Prozess in Traunstein nach Vergewaltigung in Altötting

Geschädigte: „Ich habe das gemacht, was er von mir verlangt hat, weil ich Angst hatte“

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Am Landgericht Traunstein muss sich ein Altöttinger wegen schwerer Vergewaltigung verantworten.
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Altötting/Traunstein - Ein 26-Jähriger aus Altötting soll eine Frau im April 2019 brutal vergewaltigt haben. Deswegen muss sich der Mann seit dem Vormittag am Landgericht Traunstein verantworten.

UPDATE, 16.39 Uhr - Geschädigte spricht über die Tatnacht

Nun äußert sich die Geschädigte unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Vorfall: Kennengelernt hätten sich beide in einer Supermarktfiliale, in der die Geschädigte gearbeitet hat. Der Angeklagte wäre jeden Tag zum Einkaufen gekommen und sie hätte ihn von Anfang interessant gefunden. Nach dem ersten Treffen kam es auch zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr.

Einen Tag später, am 16. April, sollen sich beide erneut getroffen haben. Jedoch habe die Geschädigte nicht allzu lange bleiben wollen und auch nicht die Absicht gehabt,  Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten zu haben, was sie dem diesem im Vorfeld kommuniziert habe. Dennoch kam es erneut zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit leichten Schlägen und Würgen, so die Geschädigte.

Gegen 1.00 Uhr morgens am 17. April wollte die Geschädigte nach Hause, da sie am nächsten Tag Frühdienst gehabt hätte. Doch der Angeklagte habe sie nicht gehen lassen. Die Geschädigte habe das Gefühl verspürt, der 26-Jährige wäre sauer gewesen, keinen Samenerguss gehabt zu haben. „Ich wurde immer zu Boden geschubst, als ich aufstehen wollte“, erzählt die Geschädigte. Später habe der 26-Jährige die Tür abgeschlossen und den Schlüssel abgezogen.

Danach folgten laut der Geschädigten Schritte und Tritte gegen sie. Auch Morddrohungen, Würgen mit den Händen und Ledergürtel sowie Ritze am Unterarm habe sie über sich ergehen lassen müssen. „Ich dachte, es ist vorbei“, so die Geschädigte über ihre Gedanken während der Nacht. Teilweise sei ihr beim Würgen schwarz vor Augen geworden und sie wäre auch mal ohnmächtig geworden. Trotz mehrmaliger Aufforderungen, habe der 26-Jährige nicht aufgehört. Als sie um Hilfe schreien wollte, habe der Angeklagte ihr ein Kleidungsstück in den Mund gesteckt.

Nach 1.00 Uhr folgten laut der Geschädigten schätzungsweise zwei bis drei Mal Geschlechtsverkehr. „Ich habe das gemacht, was er von mir verlangt hat, weil ich Angst hatte“, erzählt die Geschädigte. Erst gegen 10.00 Uhr morgens lies der Angeklagte von der Geschädigten los.

Der erste Prozesstag ist damit beendet. Die Fortsetzungen sind für den 5. und 8. November vorgesehen.

UPDATE, 13.22 Uhr - Polizisten äußern sich 

Nun kommen einige beteiligte Polizisten zu Wort. Demnach habe der Angeklagte bei der Vernehmung alle Vorwürfe eingeräumt mit dem Hinweis, die Geschädigte wäre damit einverstanden gewesen. Laut einem Polizisten, hätte der 26-Jährige nie das Gefühl vermittelt, etwas falsch gemacht zu haben. Für den Beamten habe die Geschädigte „großes Glück gehabt“, dass nicht mehr passiert sei.

Die Geschädigte machte bei der Vernehmung einen klaren und normalen Eindruck. Das sei für den Beamten allerdings nicht ungewöhnlich. Er sei schon öfter überrascht gewesen, wie Frauen solche Situation verarbeiten. Die Geschädigte hat von einer klaren Trennung berichtet, was gewollt und nicht gewollt war.

Ein weiterer Polizist berichtet von der Festnahme, als der Angeklagte ihm gegenüber erzählt haben soll, dass er so etwas noch nie erlebt hätte. Die Geschädigte hätte dem Angeklagten nonverbal zu verstehen gegeben, dass sie mit allem einverstanden sei.

Nach der Mittagspause kommt die Geschädigte zu Wort.

UPDATE, 11.30 Uhr - Angeklagter äußert sich zur Sache

Der Angeklagte äußert sich zu seiner Person und zur Sache: Seine Eltern hätten sich getrennt, als er drei Jahre alt war. Mit sieben Jahren kam er in ein Heim, weil seine Mutter seiner Meinung nach depressiv und mit der Situation überfordert gewesen sein soll. Die Schule und eine Berufsausbildung habe er abgebrochen.

