben den Abend als "normal", es hätte keinen Streit zwischen den Gästen gegeben, auch Ferdinand F. wäre den beiden Frauen nicht besonders negativ aufgefallen. Auch weitere Zeugen, die zuvor mit dem Angeklagten in der Bar saßen, sahen das nicht anders. 

Umso erschreckender fanden Polizisten und Sanitäter dagegen das Verhalten von Ferdinand F. nach der Festnahme: Er habe "zufrieden und entspannt" gewirkt, sei äußerst freundlich gewesen. Ein Rettungsassistent beschrieb gar, auf der Fahrt ins Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum habe der Mann, der kurz zuvor mutmaßlich zwei Menschen tötete, gelächelt und "gemütlich seine Breze gegessen".

Der Prozess wird um 9 Uhr fortgesetzt. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht.

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Bilder von der Verhaftung des mutmaßlichen Täters

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Zwei Männer in Traunreut erschossen

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Quelle: chiemgau24.de

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