Brandstiftung am Rosenheimer Brückenberg - Prozess in Traunstein

Ehemaliger Arbeitgeber über den Angeklagten: „Er war anders als wir alle“

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Rosenheim - Im Juni vergangenes Jahr geriet ein Haus am Rosenheimer Brückenberg in Brand. Die Polizei ging damals schon von Brandstiftung aus. Nun läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Update, 15.43 Uhr - Ehemaliger Arbeitgeber sagt aus

Als nächster Zeuge sagt der ehemalige 22-jährige Arbeitgeber des Angeklagten aus. Etwa drei Wochen habe der Angeklagte bei dem Autohändler aus Rosenheim gearbeitet. Er habe Autos gesäubert und Werbung ausgetragen. 

Der Zeuge habe dem Angeklagten das Zimmer zur Verfügung gestellt. 200 bis 300 Euro habe er dafür bezahlt. Probleme mit dem Angeklagten habe es keine gegeben, er habe ihm jedoch alles fünfmal sagen müssen, so der Zeuge. Dies aber nur, bis der Angeklagte am Tag des Brandes das Arbeitsverhältnis schließlich auflöste. 

Auch von Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und den anderen Bewohnern will er nichts gewusst haben. Der 22-Jährige bestätigt vor Gericht, dass er Nachrichten vom Angeklagten bekommen habe, in denen er schrieb: „Ich bin gut aber ficke mich nicht“

Er habe diesen Nachrichten aber keine weitere Beachtung geschenkt, da er der Meinung sei, dass der Angeklagte ein Problem mit seinen Nerven gehabt habe. „Er war anders als wir alle. Ich hatte das Gefühl, dass er ein Mensch war, der Sonderbedürfnisse hat“, sagt der junge Mann aus. Warum der Bosnier das Zimmer angezündet hat, dafür habe der Zeuge keine Erklärung. Er sagt aus, dass er den Angeklagten am Morgen nach dem Brand betrunken und nach Alkohol stinkend angetroffen habe.

Update, 13.30 Uhr: Die ersten Zeugen sagen aus

Gegenüber einem Polizeibeamten soll der Angeklagte bei der Vernehmung kurz nach seiner Festnahme gesagt haben, dass er bei Verlassen seines Zimmers nichts von einem Brand bemerkt habe und sich an nichts erinnern könne. 0,36 Promille habe der Angeschuldigte um 16 Uhr bei seiner Vernehmung gehabt, so der Beamte. 

Die Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten habe ergeben, dass er über den Chatdienst „Messenger“ mit einigen Mitbewohnern und anderen Bekannten sowie seinem Vermieter regen Kontakt gehabt habe. Der Beamte verliest einige Nachrichten des Beschuldigten vor Gericht: „Ich habe eine Pistole Bruder. Ich ficke alle. Wenn ich zurück komme werde ich alle schlachten. Wenn ich zurückkomme werde ich Gott sein. Wenn ich in das Gebäude komme werde ich sie alle umbringen“, sind nur einige seiner Nachrichten.

Update, 11.25 Uhr: Angeklagter äußert sich

Rechtsanwalt Harald Baumgärtl gibt im Namen des Angeklagten vor Gericht eine Erklärung über dessen persönliche Verhältnisse und zur Sache ab. Er selber beantwortet im Anschluss Fragen des Gerichts mit Hilfe einer Dolmetscherin. Er habe gerne getrunken, mit Drogen aber nichts am Hut gehabt. Psychische Probleme habe er nicht, jedoch habe er einige körperliche Verletzungen durch Arbeitsunfälle erlitten.

Über einen bosnischen Kollegen habe er das Zimmer vermittelt bekommen. Die Verhältnisse im Haus seien nach Ansicht des Angeklagten katastrophal gewesen. Es sei unsauber gewesen, habe nur wenige sanitäre Einrichtungen gegeben, die alle sehr verdreckt gewesen seien. Wie viele Personen sich zum Zeitpunkt seiner Tat im Haus befunden haben, wisse der Angeklagte nicht.

Baumgärtls Mandant gibt zu, seine Matratze angezündet und unter der Treppe einen Brand gelegt zu haben. Zum Motiv wollte der Beschuldigte seinem Anwalt gegenüber keine Angaben machen, er werde sich auch vor Gericht nicht weiter äußern.

