Schwere Vorwürfe gegen 26-jährigen Altöttinger

Prozess wegen Vergewaltigung: Das Urteil

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Am Landgericht Traunstein muss sich ein Altöttinger wegen schwerer Vergewaltigung verantworten.
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Altötting/Traunstein - Ein 26-Jähriger aus Altötting soll eine Frau im April 2019 vergewaltigt haben. Deshalb muss sich der Mann am Landgericht Traunstein verantworten. Heute ist der zweite von drei angesetzten Prozesstagen.

Update, 16.57 Uhr: Richter: Angeklagter schuldig gesprochen

Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil: Der Angeklagte ist schuldig wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsberaubung und wird zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Zur Begründung: Der 26-jährige Altöttinger habe erkannt, dass die Geschädigte keine Lust mehr gehabt hatte. Allerdings seien viele Handlungen nicht mehr mit sexuellen Handlungen verbunden gewesen, sondern er hat die Geschädigte stundenlang verletzt und gedemütigt.

Das Gericht glaubt der Zeugin, auch wenn die Geschehnisse nicht detailreich erzählt waren und führt dies darauf zurück, dass sie damit bereits abgeschlossen hat. Psychische Folgeschäden wären laut Aussage der Geschädigten nicht mehr vorhanden.

Ihm war bewusst, was er macht. Er habe selbst angegeben, er sei über das Ziel hinausgeschossen. Die Steuerungsfähigkeit sei möglicherweise in Kombination mit seiner Persönlichkeitsstörung und seines Drogenkonsums eingeschränkt gewesen, was zu einer Minderung der Strafe führt. Auch seine Bereitschaft zu einer Therapie und die dosierte Anwendung seiner Gewalthandlungen seinen weitere Punkte, die hier zu nennen sind. Des Weiteren ist der Angeklagte in einer Erziehungsanstalt unterzubringen, wo er sich einer 18-monatigen Therapie unterziehen muss.

Update, 15.45 Uhr: Staatsanwaltschaft und Verteidiger halten ihre Plädoyers

Für die Staatsanwältin steht fest, dass der Angeklagte die Geschädigte gegen ihren Willen festgehalten, sie misshandelt und vergewaltigt hat. „Sie will nach Hause, wollte aufstehen – all das sind Anzeichen für ein klares Nein“, so die Staatsanwältin. Diese Situation habe der 26-Jährige erkannt.

Die Geschädigte habe Angst gehabt, hätte sich nicht bewegen dürfen. Der Angeklagte habe so eine demütigende Lage geschaffen. Sie war ihm schutzlos ausgeliefert und ihr wurde das Handy weggenommen. Die Eckdaten der Erzählungen der Geschädigten seien glaubhaft, auch wenn sie vielleicht nicht mehr in der Lage war, detailliert über die Geschehnisse zu sprechen. Daher sehe die Staatsanwaltschaft die Tat als nachgewiesen und den Angeklagten schuldig wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit der Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Aufgrund der Vorstrafen, der offenen Bewährung, keinerlei Entschuldigung für seine Misshandlungen und sein unangebrachtes Verhalten (Mimik und Gestik) während der Verhandlung hält die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten für angemessen.

Der Verteidiger stimmt vielen Ausführungen seiner Vorrednerin zu, sieht allerdings die Vergewaltigung als nicht nachgewiesen. Man habe zwei unterschiedliche Versionen gehört. Die Geschädigte habe sich nur verbal geäußert und sonst keinerlei Abwehrverhalten an den Tag gelegt. Die sexuellen Handlungen seien demnach nicht nachgewiesen.

Sein Mandant habe die Aussagen falsch interpretiert und sei über das Ziel hinausgeschossen. Daher plädiert der Verteidiger für eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Das letzte Wort hat der Angeklagte selbst: "Das war keine Vergewaltigung. Die ganze Geschichte war mir eine Lehre. Die Drogen sind das Problem".

Die Richter ziehen sich zur Beratung zurück und verkünden in Kürze das Urteil.

Update, 14.45 Uhr:  Psychologisches Gutachten: Angeklagter mit kombinierter Persönlichkeitsstörung

Der Richter Erich Fuchs verliest die Vorstrafen des Angeklagten. Der 26-Jährige wurde bereits mehrfach u.a. wegen Diebstahl, Sachbeschädigung und Beleidigung verurteilt.

