Es gab zuvor viele Proteste

Nach langen Diskussionen: Kreisverkehr in der Kantstraße kommt 

Traunreut - Die CSU-Fraktion ist mit ihrem Antrag, im Zuge des Kantstraßenausbaus anstatt eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Kantstraße/Eichendorffstraße an der bisherigen Ampelregelung festzuhalten, gescheitert.

18 Stadträte sprachen sich in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause gegen den Antrag der Christsozialen aus, neun waren dafür. Die Entscheidung, dass der Beschluss doch noch zu Gunsten einer Ampellösung gekippt werden könnte, konnten auch einige Kreisverkehr-Gegner auf der Zuschauertribüne nicht beeinflussen. 

Auf einem Transparent forderten sie noch vor Beginn der Sitzung: „Koa Kreisverkehr in der City.“  Bürgermeister Klaus Ritter ermahnte jedoch die Kreisverkehr-Gegner, sie mögen bitte das Plakat entfernen und bat um Verständnis: „In der Sitzung sind keine Bemerkungen der Zuhörer erlaubt“, so Ritter. 

Keine begrünte Mittelinsel

Zunächst bedankte sich der CSU-Fraktionsvorsitzende Reinhold Schroll, dass der Antrag noch auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Den Antrag der CSU begründete er dahingehend, dass die von einigen Ratsmitgliedern geäußerten Bedenken gegen einen überfahrbaren Kreisverkehr offensichtlich von großen Teilen der Bevölkerung geteilt werde. 

In den Veranstaltungen der CSU und in Gesprächen mit den Bürgern hätte sich ein klares Votum für die Beibehaltung der bisherigen Ampellösung herauskristallisiert. Vor allem seien große Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern geäußert worden. Ebenso wenig sei nachvollziehbar, warum eine im Großen und Ganzen gut funktionierende Situation mit einem erheblichen Kostenaufwand verändert werden sollte. 

Wie die Verwaltung in einer Stellungnahme dazu erklärte, könne laut Geschäftsordnung ein bereits zur Abstimmung gebrachter Beratungsgegenstand insbesondere dann erneut behandelt werden, wenn neue Tatsachen oder neue gewichtige Gesichtspunkte vorlägen und der Beratungsgegenstand ordnungsgemäß auf die Tagesordnung gesetzt worden sei. 

Aus Sicht der Verwaltung gebe es aber weder neue Tatsachen noch neue gewichtige Gesichtspunkte, die zu einer Änderung des Beschlusses beziehungsweise zu einer erneuten Beschlussfassung führen würden. Das Architekturbüro Beer Bembé Dellinger sei im Juni dieses Jahres damit beauftragt worden, die Unterlagen für den Förderantrag vorzubereiten und baldmöglichst bei der Regierung von Oberbayern einzureichen. 

Eine nunmehr nachträglich entsprechend grundlegende Planänderung würde zu zusätzlichen Honorarkosten der Leistungsphasen Freianlagen und Verkehrsanlagen führen. Außerdem müsste der Beschluss zur Errichtung einer begrünten Mittelinsel im Bereich der Bushaltestellen aufgehoben werden, da dieser dann baulich nicht mehr umgesetzt werden könnte. 

"Wir haben uns die besten Leute geholt, die die Innenstadt weiter entwickeln sollen.“ 

Die Straße bliebe dann wie im Bestand erhalten. Gleiches würde auch für den Bereich der Kantstraße im Umfeld des ehemaligen City-Haues gelten. Ein Raumgewinn für die Fußgänger sei auch hier somit nicht mehr möglich. Weiter wies die Verwaltung darauf hin, dass sollte dem Antrag stattgegeben werden, die städtebaulichen Ziele zur Verbesserung der Schaffung von größeren Flächen für den Fußgänger und die Geschäfte sowie allgemein zur Aufwertung des öffentlichen Raumes in der Kantstraße in einem wesentlichen Teilbereich der Kantstraße dann nicht mehr umsetzbar wären. 

