Ein "Super-Team", das Leben rettet

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Ortstermin bei "Christoph 14": Landrat Hermann Steinmaßl (links) ließ sich gestern auf dem Landeplatz des Klinikums Traunstein von Leitendem Hubschrauberarzt Dr. Joaquin Kersting den Hubschrauber und seine besondere Ausstattung wie den Bergekran und ein lasergestütztes Frühwarnsystem erklären.

Traunstein - Den orangefarbenen Rettungshubschrauber "Christoph 14" - eigentlich sind es drei Maschinen im Wechsel - schickt die Rettungsleitstelle Traunstein immer dann zu einem Einsatz, wenn es um Leben und Tod geht.

Bei den rund 1400 Einsätzen im letzten Jahr konnten viele Leben gerettet, Menschen vor zusätzlichen Schäden bewahrt werden.

Landrat Hermann Steinmaßl informierte sich gestern bei einem Besuch in der Hubschrauberstation auf dem Dach des Kreisklinikums Traunstein über die Arbeit der Hubschrauberbesatzung und die technische Ausstattung von "Christoph 14". Leitender Hubschrauberarzt Dr. Joaquin Kersting, Piloten und Rettungsassistenten informierten Steinmaßl über ihren Alltag.

Eine Besonderheit ist: Die Mitarbeiter haben drei Arbeitgeber, sind aber dennoch ein "Super-Team", so der Landrat. Und weiter: "Die Mitarbeiter fühlen und handeln wie eine Mannschaft, egal, woher sie stammen und von wem sie bezahlt werden."

Genau am 10. September 1976 stieg ein "Christoph 14" zum ersten Mal in die Lüfte.

Wann der Rettungshubschrauber zum Einsatz kommt, entscheidet die Rettungsleitstelle Traunstein als Zentrum für den Rettungsdienst in den vier Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein. Aber auch ein Notarzt, der zu einem Unfall oder zu einer schweren internistischen Erkrankung gerufen wird, kann den Hubschrauber anfordern.

Dessen Aktionsradius liegt nach Worten des Landrats bei etwa 60 Kilometern, im Notfall auch darüber hinaus. So war "Christoph 14" nach dem Bergbahnunglück im österreichischen Kaprun. Anton Groschack, Chef der Rettungsleitstelle, hob heraus: "Der Rettungsdienst kennt keine Grenzen. Wenn unser Hubschrauber nicht greifbar ist, helfen uns die Salzburger Kollegen und umgekehrt."

Auf das Jahr gesehen startet "Christoph 14" durchschnittlich viermal pro Tag. Im Sommer erhöht sich die Zahl auf sieben Einsätze täglich. Die Ursache liegt in den Freizeitunfällen in den Sommermonaten. Attraktive Klettersteige in den Bergen, die steigende Zahl an Radlern und Mountainbikern sowie der starke Verkehr auf den Straßen beispielsweise ziehen steigende Unfallzahlen, aber ebenso zunehmende Schwere der Verletzungen nach sich. Im Vergleich zu anderen Rettungshubschrauberstationen hat Traunstein mit fast 50 Prozent eine "deutlich höhere Quote an Patienten mit Traumata", wie Dr. Joaquin Kersting erklärte. Andernorts überwögen internistische Erkrankungen.

Die Luftrettung in Südostbayern ist organisatorisch eine komplizierte Angelegenheit. Verantwortlich ist der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung für die vier Landkreise, der das Bayerische Rote Kreuz damit beauftragt hat. Die Bundespolizei als Nachfolger des Bundesgrenzschutzes stellt die Hubschrauber - drei für die zwei Stationen Traunstein und Kempten. Pro Station versehen sechs Piloten der Fliegerstaffel Oberschleißheim abwechselnd Dienst. Beim gestrigen Gespräch mit dem Landrat vertrat Eckart Steinau die Pilotencrew. Robert Portenkirchner, Leitender Rettungsassistent, und seine Kollegen kommen vom Roten Kreuz. Die Notärzte wiederum stehen in Diensten des Landkreises. Dr. Kersting und 15 Kollegen am Kreisklinikum Traunstein haben sich freiwillig gemeldet und teilen sich den Dienst. Sie sind im Notarzteinsatzfahrzeug ebenso wie im Hubschrauber unentbehrliche Helfer im Rettungswesen. Um es noch komplizierter zu machen: Die Abrechnung für Einsätze von "Christoph 14" erledigt der ADAC.

Patienten, die den Rettungshubschrauber in Anspruch nehmen müssen, merken von den verschiedenen Zuständigkeiten nichts. Krankenkassen übernehmen die Kosten zu hundert Prozent - wie auch für Einsätze eines Rettungswagens oder eines Rettungsbootes am Chiemsee. Dr. Kersting weiter: "In anderen Ländern werden die Kosten für den Rettungshubschrauber nur bei schweren Diagnosen von den Kassen getragen. War jemand nur kurze Zeit ohnmächtig, muss er dort für den Flugrettungseinsatz selbst aufkommen." Derzeit koste die Flugminute für "Christoph 14" einschließlich Pilot und Rettungsassistent 40 Euro. Die ärztlichen Leistungen würden mit zusätzlich 390 Euro pro Tag angesetzt. Dazu der Leitende Notarzt gestern: "Unser Hubschrauber ist vergleichsweise günstig. An anderen Stationen sind bis zu 90 Euro für die Flugminute fällig."

kd/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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