Oft als "Geisterzug" verschmäht

Der Traunreuter Zug: Lohnt es sich, diese Linie auszubauen? 

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Traunreut - Die Bahnverbindung von Traunreut nach Traunstein ist verrufen, genutzt wird sie wenig: Ein Grund also, das Zugangebot noch mehr auszuweiten, um die Menschen zum Einsteigen zu bewegen?

Muss das Zugangebot rund um Traunreut weiter ausgebaut werden? "Ich befürchte, dass wir langfristig abgehängt werden und unser Gleis schon in zehn Jahren verlieren könnten", meint Bürgermeister Klaus Ritter. Die Orte entlang der Zugstrecke Mühldorf-Traunstein fordern deshalb von ihren Landkreisen jetzt, sich langfristig für einen Stundentakt an sieben Tagen in der Woche einzusetzen. Auch der Traunreuter Stadtrat stimmte am Donnerstag zu - doch neben 21 Pro-Stimmen setzte es auch neun Mal ein "Nein" aus den Reihen von CSU und Bürgerliste. 

Gorzel: "Diesselloks verpesten Luft und sorgen für lange Staus"

Wie schaut es aktuell aus? Nach Traunstein gibt es bereits einen Stundentakt der Bahn, nach Norden in Richtung Trostberg und Mühldorf sind es dagegen wenige unregelmäßige Fahrten. Matthias Krause von der Südostbayernbahn argumentiert: Wenn das Angebot ausgeweitet wird, wird auch die Nachfrage anziehen. Aber bei der Diskussion des Traunreuter Stadtrates konnte man zum Teil das Gefühl bekommen, dass das gar nicht gewünscht sei.

"Die alten Dieselloks, die unsere Luft verpesten und dann die langen Wartezeiten an den Schranken, da ist der Zug eher eine Behinderung als ein Nutzen", meinte Roger Gorzel und Bernhard Seitlinger legte nach: "Lange Staus in Matzing und vor allem in St. Georgen - und jetzt will uns die Bahn noch mehr Züge herschicken?" Auch Reinhold Schroll meinte, dass die Bahn schon zu Beginn der Zugverbindung nach Traunstein viel höhere Fahrgastzahlen versprochen habe. In Traunstein wurde vor knapp zwei Jahren gar gefordert, die Bahnlinie einfach "einzustampfen".

Gleis auch für die Industrie wichtig

Gerade Mal zehn Fahrgäste steigen im Schnitt in Traunreut in den Zug Richtung Traunstein. Der Zug wird von noch weniger Menschen genutzt, als zwischen Traunstein und Waging - und zwischen Traunstein und Ruhpolding fahren fast dreimal so viele Fahrgäste wie nach Traunreut. "Das Gleis darf allein für die Industrie nicht stillgelegt werden, das spart uns 9000 Lkw-Fahrten in Traunreut ein", argumentierte dagegen Herbert Kusstatscher. 

Die Südostbayernbahn schlägt im ersten Schritt einen durchgehenden Zwei-Stunden-Takt zwischen Traunstein und Mühldorf vor - auch an den Wochenende - und besser abgestimmte Fahrpläne zwischen Bus und Bahn. Bestimmen wird aber nicht die Südostbayernbahn selbst, sondern die Bayerische Eisenbahngesellschaft. Wenn die Walpertskirchener Spange im Landkreis Erding fertiggestellt sei, würde die ganze Region mit der Bahn um bis zu eine Stunde näher an den Münchner Flughafen rücken: "Wenn wir jetzt die Strecke stilllegen, müssten wir sie spätestens dann wieder aufmachen", so Krause. 

Die Bahn präsentierte im Stadtrat auch einen kühnen Plan, wie Traunreut langfristig besser angebunden werden könnte: mit einem neuen Gleis von Matzing über Traunwalchen. Mehr dazu in einem weiteren Artikel am Montag.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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