Wie mehrfach berichtet, hatte sich der Stadtrat mit großer Mehrheit auf einen sogenannten Minikreisverkehr verständigt, der von der Traunreuter Stadtplanerin Professor Anne Beer und dem Verkehrsexperten, Andreas Bergmann, empfohlen worden war. Auch vor dem Hintergrund, dass die jetzige Staatstraße (Kantstraße) zu einem späteren Zeitpunkt zur Gemeindestraße abgestuft und dadurch das Verkehrsaufkommen schrittweise zurückgehen werde. 

Nach Auffassung des Verkehrsexperten wäre ein Kreisverkehr voll umfänglich verkehrstauglich. Der Verkehr würde automatisch verlangsamt und auf ein stadtverträgliches Niveau gebracht. Außerdem würde man vielmehr freie Flächen gewinnen, die wiederum der Gesamtgestaltung zu Gute kämen. 

Zwischenzeitlich wurden jedoch auch in der Bevölkerung Zweifel über die Sicherheit eines Kreisverkehrs laut. Vor allem ältere Bürger kritisieren eine Kreisverkehrslösung und fordern die Beibehaltung der jetzigen Ampellösung. 

Dass es aber auch Befürworter für einen Kreisverkehr gibt, behauptete Konrad Unterstein (FW): „Es gibt genauso viele Befürworter, deshalb sollte der Kreisverkehr nicht gekänzelt werden“, sagte Unterstein. Auch sein Fraktionskollege Alfred Wildmann forderte das Gremium auf, an dem gefassten Beschluss festzuhalten. 

Für einen Kreisverkehr plädierte auch Bürgermeister Klaus Ritter (FW). Zunächst klärte er das Gremium dahingehend auf, dass ein Kreisverkehr gegenüber einer Ampelanlage keine Mehrkosten verursachen würde. Er warb dafür, an einem Kreisverkehr, der seiner Meinung nach unheimlich viele Vorteile bringe, als zentrales Element mit mehr Platz festzuhalten. 

„Wir planen jetzt schon über zwei Jahre und der Verkehrsplaner hat sich dabei schlau gemacht. Wir haben uns die besten Leute geholt, die die Innenstadt weiter entwickeln sollen.“ 

Die Planungen habe die große Mehrheit im Stadtrat überzeugt, sagte Ernst Ziegler (SPD). Vor dem Hintergrund, dass es sich um einen befahrbaren Kreisverkehr handelt, regte er die Möglichkeit einer Geschwindigkeitsbegrenzung an. 

„Wenn der Kreisverkehr nicht kommt, wird das Projekt Kantstraße gekänzelt.“

Während Martin Czepan (Grüne) anregte, aufgrund der Diskussionen eines Für und Wider zu überdenken, sprach sich Johann Jobst (CSU) ganz klar für eine Ampellösung aus: „Eine Ampellösung ist sicherer“, betonte Jobst. Zweiter Bürgermeister Hans Peter Dangschat (CSU) warf in die Diskussion, dass die Gewichtung eines Kreisverkehrs nicht richtig gewürdigt worden sei und appellierte daran, den Beschluss nochmal zu überdenken. Es gehe vor allem um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer. 

Sepp Winkler (Bürgerliste) warnte davor, dass das Projekt Kantstraßensanierung scheitern könnte, falls es sich der Stadtrat doch anders überlegen sollte: „Wenn der Kreisverkehr nicht kommt, wird das Projekt Kantstraße gecancelt.“ 

„Ich war von Anfang an gegen einen überfahrbaren Kreisverkehr “, sagte Verkehrsreferent Roger Gorzel. Er schlug vor, zunächst einen Versuch zu starten, um zu testen, wie es sich verhält, wenn Lastwägen über eine aufgemalte Verkehrsanlage fahren. Auf diesen Vorschlag ist man jedoch nicht eingegangen. Mit der jetzt deutlichen Entscheidung für einen Kreisverkehr dürfte die Diskussion jetzt vom Tisch sein.

ga

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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