Aus der jüngsten Stadtratssitzung 

Erweiterung des "Traunfeld" wird vorerst nicht weiter verfolgt

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Traunreut - Über ein Jahr hat die Traunreuter Stadtverwaltung über eine Lösung für eine zweite Erschließungsstraße im Zuge einer Erweiterung des Wohngebietes „Traunfeld“ in Stein an der Traun verhandelt. Sowohl die von der Maßnahme betroffene Bahn als auch die Straßenbaubehörde als Straßenbaulastträger der B304 haben zwischenzeitlich ihre Zustimmung erteilt.

Für die Umsetzung der Straßenbaumaßnahme bräuchte die Stadt auch Grundstücksflächen, die aber in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Deshalb hat sich der Stadtrat in seiner Sitzung mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, eine Bebauung vorerst nicht mehr weiter zu verfolgen.

Die Stadt hatte beabsichtigt, die Wohnsiedlung Traunfeld zu erweitern. Es sollte Baugrund für 16 Einzelhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser ausgewiesen werden und die Zufahrt sollte über die vorhandene Erschließungsstraße erfolgen. Die Anlieger forderten jedoch eine zweite Zufahrt. Mit einer Unterschriftenaktion warnten sie davor, sollte sich der Stadtrat über die Köpfe der Bewohner der Traunfeld-Siedlung hinwegsetzen, alles Erdenkliche zu unternehmen, um eine Bebauung zu verhindern. Daraufhin hat sich die Stadtverwaltung bemüht, der Realisierung einer zweiten Zufahrt südlich der Wohnsiedlung mit Anbindung an die B304 näher zu kommen. 

„Die Bahn hat uns unheimlich viel Freiraum gelassen“

Die Verhandlungen gestalteten sich deshalb so schwierig, weil die Straße nur über oder unter die Bahnlinie geführt werden kann. Eine Unterführung der Bahnline wurde seitens der Bahn von vorneherein ausgeschlossen. Nach Angaben von Bürgermeister Klaus Ritter habe man aber zwischenzeitlich einen Konsens gefunden. Die DB Regio Netz Infrastruktur GmbH wäre damit einverstanden, südlich des Traunfelds einen höhengleichen neuen Bahnübergang zu schaffen. Gleichzeitig müsste der südlich an das Traunfeld angrenzende Fußweg mit Umlaufsperre und der Bahnübergang zur Zufahrt zum Anwesen Waldburger aufgelassen werden. Auch das Staatliche Bauamt Traunstein habe seine Zustimmung für die neue Anbindung an die B304 signalisiert. „Die Bahn hat uns unheimlich viel Freiraum gelassen“, sagte Ritter. Und auch das Straßenbauamt hätte eine Linksabbiegespur auf der B304 akzeptiert. Die Grundstücksverhandlungen hingegen hätten zu keinem positiven Ergebnis geführt. Die Stadt hätte rund 1000 Quadratmeter benötigt, um das Vorhaben umzusetzen. 

Laut Bürgermeister hätten nicht alle Grundstücksbesitzer nein gesagt. Eine dort ansässige Firma wäre beispielsweise bereit gewesen, ein Grundstück gegen eine andere Fläche einzutauschen. Die benötigten Hauptflächen konnten jedoch nicht erworben werden. Weiter teilte Ritter mit, dass einige Grundstücksbesitzer geäußert hätten: „Wenn die B304 nicht mehr da ist, dürfen wir wieder kommen.“ Dies könne aber in der Regel noch zehn Jahre dauern, meinte Ritter. Auf Nachfrage von Martin Czepan (Grüne) erklärte der Bürgermeister, dass mit den Anliegern auch über Lärmschutzmaßnahmen und Geschwindigkeitsreduzierungen diskutiert worden sei.

 „Vielleicht sollten wir doch die B 304 abwarten“

Der Vorschlag der Verwaltung, eigentumsrechtliche Zwangsmaßnahmen einzuleiten, wurde vom Stadtrat grundsätzlich abgelehnt. „Über Zwangsmaßnahmen brauchen wir gar nicht spekulieren“, sagte 2. Bürgermeister Hans Peter Dangschat (CSU). Dennoch sollte an der Baulandausweisung festgehalten werden, forderte Dangschat, der neben seinen Fraktionskollegen Hans Kneffel und Reinhold Schroll den Beschlussvorschlag der Verwaltung, auf eine Erweiterung der Wohnsiedlung zu verzichten und die Fläche weiterhin im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche darzustellen, ablehnte. Konrad Unterstein (FW) sowie die Sozialdemokraten Ernst Ziegler und Christian Stoib bedauerten die Sachlage. „Jetzt wo wir es geschafft haben, sind die Grundeigentümer dagegen. Das ist schade“, sagte Unterstein. 

„Extrem schade“ kommentierte Stoib die Situation. Die Planung würde uns weiterbringen, aber wir können die Bürger nicht zwingen, meinte Ziegler.  „Vielleicht sollten wir doch die B 304 abwarten.“ Bis dahin wird aber noch viel Wasser die Traun hinunterfließen und der Stadt läuft die Zeit davon, das dringend benötigte Bauland vorzuhalten. Die Erweiterung des Traunfeldes war eigentlich schon fest eingeplant. Daraus wird aber vorerst nichts. 

„Wir schlagen hier eine Tür zu“

Gleiches gilt für das Abdeckerfeld in Sankt Georgen. Auch hier sollten ursprünglich Grundstücke für bis zu 40 Wohneinheiten ausgewiesen werden. Hier machte die Verkehrsanbindung der Baulandausweisung einen Strich durch die Rechnung. Nach dem hier längerfristig mit einer Erweiterung der bestehenden Siedlung nicht zu rechnen ist, soll auch hier das Bauleitverfahren eingestellt werden. 20 Räte sprachen sich für den Vorschlag der Verwaltung aus, das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Abdeckerfeld III“ einzustellen und die Grundstücke im Flächennutzungsplan von Wohnbaufläche in landwirtschaftliche Fläche zu ändern. 

Sepp Winkler (Bürgerliste), Ernst Ziegler und Konrad Unterstein waren sich einig, das Verfahren einzustellen. „Wir sollten die Grundstücke rausnehmen aber schleunigst neues Bauland finden“, forderte Unterstein. „Wir schüren damit nur die Erwartungen der Bauwerber und der Grundstücksbesitzer, wenn man es drin lässt“, meinte Ziegler. „Auch ich bin dafür, dass wir ausmisten, damit man im Falle einer Neuausweisung nicht sagen kann, ihr habt ja noch was ausgewiesen“, so Winkler. Neun Räte vertraten die Ansicht, das Verfahren aufrecht zu erhalten. „Wir schlagen hier eine Tür zu“, warnte Hans Peter Dangschat, der in seinen Aussagen von Reinhold Schroll bestärkt wurde.

ga

Quelle: chiemgau24.de

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