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JU: Keine akute Gefahr für Gesundheitsversorgung

Traunstein - Die JU Traunstein und der Gesundheitspolitische Arbeitskreis der CSU organisierten eine gemeinsame Informationsveranstaltung zum Ärztemangel im Landkreis.

Die Landflucht ist eines der prägendsten Merkmale moderner Gesellschaften im 21. Jahrhundert. Sogar der Zukunftsrat der bayerischen Staatsregierung hat in seinem Bericht 2011 gefordert, dass gezielt Ballungszentren (auf Kosten des ländlichen Raums) gefördert werden sollen. Aus Sicht der JU würde auch die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen, wie dem Landkreis Traunstein, darunter leiden, wenn eine vollumfängliche Grundversorgung für alle Bürger könnte nicht mehr gewährleistet ist. Aus diesem Grund hat der Kreisverband der Jungen Union Traunstein vor einem Jahr einen Arbeitskreis „Ärztemangel“ gegründet, der sich mit geeigneten Gegenmaßnahmen beschäftigen soll. Nach einigen Treffen wurde nun in Kooperation mit dem Gesundheitspolitischen Arbeitskreis der CSU (GPA) eine Informationsveranstaltung organisiert.

Die Vorsitzende des GPA Traunstein, Dr. Christine Ahlheim, eröffnete die Diskussion, indem sie unter anderem darauf hinwies, dass nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in den nächsten Jahren mehr als 40.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen werden und das Thema daher für jedermann Relevanz besäße. Anschließend übergab sie das Wort an Robert Schneck von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), der eingeladen war, seinen Verband vorzustellen und die Ärzteversorgung in Bayern zu erörtern.

Seehofer wollte "Ärzteschwemme" steuern

Prägend für die heutige Situation sei die Entscheidung des damaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer (CSU) gewesen, im Jahr 1993 eine Bedarfsplanung aufzustellen, um eine flächendeckende Gesundheitsversorgung bundesweit zu gewährleisten und die drohende „Ärzteschwemme“ zu steuern. Nach einer kurzen Übergangsfrist sind seither in gewissen (überversorgten) Gebieten – zu denen auch der Landkreis Traunstein gehört – Praxisneugründungen nicht mehr möglich, nur die Übernahme vorhandener Praxen ist nach Gewinn einer Ausschreibung erlaubt. Problem sei jedoch, so Schneck, dass noch heute auf Basis der Zahlen von 1989 geplant werde, dies genüge jedoch nicht mehr aktuellen Gegebenheiten. Daher wurde eine neue Bedarfsplanung auf Basis jüngerer Zahlen initiiert, die zum kommenden Jahreswechsel in Kraft treten soll, jedoch noch nicht abschließend beraten ist.

Dr. Bernhard Kofler aus Rosenheim, der ehrenamtliche Gebietsvertreter für Südostoberbayern bei der KVB, wies anschließend auf weitere beeinflussende Entwicklungen im Gesundheitsbereich hin. So sei eine zunehmende Feminisierung der Branche mit allen Nebeneffekten wie schwangerschaftsbedingten Berufspausen erkennbar. Die mangelnde Attraktivität des Hauarztberufs mit der Pflicht zu Bereitschaftsdienst, potenziellen Regressforderungen der Krankenkassen oder der hohen bürokratischen Belastung führe dazu, dass man nach dem Studium eher eine Karriere in einer Klinik anstrebe als eine Praxis zu übernehmen. Dennoch sei derzeit eine Unterversorgung des Landkreises Traunstein nicht zu erwarten, obschon die Uhr auch für den Landkreis ticke. So gebe es einzelne Praxen in ländlichen Regionen, deren Inhaber in Ruhestand gehen wollten, aber keinen Nachfolger finden könnten.

Bedarfsplanung soll reformiert werden

Wichtig sei es daher, die Bedarfsplanung zu reformieren, da diese bislang nur die Verteilung der Ärzte auf der Makroebene – also zwischen den Landkreisen – regele. Nicht jedoch wird die Verteilung der Ärzte auf Mikroebene – innerhalb der Planungseinheit – reguliert, was dazu führt, dass sich zu viele Ärztezentren bilden, eine flächendeckende Versorgung in kleineren Gemeinden jedoch nicht mehr sichergestellt ist. Der zunehmende Kostendruck auch auf Hausärzte führe jedoch auch zu solchen Konzentrationsprozessen. „Das deutsche Gesundheitssystem ist ein sozialistisches Teilsystem in unserem Kapitalismus. Eine Umstellung auf vollständigen Wettbewerb könnte jedoch zu Unterversorgung führen und ist daher nicht wünschenswert“, so Kofler.

Diese These wurde im Anschluss noch diskutiert, da einige der Anwesenden der Auffassung waren, dass auch im Gesundheitsbereich ein funktionierender Markt bestehe, dessen Mechanismen auch in anderen Bereichen die Grundversorgung sichern würden.

Flächendeckende Versorgung nicht akut gefährdet

Darüber hinaus kam die Honorierung der Ärzte zur Sprache. Beklagt wurde insbesondere, dass die Hausarztverträge, die eine Niederlassung zeitweise deutlich attraktiver gemacht hatten, auf Betreiben der Kassen nicht mehr aktuell seien. In diesem Zusammenhang stellte die GPA-Vorsitzende Dr. Christine Ahlheim die Frage in den Raum, warum die KV nicht dafür sorge, dass die Einkommensunterschiede zwischen beispielsweise Orthopäden und Hausärzten weniger groß seien und damit eine Niederlassung als Hausarzt auch finanziell interessanter werde.

Der Leiter des Arbeitskreises „Ärztemangel“ der Jungen Union, Christopher Waldner, fasste abschließend zusammen: „Derzeit besteht somit keine akute Gefahr für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung im Landkreis, aber eine vorausschauende Politik muss solches Gefahrenpotenzial frühzeitig erkennen. Besonders strukturelle Probleme und die generelle Attraktivität des Hausarztberufs müssen verbessert werden.“

Pressemitteilung Junge Union Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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