Nun spricht der psychologische Gutachter: Der Angeklagte habe schon früh Suchtprobleme. Mit 13 Jahren habe er mit dem Rauchen angefangen, im weiteren Lebensverlauf zudem alle Drogen ausprobiert. Zuletzt habe er nach eigener Aussage nur noch sogenannte Badesalze zu sich genommen.

Es lässt sich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität beim 26-Jährigen diagnostizieren. Diese sei tief verwurzelt und führe zu einem impulsiven Verhalten. Dabei würde er oft nicht über die Konsequenzen einer Tat nachdenken. Hinzu würde es ihm laut dem Gutachter an Empathie für andere Menschen mangeln.

Diese Störung sei allerdings noch nicht so stark ausgeprägt, dass diese für eine Schuldunfähigkeit ausreichen könnte. Allerdings könnte ein zusätzlicher Drogenkonsum Auswirkungen auf seine Steuerungsfähigkeit haben. Zudem würde sogenannte Badesalze zu einer Luststeigerung führen.

Aus psychiatrischer Sicht ist es durchaus möglich, dass der Angeklagte die Aufforderung aufzuhören, falsch interpretiert hat.

Der 26-Jährige selbst habe sein Suchtproblem erkannt und wäre motiviert für eine Therapie. Medizinische Voraussetzungen dafür wären gegeben. Unter Drogenkonsum seien solche Taten immer möglich. Der Gutachter würde eine Therapiezeit von 18 - 24 Monate für notwendig halten.

Es folgen die Plädoyers.

Update, 13.10 Uhr: Gutachter: „Angeklagter hat dies nicht zum ersten Mal gemacht“

Nun berichtet ein Rechtsmediziner von seinem Gutachten: Demnach könne er den Erzählungen der Geschädigten und des Angeklagten folgen. Es wurden Verletzungen durch stumpfe Gewalt zugefügt, gewürgt und geritzt. Einige Hämatome könnten zudem durch festes Halten oder Schläge entstanden sein.

Die Ritzverletzungen seien seiner Meinung nach mit einem stumpfen Gegenstand durchgeführt worden. Aufgrund der Befunde gehe der Rechtsmediziner davon aus, dass zu keiner Zeit eine akute Lebensgefahr bestand. Der Angeklagte müsste mit dem Würgen sehr vertraut sein, da er bei mehrfachen Ausführen mit Bewusstseinsverlust der Geschädigten doch relativ ruhig geblieben sei. Er glaube daher nicht, dass er dies zum ersten Mal gemacht hat.

Es sei zudem wahrscheinlich, dass die Befunde nach 1 Uhr morgens passiert seien. Aus dem Treffen am Vorabend hätte der Gutachter nur ein Würgemal eindeutig zuordnen können.

Die Geschädigte zeigte bei der Untersuchung gut 32 Stunden nach der Tat keinerlei Emotionen. Sie sei laut dem Rechtsmediziner bei klarem Bewusstsein gewesen und hätte die Geschehnisse erzählt. 

Nach einer kurzen Mittagspause folgt ein weiteres Gutachten, ehe die Plädoyers vorgetragen werden.

Update, 12:05 Uhr: Geschädigte zeigte kaum eine Veränderung nach der Tat

Nun kommen zwei ehemalige Arbeitskollegen der Geschädigten zu Wort: Die Geschädigte wäre immer zuverlässig und pünktlich gewesen. Selbst nach der Kündigung habe sie ihre Arbeit bis zum Ende durchgezogen. Daher hätte sich der Arbeitgeber durchaus Sorgen gemacht, als die Geschädigte nicht zur Arbeit erschienen sei.

Direkt nach der Nacht hätte die Geschädigte einen aufgelösten Eindruck gemacht und hätte auch geweint. Doch bereits am nächsten Tag sei sie wieder in der Arbeit erschienen und es seien kaum Veränderungen an ihrem Verhalten erkennbar gewesen. „Manchmal war sie in sich gekehrt“, berichtet eine Kollegin. Sie sei manchmal zu gutmütig, könne nicht Nein sagen.

Zu einem späteren Zeitpunkt wäre ein deutlicher Gewichtsverlust erkennbar gewesen. Ob dies jedoch mit den Geschehnissen im Zusammenhang steht, könnten beide nicht beantworten. Vielmehr hätte die Geschädigte auch andere Probleme.

Die Beweisaufnahme ist damit beendet. Nun folgen die Gutachten.

Update, 11.15 Uhr: Weitere Ermittlungen der Polizei

Nun äußert sich ein Polizist, der für die Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen seit dem Prozessauftakt getätigt hat. Demnach habe er die Tür des Zimmers des Angeklagten nochmal untersucht.