„Das ist Ihr gutes Recht, keine Angaben zu machen, es ist aber natürlich zur Beurteilung für alle Anwesenden besser, wenn Sie sich äußern“, sagt Vorsitzender Richter Erich Fuchs zum Beschuldigten. „Ich habe ein bisschen getrunken und dieser Alkohol hat meinen Zorn noch beschleunigt“, sagt der Angeklagte daraufhin. Was genau und in welchem Zeitraum er getrunken habe wisse er nicht mehr. Es könnten so eineinhalb Flaschen Wein und ein paar Bier gewesen sein. 

Er beantwortet nun doch die Fragen des Vorsitzenden. Es geht um seine Zeit in Rosenheim vor dem Brand, die Tat und sein Verhalten danach. „Wenn ich nachgedacht und keinen Alkohol getrunken hätte, wäre es gar nicht so weit gekommen“, sagt der Beschuldigte. „Ein betrunkener Mensch denkt nicht nach“, sagt er auf die Frage des Richters, was er mit dem Brand bezwecken wollte. Er habe sich über die Zustände und Verhältnisse im Haus und seine Mitbewohner geärgert. Mit ihnen habe er so gut wie keinen Kontakt gehabt. Zum Tatzeitpunkt habe er nicht darüber nachgedacht was den Bewohnern hätte passieren können. Heute sehe er das anders.

Update, 9.45 Uhr: Verlesung der Anklageschrift

links: Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, rechts: der 26-jährige Angeklagte

Staatsanwalt Oliver Mößner verliest die Anklageschrift. Demnach ist er der Auffassung, dass der beschuldigte 26-jährige Bosnier in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 2017 aus Verärgerung über die Zustände im Haus und das Verhalten der Mitbewohner ein Feuer in seinem Zimmer im 2. Stock des Anwesens am Rosenheimer Brückenberg gelegt hat, indem er die auf dem Boden liegenden Matratzen anzündete. 

Danach soll er im gleichen Stockwerk neben der Treppe ein weiteres Feuer entzündet, danach das Haus verlassen und sich dann auf den Weg in seine Heimat gemacht haben. Das Zimmer des Angeklagten brannte durch das Feuer fast vollständig aus. 

Da sich durch das Feuer ein Schrank von der Wand löste und zu Boden fiel, erwachte ein Mitbewohner und wurde auf den Brand aufmerksam. Er habe dann die anderen noch schlafenden Bewohner geweckt.

Das Feuer im Zimmer des Beschuldigten sei vermutlich aus Sauerstoffmangel von selber wieder erloschen, das andere gelegte Feuer habe von den Bewohnern gelöscht werden können. Zum Zeitpunkt des Brandes haben sich im Haus laut Staatsanwaltschaft insgesamt 24 Personen befunden, darunter drei Kinder.

Vorbericht

Nach dem Brand eines Mehrfamilienhauses am Rosenheimer Brückenberg am 14. Juni 2018 ging die Polizei kurz nach dem Vorfall von Brandstiftung aus. Gegen einen Verdächtigen, einen Bosnier (26), wurde damals Haftbefehl erlassen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nun beginnt am Landgericht Traunstein vor der 5. Strafkammer der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Mann wegen versuchten Mordes in zehn Fällen in Tateinheit mit Versuch der Brandstiftung mit Todesfolge. Das Gericht hat dafür vier Verhandlungstage anberaumt:

8. Januar, 9 Uhr
14. Januar, 9 Uhr
24. Januar, 9 Uhr
25. Januar, 9 Uhr

Durch die alarmierten regionalen Feuerwehren konnte der Brand damals relativ rasch unter Kontrolle gebracht werden. Das Gebäude, in welchem 35 Personen wohnhaft waren, war komplett verraucht und konnte nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, teilte die Polizei mit. Fünf Personen mussten mit Verdacht auf Rauchgasintoxikation ins Krankenhaus gebracht werden.

Nachdem die Ermittler zahlreiche Zeugen vernommen und diverse Spuren ausgewertet haben, musste von vorsätzlicher schwerer Brandstiftung ausgegangen werden, teilte die Polizei mit. Der Tatverdacht erhärtete sich im Zuge dieser Ermittlungen gegen den angeklagten 26-jährigen Bosnier, der ebenfalls kurze Zeit in dem Mehrfamilienhaus gewohnt hatte und sich am Tag nach dem Brand offenbar in seine Heimat absetzen wollte.

Der Gebäudeschaden beträgt etwa 45.000 Euro.

Quelle: chiemgau24.de

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