Er leide an ADHS, daher hatte er immer Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Insgesamt sei seine Kindheit sehr schwierig gewesen. "Ich hatte immer große Probleme, auch mit Drogen. Ich will auf jeden Fall eine Therapie machen, egal wie das Urteil ausfällt", so der Angeklagte. Seit acht Jahren befinde er sich nur auf der Straße, in Therapie oder in Haft. Er habe verlernt, in der Welt klar zu kommen.

Die Anklageschrift sieht er als übertrieben an. Bereits einen Tag vor der angeblichen Tat hätte er die Nacht mit der Geschädigten verbracht. "Ich bin unschuldig, sie wollte geschlagen werden. Das war ein bisschen wie in Fifty Shades of Grey", so der 26-Jährige. Vielleicht sei er manchmal über das Ziel hinausgeschossen, aber sie hätte nichts dagegen gesagt.

Fast alle Beschreibungen aus der Anklageschrift konnte der Altöttinger bestätigen. Die letzte sexuelle Handlung wäre allerdings gegen 1 Uhr morgens erfolgt, danach hätte nur noch Sado-Maso stattgefunden. Die Türe habe er von Anfang an zugesperrt, da sich die Türe sonst immer von alleine öffnen würde. Der Schlüssel habe laut dem Angeklagten aber immer gesteckt.

Als Nächstes folgen die ersten Zeugenaussagen.

UPDATE, 9.45 Uhr - Staatsanwalt verliest die Anklageschrift

Die Staatsanwältin verliest die Anklageschrift: Demnach soll sich der Angeklagte Christopher B. am 16. April mit der Geschädigten verabredet und in seiner Wohnung einvernehmlich Geschlechtsverkehr ohne Kondom gehabt haben. Dabei war die Geschädigte mit leichten Schlägen und Würgen einverstanden. Doch als sich die Geschädigte am 17. April gegen 1 Uhr auf dem Heimweg machen wollte, sei ihr vom 26-Jährigen der Weg versperrt worden.

Der Altöttinger habe die Wohnung abgesperrt und den Schlüssel abgezogen, ehe er sie auf das Bett zog. Dort habe er ihr mit der flachen Hand und der Faust auf dem ganzen Körper Schläge verpasst. Trotz mehrmaliger und lauter Aufforderung der Geschädigten, damit aufzuhören, habe der Angeklagte weitergemacht. Zudem habe der 26-Jährige ihr das Handy abgenommen, um zu verhindern, dass die Geschädigte nach Hilfe rufen kann.

Im Anschluss habe der Angeklagte die Geschädigte teilweise so stark gewürgt, dass diese Todesangst bekommen hat. Um den Effekt zu verstärken, habe er einen Ledergürtel um ihren Hals gewickelt und so stark zugezogen, dass der Geschädigten schwarz vor Augen und fast ohnmächtig wurde. Jegliche Bitte, damit aufzuhören, wären vom Angeklagten ignoriert worden. Als die Geschädigte um Hilfe schreien wollte, habe der Altöttinger dies sofort unterbunden, indem er ihr ein Stofftuch in den Mund steckte.

Sogar Morddrohungen soll der Altöttinger ihr gegenüber ausgesprochen haben. Zudem habe der Angeklagte der Geschädigten in der Folge mit einem Klappmesser gedroht, sie abzustechen. Mit diesem habe der Angeschuldigte der Geschädigten auch Ritze im Unterarm verpasst. Jeder Versuch die Wohnung zu verlassen, soll der 26-Jährige mit Schlägen oder Würgen an der Geschädigten unterbunden haben.

Des Weiteren soll der Angeklagte der Geschädigten gedroht haben, ihr kochendes Wasser überzugießen, das er sich für Instant-Nudeln warm gemacht hatte.

Vorbericht:

Am 17. April 2019 soll ein nun 26-jähriger Altöttinger um kurz nach Mitternacht eine Frau in seiner Wohnung festgehalten und vergewaltigt haben. Zuvor hätten beide einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt, wobei die Geschädigte auch mit leichtem Würgen und sanften Schlägen einverstanden war. 

Doch als die Geschädigte die Wohnung des Altöttingers verlassen wollte, habe er sie festgehalten und anschließend misshandelt, gefesselt und vergewaltigt. Dabei habe der Angeklagte auch Morddrohungen ausgesprochen. Am Morgen habe er von ihr losgelassen und sie zur Arbeit begleitet. Dort wurden sie von zwei Beamten der Polizeiinspektion Altötting angetroffen. Der Tatverdächtige sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage gegen den 26-Jährigen wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit Geiselnahme, schwerer Körperverletzung, Bedrohung sowie Freiheitsberaubung

Das Gericht setzt für den Prozess drei Verhandlungstage an. Prozessauftakt ist am Donnerstag, 24. Oktober, 9.00 Uhr. Die Fortsetzungen sind aktuell für den 5. und 8. November vorgesehen.

jz

Quelle: chiemgau24.de

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