Immer gegen Vergessen kämpfen

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Oberstleutnant a.D. Erwin Wuttke vom Kreisverbindungskommando hielt die Gedenkrede auf dem "Hohen Kreuz", die er später wegen eines Schwächeanfalls abbrechen musste.

Traunstein - Mit einer Gedenkfeier und Kranzniederlegungen wurde der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke erklärte bei der Veranstaltung des VdK-Ortsverbands am Kriegerdenkmal im Stadtpark: "Wir brauchen Momente und Orte des Gedenkens wie diese gegen das Verdrängen und Vergessen."

"Dass es kein wertvolleres Gut auf der Welt gibt, als das Leben an sich, verschwindet bisweilen aus unserem Bewusstsein", sagte Kösterke, der den Blick tiefer in die Vergangenheit richtete: in die Zeit, als der französische Kaiser Napoleon vor 200 Jahren in Russland einmarschierte. Der Feldzug habe in einer der größten militärischen und humanen Katastrophen der Geschichte geendet. Auf dem Gelände des damaligen Friedhofs und heutigen Stadtparks wurde 1837 ein Obelisk errichtet. "Seit 175 Jahren ist er Mahnung zum Frieden und Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen", erklärte der OB.

Frieden und Verständigung seien in vielen Regionen der Welt auch heute nicht erreicht, nicht gesichert und schon gar nicht selbstverständlich. "Mit dem Volkstrauertag setzen wir jedes Jahr auf die Kraft der Erinnerung und kämpfen gegen das Verdrängen und Vergessen, bis unsere Botschaft überall angekommen ist."

Auch der VdK-Ortsvorsitzende Jürgen Pieperhoff erinnerte an die Aufstellung des Obelisken, den der frühere Stadtpfarrer Franz Mooslechner mit einem Zeigefinger, der zum Frieden mahne, verglichen habe. "Krieg, egal wo er auf der Welt stattfindet, darf niemals zum Alltag werden, das sind wir den Millionen Toten beider Weltkriege schuldig."

Beim ökumenischen Gottesdienst verwies Prädikant Volker Steiner auf die Geschichte von Sisiphos, der immer wieder einen Stein einen Berg hinauf rollen musste. "Gebt niemals auf, wenn es um den Frieden geht", sagte Steiner.

Angesichts von Not, unmenschlichem Leid, Trauer und Tod sowie Wissen um Ungerechtigkeiten könne es nur die Kraft der Hoffnung sein, die uns leben und weitergehen lassen, unterstrich Pastoralreferentin Edith Heindl.

Am Vorabend des Volkstrauertags fanden traditionell die Gedenkfeiern der Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr in der Kriegsgräberstätte "Hohes Kreuz" und der Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach am Kriegerdenkmal in Haslach statt. Auf dem "Hohen Kreuz" erklärte Oberstleutnant a. D. Erwin Wuttke vom Kreisverbindungskommando, dieser Staat brauche Menschen, die ihn vertreten und sichtbar werden lassen. "Das Wichtigste sind die Menschen, die hier und heute, aber auch anderswo für die Werte einstehen, die die Symbole des Staates ausdrücken", so Wuttke. Der Redner musste seine weiteren Ausführungen dann wegen eines Schwächeanfalls abbrechen.

Kösterke zitierte die aktuellen Schlagzeilen wie "Bundeswehr steht vor Patriot-Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze" und "Israel zerbombt Hamas-Zentrale. Bodenoffensive im Gazastreifen steht unmittelbar bevor". Die mache die Bedeutung des Volkstrauertags und die Bemühung um Frieden besonders deutlich.

Militärpfarrerin Claudia Konoppa machte das Leid, das die Nationalsozialisten über Europa gebracht haben, aber auch deren Scheitern daran fest, dass es sich um ein gottloses Regime gehandelt habe. Nicht umsonst sei nach dem Krieg der Bezug zu Gott in das Grundgesetz aufgenommen worden. Sie warnte jedoch davor, dass sich unsere Gesellschaft von Gott entferne.

Nach dem gut besuchten Abendgottesdienst mit Pfarrer Rupert Berger zog in Haslach die Glaubensgemeinschaft mit vielen Fahnenabordnungen an das Kriegerdenkmal. Dort hielt Pfarrer Berger ein kurzes Gedenken. "Dieses Gedenken soll uns immer wieder vor allem auch zum notwendigen Nachdenken für unsere Zukunft anregen", erklärte Zweiter Bürgermeister Hans Zillner. Deutschland könne auf eine fast 70-jährige friedliche Zeit zurückschauen, aber die Menschen neigten dazu, in friedlichen Zeiten Unangenehmes zu verdrängen und zu vergessen, wie wichtig der Friede ist.

Leider gebe es immer wieder machtbesessene Politiker und Fanatiker, die keinen anderen Ausweg sähen, als durch Kriege ihre Meinungen und Absichten durchzusetzen. Dabei müsste die Vergangenheit gelehrt haben, dass Kriege nur Verlierer hinterließen.

"Wir stehen hier im Gedenken an die vielen Einzelnen, die um ihr Leben betrogen wurden und schmerzhafte Lücken hinterließen. Arbeiten wir weiter daran, dass vielleicht irgendwann einmal aus dem Volkstrauertag ein Volksfriedenstag wird. Und seien wir dem Herrgott für die vielen Jahrzehnte des Friedens dankbar", sagte Zillner. Im Anschluss an seine Ausführungen wurden Kränze niedergelegt.

bjr/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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