Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vermieter und Gastronomie in schwerer Lage

Und ewig droht der Lockdown im Raum Traunstein? „Auf Politik ist kein Verlass“

Birgit Seeholzer hat am Traunsteiner Stadtplatz viele Lokale im Blick.
+
Birgit Seeholzer hat am Traunsteiner Stadtplatz viele Lokale im Blick.

Bleibt es dabei, oder droht gleich wieder die Schließung? Die vierte Welle richtet bei vielen Betrieben im Landkreis Traunstein einen großen Schaden an. Die Hoffnungen ruhen auf einem Ende der Pandemie – und auf Biathlon.

Ruhpolding/Traunstein – Heimische Wirte und Hoteliers sind ärgerlich auf die Politik. Zwar gilt der Landkreis Traunstein seit Montag nicht mehr als Hot-Spot-Landkreis mit der Schließung von Lokalen und Beherbergungsbetrieben, doch könnte sich das bei einer erneuten Inzidenz über 1000 quasi über Nacht wieder ändern.

„Strukturen sind ernsthaft gefährdet“

Der Ruhpoldinger Hotelier Josef Hohlweger fasst gegenüber unserer Zeitung zusammen, was er in den zahlreichen Gesprächen mit Kollegen hört: „Die Politik hat nicht rechtzeitig reagiert.“ Strukturen in der Urlaubsregion seien ernsthaft gefährdet. Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH für Wirtschaftsförderung in Traunstein, appelliert: „Die Unternehmen sind so froh, dass sie wieder aufmachen dürfen. Wir bitten um Vernunft, dass die Inzidenzen nicht wieder nach oben getrieben werden.“

Lesen Sie auch: Kein Ministerposten für Dr. Bärbel Kofler (SPD) aus Traunstein in der neuen Bundesregierung

Sie habe in diesen Tagen sehr viele Gespräche geführt mit Unternehmen und Verbänden. „Das Weihnachtsgeschäft ist so wichtig und auch das Geschäft bis Heilig-Drei-König“, berichtet sie. Die Unternehmen wünschen sich, von einer erneuten Hot-Spot-Schließung verschont zu bleiben. „Wir hoffen, dass die Menschen regional einkaufen, die Region stärken und ihre Masken tragen. Wir müssen jetzt einfach alle zusammenhelfen“, sagt die Geschäftsführerin. Angesichts der 2G-Regelungen meint sie: „Einfach wird‘s für keinen.“

Warten auf die Reaktion der Gäste

Die Aufhebung der Hot-Spot-Regelung im Landkreis Traunstein sorgt nur für verhaltene Freude in der Hotelerie. „Wir sind in Warteposition, es ist schwierig. Keiner kann sagen, ob die Inzidenz wieder über 1000 kommt“, sagt Hohlweger, der beim Traunsteiner Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) im Vorstand sitzt. Wichtig sei, wie sich die Gäste verhalten. Er wisse von Kollegen, dass schon welche ihren Weihnachtsurlaub storniert haben: „Die Leute sind verunsichert.“

Er holt zur Kritik an der großen Politik aus: „Wir haben keine Unterstützung“, fährt er angesichts der zurückliegenden erneuten Schließungen fort. Hinter den Betrieben stehen Zulieferer wie Metzger, der Einzelhandel, der in Ruhpolding auf die Frequenz von Urlaubern ausgerichtet sei, und Handwerksbetriebe, die Aufträge erhalten.

Lesen Sie auch: Hilferuf aus Kliniken Südostbayern: Wir brauchen dringend Pfleger! Bundeswehr im Noteinsatz

Hohlweger spricht bei Schließungen von „Desaster“ und Existenzbedrohung für die Betriebe. Die Hoffnungen ruhen nun in Ruhpolding auf dem Biathlon-Weltcup im Januar. Aktuell dürfen 7500 Zuschauer ins Stadion, so Hohlweger. Er hatte, wie seine Kollegen, schon Wettkämpfe vor leeren Rängen befürchtet.

