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Dritter Prozesstag in Traunstein

Tödlicher Unfall auf Miesbacher Straße in Rosenheim: Verteidigerin bringt neue Version ins Spiel

der Angeklagte am zweiten Prozesstag
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Der inzwischen 28-jährige Angeklagte im Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht. Er muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Am dritten Tag der Neuauflage des Prozesses wegen des tödlichen Autounfalls 2016 an der Miesbacher Straße in Rosenheim haben Polizisten ausgesagt: Wie sie den Unfall wahrnahmen, bei dem zwei Frauen vom Samerberg starben. Und wie ihr Verdacht auf die beiden BMW-Fahrer fiel.

Traunstein / Rosenheim / Samerberg – Dritter Tag in der Revisionsverhandlung des „Samerberg-Prozesses“, zu Wort kommt die Polizei, genauer: die Beamten, die mit Unfallfahrer Simon H. und seiner Beifahrerin zu tun hatten. Und mit den beiden jungen Männern aus der Region Rosenheim, die sich mitschuldig an dem Horrorunfall gemacht haben sollen, und ebenso mit ihren Beifahrern.

Ein Wagen mit 14 Aktenordnern vor der Richterbank

Was man vorausschicken kann: Auch die Aussagen der Beamten, die direkt mit den Hauptbeteiligten sprechen konnten, und zwar teilweise direkt nach der Kollision gegen 21 Uhr am 20. November 2016, brachten keinen herausragenden Erkenntnisgewinn.
Denn auch die Polizisten hatten sich bereits in früheren Verhandlungen zu Wort gemeldet, ihre Aussagen und die Antworten auf ihre Fragen sind protokolliert. Wie um daran zu erinnern, hatten die Gerichtsdiener wieder ein Wagerl vor die Richterbank geschoben, mit 14 Aktenordnern darauf. 

Dem Anschein nach muss auch nach dem Verhandlungstag am Mittwoch (2. Juni) kein Kapitel in den Ordnern neu geschrieben werden. Wie allerdings die Aussagen zustande kamen - die Erinnerung daran verblasst offenbar auch bei geübten Zeugen, wie es Polizisten sozusagen von Berufs wegen sind.

Widersprüche zum Unfall gab es von Anfang an

Von Widersprüchen frei waren die Aussagen der Beteiligten wie auch der Zeugen nie. Nachdem viereinhalb Jahren verstrichen sind, kommen die Schwächen der Erinnerungen dazu. „Das kann ich nicht mehr sagen“ - dieses Eingeständnis war auch von Polizisten so oder in Variationen immer wieder zu hören.

Was gut belegt ist, dass die ersten Streifenwagen schon wenige Minuten nach dem Unfall am Ort des Geschehens eintrafen. Wie auf einem „Schlachtfeld“ habe es aussehen, berichtete ein Beamter. Von einem „ziemlichen Chaos“ ein anderer.

Übereinstimmend erinnern sich die Beamten, dass Simon H. schwer erschüttert und angeschlagen gewesen sei. Es sei schwierig gewesen, erinnert sich eine Polizeibeamtin an die Vernehmung kurz danach. H. habe lediglich „Brocken“ geäußert, Satzfetzen, er habe „geweint und geschluchzt“.

Beim Überholen nicht in die Lücke gelassen?

Fest steht nach den Aussagen, dass in den Augen der Polizisten die beiden BMW-Fahrer schnell von bloßen Zeugen zu möglichen Beteiligten wurden. H. habe gleich nach dem Unfall bruchstückhaft von einem „Rennen“ der BMW-Fahrer gesprochen, habe zudem gesagt, dass ihn die beiden beim Überholen nicht mehr mehr zurück in die Lücke gelassen hätten.

Genau dies bestreiten bis heute der angeklagte Sebastian M. und der bereits rechtskräftig verurteilte Daniel R, ebenso ihre Beifahrer. „Zu diesem Zeitpunkt war genügend Platz, wir dachten, dass er wieder einscheren wollte.“ So wurde vor Gericht die damalige Aussage von Antonio L., dem Beifahrer von Daniel R., wiedergegeben.

+++ Alles rund um den Unfall auf der Miesbacher Straße und die Gerichtsprozesse finden Sie in unserem Dossier. +++

Iris Stuff, die Verteidigerin des Angeklagten, verwendete wie bereits am Dienstag (1. Juni) auch am dritten Verhandlungstag viel Zeit darauf, die Glaubwürdigkeit von Simon H’s Aussagen zu erschüttern. Wusste Simon H., dass er auf einer „normalen“ Straße mit Gegenspur fuhr? Die Aussage des Golf-Fahrers, er sei zunächst „auf einer Art Autobahn“ gefahren, könne nahelegen, „dass er der Auffassung war, dass er nicht mit Gegenverkehr rechnen müsse“.

War Simon H. abgelenkt?

Oder war er einfach nur abgelenkt, etwa von seiner Beifahrerin, die er erst kurz zuvor kennengelernt hatte? Darauf hatte Stuff bereits am Dienstag angespielt. Auch eine Aussage dieser Frau gegenüber der Polizei kam vor Gericht zur Sprache. Der Fahrer habe sein Handy zwecks Navigation in der Hand gehalten und während der Fahrt darauf geschaut.

Ein Polizist berichtete im Zeugenstand: Zum entscheidenden Augenblick habe sie ausgesagt, dass da wahrscheinlich keine Lücke gewesen sei. Andererseits habe Simon H. den Eindruck gemacht, als wolle er überhaupt nicht ausweichen. Wie zuverlässig das ist? Der Beamte sagte es so: „Sie hat sich eigentlich nicht wirklich ganz klar geäußert.“

Für mehr Klarheit aus ihrer Sicht will Verteidigerin Stuff sorgen. Sie will ein verkehrspsychologisches Gutachten, das klären soll, ob sich Simon H. wirklich wie auf der Autobahn gefühlt haben könnte. Denn dort hätte er gar nicht einer Lücke zwischen den BMWs schauen müssen, er hätte einfach auf der Überholspur bleiben können.

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