Teufelskreis Schmerz: Was kann ich tun?

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Es war eine engagierte Diskussion im „k1“ in Traunreut zum Thema Schmerz.

Traunreut - Fast acht Millionen Menschen leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Doch was können Schmerzpatienten tun, um dem Teufelskreis des Schmerzes zu entfliehen?

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, zieht sich oft zurück. Wieder am Leben teilzunehmen ist ein wichtiger erster Schritt. Diesen Schritt zurück in den aktiven Alltag machten am Mittwoch, 26. März, die rund 100 Besucher der Podiumsdiskussion „Wege aus dem chronischen Schmerz“ in Traunreut im „k1“.

Die Selbsthilfegruppe „Schmerzpunkt Traunstein“ informierte mit Experten der Schön Klinik über Therapien und Hilfe zur Selbsthilfe. „Es tut gut zu wissen, dass man mit seinem Schmerz nicht allein ist“, sagte eine Besucherin am Rande der Podiumsdiskussion. Allein ist sie nicht.

Bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Die Traunsteinerin Petra Raab ist selbst Schmerzpatientin. Sie hat erlebt, dass Gespräche mit Betroffenen sehr unterstützend sind und deshalb die Gruppe „Schmerzpunkt Traunstein“ gegründet. Neben der Selbsthilfe steht die Information im Vordergrund. Podiumsdiskussionen sehen die Selbsthilfegruppen als Chance, in der Öffentlichkeit über das Krankheitsbild aufzuklären.

Auswege aus dem Schmerz-Teufelskreis

„Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung und sollte entsprechend behandelt werden“, betonte Dr. Andreas Weidmann. In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, was der Chefarzt der Schön Klinik Vogtareuth damit meint. Bei chronischen Beschwerden steht für Arzt und Patient nicht die Suche nach körperlichen Ursachen im Vordergrund. Denn chronischer Schmerz hält auch dann an, wenn z.B. die auslösende Verletzung bereits geheilt ist – er hat sich verselbstständigt. In der Podiumsdiskussion betonten alle Teilnehmer, wie wichtig ein Perspektivenwechsel sei: „Betroffene schonen sich und ziehen sich zurück. Das Leben kreist nur noch um den Schmerz, der umso stärker wahrgenommen wird, je weniger positive Erlebnisse der Betroffene sonst hat“, erklärt die Schmerzspezialistin Dr. Pavlina Raisl aus der Schön Klinik Harthausen.

Deshalb sei eine Therapie, die den ganzen Menschen im Auge habe, so wichtig. Für diese ganzheitliche Behandlung gibt es den Fachbegriff der „Multimodalen Schmerztherapie“. Multimodal bedeutet, dass die Behandlung auf mehreren Ebenen ansetzt und psychosoziale Faktoren wie Stress oder Depressivität einbezieht.

Auf die Rückfrage zu den Zielen der Behandlung antwortete Dr. Andreas Weidmann: „Unser Therapieziel ist die Rückkehr zu mehr Lebensqualität nicht die Schmerzfreiheit. Deshalb konzentrieren wir uns therapeutisch auf Aktivität und Teilhabe im Leben.“

Wie das gelingen kann, verdeutlichten der Physiotherapeut Christian Vockensberger und die Psychologin Ingrid Dick an konkreten Beispielen. Die Anästhesistin und Vogtareuther Oberärztin Dr. Ulrike Hamann erklärte die Rolle von Medikamenten in der Schmerztherapie, die in erster Linie eine vermehrte Aktivität ermöglichen sollen. „Bei akutem Schmerz sind Schmerzmittel wichtig, bei chronischen Schmerzen setzen wir Medikamente sehr individualisiert und oft auch reduzierter ein“, so Dr. Ulrike Hamann Rückkehr zur Aktivität als Schlüssel in der Schmerztherapie Dr. Andreas Weidmann betonte, dass aktive Mitarbeit bei chronischen Schmerzen nachweislich effektiver sei als passive Therapieformen. „Wir setzen daher auf Körperwahrnehmung und nicht auf Spritzen, Massagen oder Operationen“, so Dr. Weidmann. Er betonte auch, dass es nicht die „eine Therapie“ gebe, die wie ein Wundermittel helfe, sondern dass gerade die Vielfalt der Therapien und Spezialisten die Chance biete, dass der Patient seinen individuellen Weg der Besserung findet.

Die Psychologin Ingrid Dick fasste dies sehr treffend zusammen „Patienten sollten ihre persönliche Schmerzbewältigungsstrategie finden. Das klingt nach wenig, ist aber sehr viel, denn sie sind dem Schmerz dann nicht mehr hilflos ausgeliefert.“

Zu den Therapieinformationen gab es auch Fragen aus dem Publikum und später an den Infoständen. Wie man erwarten könne, dass Patienten den Fokus einfach von den Schmerzen weglenken, wenn diese den Alltag doch so schmerzhaft prägen? Chefarzt Dr. Robert Doerr hört diese Frage oft, wenn Patienten zu einer psychosomatischen Schmerztherapie in die Schön Klinik Berchtesgadener Land kommen. „Wir ermutigen die Patienten, frühere Aktivitäten wieder aufzunehmen, die ihnen einmal Freude gemacht haben“, berichtete Dr. Doerr. „Schrittweise erleben die Patienten dann, dass mit der stärkeren Aktivität die Schmerzen weniger werden.“ Eine wichtige Rolle spiele es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, die ähnliches durchmachten. „Das erleben die Patienten oft als sehr entlastend“, so Dr. Doerr.

Über den Zusammenhang zwischen Aktivität und Schmerz wurde später an den Infoständen engagiert diskutiert. Die Experten und Selbsthilfegruppenvertreter standen noch eine Stunde lang im Anschluss an die Diskussion Rede und Antwort. Mehr Information gibt es auch unter www.schmerzpunkt-traunstein.de und www.schoen-kliniken.de

Pressemitteilung Schön Klinik

Quelle: chiemgau24.de

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