Größere Häuser und Hotelketten könnten sich durch die schwere Zeit retten, bei privaten Vermietern und kleineren Betrieben sehe das ganz anders aus, erklärt er. Vor allem, da seit Corona viel Geld investiert worden sei und Kredite zurückbezahlt werden müssen.

„Auf Politik kein Verlass“

Die Gastronomie, so ist er überzeugt, habe besonders unter der erneuten Schließung gelitten. „Die Erfahrungen zeigen leider, dass man sich auf die Politik nicht verlassen kann“, bringt er es auf den Punkt. So mancher fühle sich alleine gelassen und die psychische Belastung sei nach über eineinhalb Jahren Pandemie hoch.

Der Bereich Tourismus sei eine Wirtschaftskraft mit 10 000 Beschäftigten alleine im Landkreis Traunstein. Das Dilemma treffe nicht nur die Unternehmer, sondern gleichfalls die Mitarbeiter, darunter die Auszubildenden, denen die Praxis fehle, und viele Minijobber, die daheim einen wesentlichen Beitrag zur Haushaltskasse leisteten.

Hat die Politik zu lange zugeschaut?

Hohlweger ist Gemeinderat, Vorsitzender des Tourismus- und Wirtschaftsverbandes Ruhpolding sowie im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung Chiemgau GmbH in Traunstein. Er ist gut vernetzt und nimmt wahr, dass man sich einig sei bei der Beurteilung: „Das schläfrige Verhalten der Politik in Staats- und Bundesregierung ist für viele Betriebe nicht mehr nachvollziehbar. Seit Sommer warnen die Wissenschaftler vor der nächsten Welle. Es war nach den Herbstferien absehbar, dass die Inzidenzen steigen. Man hat zugewartet, bis es nicht mehr anders ging, als eine Notbremse zu ziehen.“

Das sagt Dr. Birgit Seeholzer über die lokale Wirtschaft in der vierten Welle:

Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH für Wirtschaftsförderung in Traunstein, kennt die Nöte der Unternehmen aus den verschiedensten Branchen von täglichen Telefonaten und Gesprächen. „Wir informieren die Betriebe in unserem Newsletter zum Beispiel über Förderungen und zur Überbrückungshilfe. Anrufer fragen, wie sich Mitarbeiter testen müssen, was passiert, wenn jemand in Quarantäne gehen muss, weil der Arbeitgeber keine Erstattung mehr bekommt, und ganz viele andere Dinge“, erzählt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Die 2G-Regelung nennt sie „gar nicht so einfach“. Das bedeute nämlich, dass die Betriebe keine staatliche Unterstützung mehr bekommen, weil sie nicht geschlossen haben müssen. Die Umsätze seien trotzdem niedriger. Dem gegenüber stehen im Gegensatz zu früher wesentlich höhere Ausgaben für Hygienemaßnahmen. Zusätzliches Personal sei nötig, um Gäste auf ihren Status hin zu überprüfen. „Die Gäste, die kommen, sollen Sicherheit haben“, sagt Seeholzer. Die Gastronomie stehe vor der Herausforderung, dass viele gute Arbeitkräfte inzwischen in anderen Bereichen arbeiteten: „Es ist schwierig, gute Leute zu bekommen.“

Wie viele Betriebe im Landkreis Traunstein im langen Lockdown zu Beginn des Jahres tatsächlich wegen Corona schließen mussten, kann sie nicht benennen, darüber hat sie keine Zahlen – auch, weil das schwer zu erheben ist. Es habe sogar Betriebe gegeben, die neue Geschäftsideen entwickelt hätten. Seeholzer sieht die niedrige Arbeitslosenzahl im Landkreis Traunstein als gutes Zeichen. „Uns ist es großes Anliegen, dass die Leute trotz allem Hin und Her lokal einkaufen“, betont die Wirtschaftsförderin: „Wir werden es nach der Pandemie alle schätzen, wenn wir noch Läden haben.“ Sie betont aber gleichzeitig, wie wichtig Gesundheitsmaßnahmen seien.

Kommentare