Dabei wurde festgestellt, dass die Tür nicht von alleine aufspringt, wie es  der Angeklagte Christopher Bbehauptet hatte. Diese Tatsache sei laut dem Angeklagten Grund gewesen, warum er während der Tatnacht die Türe von innen abgesperrt habe. Dem Vermieter wäre dieser Mangel auch nicht bekannt gewesen. Es wurden seit der Tat keine Reparaturen vorgenommen.

Des Weiteren habe der Polizist mit der ehemaligen Freundin des Angeklagten gesprochen. Diese sagte über den 26-Jährigen, dass er grundsätzlich ein guter Mensch sei, aber er würde sich schnell in Sachen hineinsteigern, wenn er sich im Recht fühlen würde.

Sie habe schnell gemerkt, dass ein Zusammenwohnen mit ihm nicht möglich war. Geschlagen habe der Angeklagte sie demnach aber nicht. Dennoch kam es zur Sprache, ob er sie während des Geschlechtsverkehr schlagen dürfe. Seine Ex-Freundin könne sich gut vorstellen, dass der Angeklagte die vorgeworfene Tat als Spiel empfunden und sich weiter hineingesteigert habe.

Ein weiterer Polizist, der bei der Festnahme mit dem Angeklagten in Kontakt gekommen ist, bestätigte eine Aussage des 26-Jährigen. „Habe sie in alle Löcher gefickt und sie wollte es so“, habe Christopher B. gegenüber mehreren Polizisten geäußert.

Die nächsten Zeugen sind ehemalige Arbeitskollegen der Geschädigten.

Update, 10.06 Uhr: 

Die erste Zeugin hat ausgesagt: Sie sei als Krankenschwester in der Justizvollzugsanstalt mit dem Angeklagten während einer Untersuchung in Berührung gekommen. Dort habe der 26-Jährige sich selbst als Narzisst und Sadist bezeichnet.

Bei einer Medikamentenübergabe einige Tage später in einer Einzelzelle habe der Angeklagte ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt und versucht, die Krankenschwester mit einem Schlag gegen die Zellentür zu erschrecken. In seiner Zelle sei dieser zudem nackt herumgelaufen und hätte gegenüber der Zeugin obszöne Ausdrücke geäußert: „Du willst doch auch gefesselt werden“ und „Schau mich und meinen geilen Schwanz an“ waren laut der Zeugin nur zwei Beispiele.

Dem Angeklagten sei es laut der Zeugin durchaus bewusst gewesen, was er in diesem Moment gemacht hat. Ein Drogenentzug habe der Arzt vor Ort ausgeschlossen. Zudem habe er sie mit den Augen fixiert und ihre Kollegin komplett ignoriert.

Als nächstes folgen weitere Zeugenaussagen einiger Polizisten, die unter anderem auch Nachermittlungen für die Staatsanwaltschaft getätigt haben.

Vorbericht: Zweiter Prozesstag wegen schwerer Vergewaltigung 

Am 17. April 2019 soll ein nun 26-jähriger Altöttinger um kurz nach Mitternacht eine Frau in seiner Wohnung festgehalten und vergewaltigt haben. Zuvor hätten beide einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt, wobei die Geschädigte auch mit leichtem Würgen und sanften Schlägen einverstanden war. Doch als die Geschädigte die Wohnung des Altöttingers verlassen wollte, habe er sie festgehalten und anschließend misshandelt und vergewaltigt. Dabei habe der Angeklagte auch Morddrohungen ausgesprochen. Am Morgen habe er von ihr losgelassen und sie zur Arbeit begleitet. Dort wurden sie von zwei Beamten der Polizeiinspektion Altötting angetroffen. Der Tatverdächtige sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Am ersten Prozesstag am 24. Oktober leugnete der Angeklagte die Tat: "Ich bin unschuldig, sie wollte geschlagen werden. Das war ein bisschen wie in Fifty Shades of Grey". Vielleicht sei er manchmal über das Ziel hinausgeschossen, aber sie hätte nichts dagegen gesagt. Auch die Geschädigte sagte am Prozessauftakt aus.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage gegen den 26-Jährigen wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit Geiselnahme, schwerer Körperverletzung, Bedrohung sowie Freiheitsberaubung.

Das Gericht setzte für den Prozess drei Verhandlungstage an. Prozessauftakt war am Donnerstag, den 24. Oktober. Die Fortsetzungen sind für den 5. und 8. November vorgesehen.

jz

Quelle: chiemgau24.de

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