Starker Zuzug von Osteuropa nach Traunreut

Experte warnt: Baut bloß nicht noch mehr Sozialwohnungen

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Traunreut liegt bei den Miet- und Kaufpreisen inzwischen im Landkreis-Durchschnitt. Für einen Quadratmeter kalt zur Miete zahlt man aktuell 8,70 Euro. Noch deutlicher als die Mieten sind aber die Kaufpreise gestiegen. 
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Traunreut - Wie entwickelt sich die Stadt weiter? Wer zieht her? Wie stark steigen die Mietpreise und welche Wohnungen werden gebraucht? Ein Experte lieferte nun die Antworten. 

Es war ein interessanter Einblick in die Bevölkerungsstruktur und in den Wohnungsmarkt von Traunreut - und Herbert Tekles vom Institut "Demosplan" sparte auch nicht mit klaren Empfehlungen für die Stadtpolitik. Seine Analyse stellte Tekles am Donnerstag dem Hauptausschuss vor.

Traunreut habe ohnehin schon zu viele Sozialwohnungen

Eine zentrale Aussage von Tekles: "Es sollten nicht noch mehr Sozialwohnungen gebaut werden. Der Bedarf ist in Traunreut längst übererfüllt." 768 Bedürftige gebe es in der Stadt, die auf eine Sozialwohnung angewiesen seien, doch der Bestand sei mit rund 1100 Sozialwohnungen viel höher. Es war in den vergangenen Jahren immer wieder ein Streitpunkt im Stadtrat, ob in Traunreut eher gehobenere Wohnungen oder Sozialwohnungen gebaut werden sollen. 

"Die Gefahr ist", warnte Herbert Tekles, "dass andere Kommunen im Landkreis sich herausreden könnten, keine Sozialwohnungen zu bauen, weil es dafür ja eh Traunreut gebe". Außerdem könne ein zu hoher Bestand an Sozialwohnungen wie ein Magnet auf ärmere Bevölkerungsschichten wirken. Der Landkreis, dessen Aufgabe die Belegung von Sozialwohnungen ist, hat die Zahl solcher Wohnungen in Traunreut aber ohnehin schon gesenkt: Vor fünf Jahren waren es noch 200 mehr.

Herbert Tekles analysierte für den Stadtrat die Lage in Traunreut. (Archivbild)

Preise am Traunreuter Wohnungsmarkt gehen deutlich nach oben

Die Stadt mag vor mehreren Jahren noch eher günstig gewesen sein, inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Die Preise auf dem Traunreuter Wohnungsmarkt sind inzwischen im Landkreis-Durchschnitt. 8,70 Euro kostet ein Quadratmeter kalt zur Miete heute im Schnitt, 2015 waren es noch gut sieben Euro. Noch viel deutlicher gehen die Kaufpreise hinauf: von 1900 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2015 auf 2700 Euro pro Quadratmeter jetzt. Die teuersten Mieten im Landkreis gibt es in Traunstein, am günstigsten ist es in Trostberg.

Die Einwohnerzahl Traunreuts ist in den vorigen Jahren nur ganz leicht gestiegen, auf aktuell 21.347 Menschen. Trotzdem werden nach Tekles' Schätzungen in den kommenden fünf Jahren rund 1000 neue Wohnungen in Traunreut gebraucht - denn vor allem aus Osteuropa gibt es anhaltend starken Zuzug nach Traunreut: Lebten vor vier Jahren noch gut 1500 zugezogene Menschen aus den östlichen EU-Ländern in der Stadt, sind es aktuell schon fast 2200.

Traunreuter Industrie muss in nächsten Jahren 1000 Stellen neu besetzen

 "Ohne diesen Zuzug wäre die Einwohnerzahl Traunreuts schon längst gesunken", so Experte Tekles im Stadtrat. Jeder Zweite der Neu-Traunreuter aus Osteuropa ist Rumäne, jeder Vierte Kroate. Einen starken Zuzug aus Osteuropa hat Tekles aber auch schon für Nachbarstädte wie Laufen oder Tittmoning festgestellt. Die Industrie ist aber ohnehin auf neue Arbeitskräfte angewiesen, denn in den kommenden Jahren werden wohl 1000 Arbeitsplätze in Traunreut wegen Renteneintritten frei

Wäre es also sinnvoll, eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zu gründen? Die Bürgerliste will dies mit einem Antrag zumindest prüfen, es gäbe eine "Wohnungsnot in der Kernstadt und den größeren Ortsteilen", heißt es darin. Der Hauptausschuss lehnte den Antrag am Donnerstag mit 7:4 Stimmen ab, entscheiden wird der Stadtrat kommende Woche. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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