Artist (52) soll aus Eifersucht auf Paar losgegangen sein

So erlebten die Opfer den nächtlichen Überfall in Gendorf

+
Links ein Foto vom Tatort, rechts der Angeklagte.
  • schließen

Burgkirchen/Traunstein - Er soll seine Ex und ihren neuen Partner mitten in der Nacht im Bett überrascht und auf den Mann geschossen haben - ein 52-Jähriger steht deshalb heute vor Gericht.

UPDATE, 16 Uhr:

Muss die Ex-Freundin, die vom Angeklagten geschlagen wurde, vor Gericht aussagen? Ihr Anwalt lässt ein Attest vorlegen, dass sie es psychisch nicht verkraften würde - doch das Gericht besteht auf ihrer Ladung. Der Angeklagte wird aber so im Gerichtssaal platziert, dass das Opfer ihn während der Aussage nicht sehen muss.

Schon vor der Tat hätten sich die beiden getrennt, berichtet die 38-jährige Frau. Von der Tatnacht weiß sie nicht mehr viel: Durch Schreie sei sie aufgewacht, schon an der Stimme habe sie erkannt, dass es sich um den Angeklagten gehandelt habe. "Dann hab ich einen Schuss gehört und danach weiß ich gar nichts mehr." Erst im Krankenhaus sei sie wieder ganz zu sich gekommen.

Beim täglichen Blick in den Spiegel wird sie noch heute an die Tat erinnert. Von der Messerattacke trägt sie eine Narbe an der Wange. Außerdem berichtet die Frau von Schlafstörungen. Laut dem 52-jährigen Angeklagten habe er die Waffe aus ihrer Wohnung geholt - stimmt das? "Ich habe noch nie eine Waffe besessen", schüttelt die Frau den Kopf.

Auch beim Freund der Frau, der vom Angeklagten angeschossen wurde, sind die Erinnerungen an die Tatnacht nur noch in Bruchstücken vorhanden. "Wir haben geschlafen, dann ging auf einmal das Licht an und schon ist geschossen worden", so der 36-Jährige. Die Kugel im Arm habe er zuerst gar nicht gespürt. "Während der Auseinandersetzung hatte ich plötzlich die Pistole am Kopf und er hat mich gefragt, ob ich sterben will", so der Zeuge. Wie die Frau konnte auch er schließlich fliehen und suchte das nächste Krankenhaus auf.

Die Verhandlung wird für heute beendet und am 22. Juli um 9 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Ein weiterer Prozesstag ist für den 26. Juli angesetzt.

UPDATE, 11.10 Uhr:

Das Motiv steht fest: Untreue. Das gibt der Angeklagte unumwunden zu: "Ich bin heimgekommen und hab' sein Auto gesehen. Was macht der noch so spät bei meiner Frau? Ich wusste doch, was da abgeht", so der 52-Jährige. Er ist weitgehend geständig. Wie schildert er den Tatabend?

Nach einem Besuch in der Kneipe sei er in die Wohnung hinein und habe die beiden schlafend gesehen. Seine damalige Partnerin sei aufgewacht, "dann hab' ich sie verprügelt. Ich bin abgedreht. Ob sie geschrien hat, weiß ich nicht. Ich hab' einfach nur draufgehauen." Als das Gericht Erklärungen dafür wissen will sagt der Angeklagte nur: "Wir Zirkusleute sind halt emotionale Menschen. In so einer Situation denkt man nicht mehr, man handelt."

Während der Auseinandersetzung sei ihm eingefallen, dass es eine Waffe in der Wohnung gibt. Damit sei er dann zu dem Mann: "Ich hab ihn gepackt und dann haben sich die Schüsse gelöst, aus Versehen. Ich wollte die beiden nackt draußen anbinden und sie fotografieren, damit ich sie vor der Familie bloßstellen kann. Ich wollte niemanden töten, sonst wären die beiden jetzt tot." Der 52-Jährige gibt auch zu, dass er die Frau mit einem Messer schnitt - jedoch habe sie ihn zuvor mit dem Messer bedroht.

