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Corona-Pandemie

„Ist auf dem Staberl mein Hirn drauf?“ Skurrile Erlebnisse im Traunsteiner Corona-Testzentrum

Über erheiternde und skurrile Momente von der Arbeit im Schnelltestzentrum der Malteser in Traunstein kann Uschi Hasenkopf aus Nußdorf viel erzählen. Die medizinisch-technische Assistentin ist dort seit Mitte April angestellt.
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Über erheiternde und skurrile Momente von der Arbeit im Schnelltestzentrum der Malteser in Traunstein kann Uschi Hasenkopf aus Nußdorf viel erzählen. Die medizinisch-technische Assistentin ist dort seit Mitte April angestellt.

Mit den rückläufigen Inzidenzzahlen im Landkreis geht auch der Andrang in den Covid-19-Schnelltestzentren zurück. Wie lange der Betrieb dort noch weitergeht, wird bei den fünf Einrichtungen in Traunstein je nach Anbieter unterschiedlich beurteilt.

Traunstein – Mehr Zeit zum Durchschnaufen gibt es jetzt etwa bei den Maltesern, die im Kulturzentrum ein Schnelltestzentrum betreiben. Nach den aktuellen Planungen wolle man je nach Nachfrage den Betrieb „zumindest noch bis 30. Juni fortführen“, wie Kreisgeschäftsführer Peter Volk erläutert. In den Spitzenzeiten mussten acht Mitarbeiter dort mehr als 400 Testwillige pro Tag an drei Testplätzen betreuen.

Psychologisches Fingerspitzengefühl notwendig

Dass im Umgang mit den Besuchern durchaus psychologisches Fingerspitzengefühl, Improvisationsgeschick und Klarheit gefragt ist, macht ein Gespräch mit Uschi Hasenkopf deutlich. Sie erzählt von rührenden, skurrilen und höchst ungewöhnlichen Begegnungen in ihrem Arbeitsalltag.

Die medizinisch-technische Assistentin aus Nußdorf ist seit der Eröffnung des Schnelltestzentrums Mitte April für die Malteser im Einsatz. Davor war sie lange Zeit im Klinikum Traunstein und in einer Trostberger Arztpraxis beschäftigt.

Wie sie betont, verfügen alle der im Schnelltestzentrum der Malteser eingesetzten Mitarbeiter über eine medizinische Grund- oder Vorbildung. Per Online-Schulung mit Prüfung und Zertifikat wurden die Beschäftigten auf den konkreten Einsatz, die Durchführung der Testabstriche und juristische Fragen vorbereitet.

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Am schweißtreibendsten sei jeweils der Einsatz in der Vollschutzmontur mit Dreifach-Handschuh, FFP-2-Maske und Gesichtsvisier, wie Uschi Hasenkopf erklärt: „Da wechseln wir uns in der Tagesschicht mit aktuell vier Mitarbeitern alle 75 bis 90 Minuten ab.“

Sie erinnert sich an eine Dame, die unbedingt einen Schnelltest für einen operativen Eingriff am nächsten Tag brauchte. „Die war ganz aufgelöst, als der Antigen-Test bei uns mit einer 98,2-prozentigen Treffergenauigkeit positiv war“, sagt Hasenkopf. Der folgende PCR-Labortest im zentralen Testzentrum des Landkreises in Traunstein fiel dagegen negativ aus. Vom überraschenden Ergebnis erfuhr die Nußdorferin, weil die Frau ein paar Wochen später nochmals kam für einen Schnelltest zur Nachuntersuchung.

Endlich wieder zum Friseur

In Erinnerung geblieben sind Hasenkopf gleich zu Beginn des Einsatzes im Malteser-Schnelltestzentrum einige ältere Damen. „Die waren ganz aufgeregt, weil sie mit dem Negativergebnis endlich wieder zum Friseurbesuch gehen konnten.“ Anfangs waren vor allem auch Schnelltests für Besuche bei Angehörigen im Altenheim gefragt.

Gleich zu viert oder fünft als Gruppe kamen mehrere Jugendliche, die sich für den Biergartenbesuch testen ließen. „Die haben beim Testabstrich in der Nase heldenhaft keine Miene verzogen und sich äußerst höflich bedankt.“ Ganz im Gegensatz dazu war guter Rat bei einer Mutter gefragt, die offensichtlich sehr berührungsempfindlich war: „Die schrie urplötzlich ganz laut los wie im Kreißsaal als wir das Teststäbchen ansetzen wollten.“

Rechtes Nasenloch voller Schnupftabak

Ein junger Bursch lieferte beim Besuch gleich die Gebrauchsanweisung mit. Er riet, das linke Nasenloch zum Testen zu nehmen, „weil ich im rechten lauter Schnupftabak habe“.

Von mehreren Senioren bekam Hasenkopf mit augenzwinkerndem Humor zu hören: „Ist jetzt auf dem Staberl mein Hirn drauf? Dass Du mir fei noch was drinlässt, gel?“ Auch eine offensichtliche Covid-19-Skeptikerin kam wütend und schimpfend zu den Maltesern, weil sie den Schnelltest für eine Arzttermin brauchte. „Sie hielt Corona für ausgedacht und glaubte an Manipulation beim Test“, erinnert sich Hasenkopf.

Großer Andrang auch am Feiertag

Die Kompromiss-Lösung: „Wir haben der Frau ausnahmsweise ermöglicht, nach dem Testabstrich das Testkit 15 Minuten lang genau im Auge zu behalten, bis ihr Ergebnis vorlag.“ An Fronleichnam kamen auch ganze Familien zum Testen vorbei, die einen Nachweis für Hotels oder Campingplätze brauchten. „Die waren überglücklich, dass wir geöffnet hatten, weil es sonst sehr schwierig für sie geworden wäre“, erinnert sich Uschi Hasenkopf.

42 Teststationen:

Im Landkreis Traunstein gibt es 24 Teststationen für Schnelltests. Hinzu kommen die beiden Testzentren des Landkreises als auch 16 Apotheken. Das teilt das Landratsamt auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung mit. Bisher waren die Angaben über die Anzahl der durchgeführten Tests freiwillig, seit vergangener Woche sind die Betreiber dazu verpflichtet, diese zwei Mal monatlich beim Gesundheitsamt anzugeben.

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