Der Angeklagte bezeichnet sich selbst als "Zirkuskind", er sei an keinem festen Ort aufgewachsen, sei mal hier, mal dort auf die Schule gegangen. "Ich bin die vierte Generation unserer Zirkusfamilie. Später habe ich dann einen eigenen Zirkus gegründet." Messerwerfen, Jongliernummern, Trapez - das waren seine Kunststücke. Seit einem misslungenen Rückwärtssalto von einem Pferd leidet der Mann unter einem Hörschaden.

UPDATE, 9.46 Uhr:

Eine Horror-Vorstellung, was am 23. Juli 2018 in Gendorf bei Burgkirchen laut Staatsanwaltschaft passiert sein muss. Gegen 3 Uhr wird bewaffnet in eine Wohnung eingebrochen - deshalb steht nun ein 52-Jähriger vor dem Landgericht Traunstein. Er soll seine Ex-Freundin und ihren neuen Partner im Schlaf überrascht haben.

Als der Mann wach wurde, schoss der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft sofort mit einem Revolver Kaliber 38 auf seinen Oberkörper und traf ihn am Arm. Das Projektil blieb stecken und musste später operativ entfernt werden. Dann soll der 52-Jährige seine Ex-Freundin aus dem Bett gezerrt und sie mit Fäusten geschlagen haben. Als sie davon benommen war, schnitt er sie angeblich mit einem Messer im Gesicht und an den Armen. Durch die Schläge erlitt sie unter anderem eine Schädelprellung und eine Gehirnerschütterung.

Als ihr Partner der Frau wieder helfen wollte, schoss der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft aus gut 30 Zentimetern wieder auf den Oberkörper. Das Projektil streifte den Oberarm. Anschließend soll der 52-Jährige mit dem Revolver auf den Kopf gezielt und ihn gefragt haben: "Willst Du sterben?" In dieser Situation konnte die Frau flüchten. Der Angeklagte verfolgte sie, konnte sie aber nicht einholen. Auch der Mann konnte dann flüchten. Die Staatsanwaltschaft vermutet Eifersucht als Motiv. Der Angeklagte tauchte schließlich unter und wurde knapp einen Monat später, am 21. August 2018, in Trostberg gefasst.

Angeklagt ist der Mann wegen Bedrohung, unerlaubtem Führen einer Schusswaffe und schwerer Körperverletzung. Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs macht aber gleich klar, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Frage kommen könnte.

Der 52-jährige Angeklagte ist als Beruf Artist, bezeichnet sich selbst als "Zirkuskind" und sei an keinem festen Ort aufgewachsen. Wie wird er sich zur Tat äußern?

Vorbericht

Es war die Nacht auf den 23. Juli 2018 in Gendorf/Burgkirchen: Gegen 3 Uhr soll ein 52-Jähriger ins Haus seiner Ex-Freundin eingestiegen sein - aus Eifersucht, wie die Staatsanwaltschaft vermutet. Im Bett fand er seine Ex mit ihrem neuen Lebensgefährten. 

Laut Staatsanwaltschaft soll er seine Ex-Partnerin aus dem Bett gezerrt, sie geschlagen und mit einem Messer geschnitten haben. Angeblich wollte der 52-Jährige, von Beruf Aushilfsartist, die Frau am Bett fesseln. Während des Überfalls fielen auch zwei Schüsse, die den neuen Partner jeweils im Oberarm getroffen haben sollen. Eines der Projektile des Revolvers blieb stecken und musste später operativ entfernt werden. Der Angeklagte soll dem Mann auch direkt mit dem Tod gedroht haben.

Die Frau konnte einen Augenblick der Unachtsamkeit nutzen und floh aus der Wohnung. Der Angeklagte habe sie zwar verfolgt, konnte das Opfer aber nicht mehr einholen. Währenddessen soll auch dem Mann die Flucht gelungen sein. Anschließend habe sich der Angeklagte aus dem Staub gemacht und tauchte unter. Einen knappen Monat später konnte ihn die Polizei in Trostberg aufgreifen

Die Verhandlung beginnt am Dienstag um 9 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein. Zwei weitere Prozesstage sind angesetzt, am 22. und am 26. Juli. innsalzach24.de wird aktuell aus dem Gericht berichten

xe

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT