Im Wahlkampf wird nun scharf geschossen!

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Die Landräte Hermann Steinmaßl (rechts) und Georg Grabner (links) sind sauer auf den Grünen Landtagskandidaten Dr. Bartl Wimmer.

Landkreis  - "Wenn nicht gerade Wahlkampf wäre, würden wir uns fragen, was in Sie gefahren ist!" - Das schreiben die Landräte Steinmaßl und Grabner an den Grünen-Landtagskandidaten Wimmer.

Die Vorgeschichte:

Der Landtagskandidat Dr. Bartl Wimmer (Bündnis90/Die Grünen) hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Waging bezüglich der schwierigen finanziellen Situation der Kliniken der Südostbayern-AG an die Aufsichtspflicht der beiden Landräte Georg Grabner (Berchtesgadener Land) und Hermann Steinmaßl (Landkreis Traunstein) appelliert. Persönliche Animositäten müssten zurückgestellt werden.

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Dem Traunsteiner Tagblatt sagte er: "Leider haben wir hier zwei Landräte, die nach außen wirken wie ein Herz und eine Seele, die aber in Wirklichkeit nicht nur nicht miteinander handeln, sondern nicht einmal miteinander reden. Und wenn sie handeln, dann handeln sie gegeneinander."

Offener Brief von Grabner und Steimaßl

Nun antworten die Landräte mit einem offenen Brief, der hier im Wortlaut widergegeben wird:

"Sehr geehrter Herr Dr. Wimmer,

wenn nicht gerade Wahlkampf wäre, würden wir uns fragen, was in Sie gefahren ist. Wir fragen uns auch, was Ihre flammenden Appelle, die aktuellen Probleme der Kliniken nicht in den Wahlkampf hineinzuziehen, wert sind, wenn Sie dann genau das Gegenteil tun.

Mit Ihrer unterstellenden Behauptung von Feindschaften zwischen uns beiden, die geradezu absurd ist und jedes Maß an einigermaßen korrektem Umgang miteinander vermissen lässt, versuchen Sie, öffentlich Keile zwischen die Landräte bzw. Landkreise und in die Kliniken zu treiben.Wir weisen diese Unterstellung in aller Schärfe zurück! Damit wollen Sie wohl eine aktuell schwere Zeit nutzen, um populistisch Wahlkapital daraus zu schlagen. Wir reden nicht nur selbstverständlich miteinander, sondern arbeiten miteinander und nicht, wie Sie unterstellen, gegeneinander!

Wir brauchen auch keine Nachhilfe von Ihnen, was unsere Verantwortung, und übrigens auch die aller anderen Aufsichtsratsmitglieder, betrifft! Es ist allerdings auch nichts Ungewöhnliches, wenn es zu einzelnen Fragen oder Problemen gelegentlich unterschiedliche Meinungen gibt. Die Vergangenheit beweist, dass wir immer wieder gemeinsame Lösungen gefunden haben. Sie versuchen, uns beide als Landräte und Vorsitzende bzw. stellvertretende Vorsitzende persönlich verantwortlich zu machen für die Schwierigkeiten, obwohl Sie wissen, dass wir als Mitglieder des Aufsichtsrats Aufsichtsorgan sind und in diese Aufgabe sehr viel auch persönliches Engagement einbringen. Die Unterstellungen uns gegenüber helfen weder den Kliniken, noch der Gesundheitsversorgung in unseren Landkreisen.

Als Großunternehmer mit Ihrem Laborunternehmen mit 7000 Mitarbeitern gehören Sie einerseits zu den großen Verdienern im Gesundheitswesen und natürlich auch zu einem Kenner und Experten. Bisher hatten Sie auch mit Ihren Aussagen zumindest den Eindruck erweckt, dass Ihnen die Sicherung der sechs Häuser wichtig ist. Ihre Stellungnahme im Zusammenhang mit der Kandidatenbefragung für den Landtag bestätigt dies. Sie haben auch als Aufsichtsrat von Anfang an bei den Kreiskliniken Berchtesgadener Land GmbH und nach der Fusion auch in der gemeinsamen Kliniken Südostbayern AG mitgewirkt. In all diesen Jahren haben Sie mit entschieden und vor allem auch erlebt, wie wir (die beiden Kreistage mit den beiden Landräten) alles unternehmen, um unsere gemeinsame Aufgabe zu erfüllen. Weiß Gott kein leichtes Unterfangen.

Und wer schon einmal andere Fusionen mitgemacht oder mitverfolgt hat, weiß dass es nicht ganz einfach ist auch Zeit braucht, bis man zu einem Unternehmen zusammengewachsen ist.

Und diese gemeinsame Aufgabe, insbesondere der gemeinsame Fusionswille, ist klar formuliert. Wir wollen für die Menschen in den beiden Landkreisen eine hochwertige und möglichst bürgernahe Klinikversorgung sichern. Dabei sollen alle sechs Kliniken in Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing, Ruhpolding, Traunstein und Trostberg erhalten bleiben und jede für sich auch spezielle Aufgaben erfüllen. Alle sechs Klinken erfüllen dabei auch eine wichtige Rolle der Notfallversorgung. Dies ist gerade für unseren ländlichen Raum auch eine wichtige Standort- und Lebensqualität.

An 365 Tagen und Nächten im Jahr erwarten unsere Menschen, dass sie Hilfe und Heilung bekommen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen diese Erwartung mit großer Kompetenz, hohem Einsatz und Hingabe. Dafür gilt ihnen unser gemeinsamer Dank.

Die Sicherung dieser anerkennenswerten Leistungen ist jedoch nachhaltig nur dann zu gewährleisten, wenn die Leistungen so erbracht werden, dass Kosten und Einnahmen sich zumindest die Waage halten. Seit der Fusion verfolgen wir diese Ziele mit großem Nachdruck. Leider ist das noch nicht überall im notwendigen Umfang gelungen. Gerade das Jahr 2012 war besonders belastend, u.a. weil die Kassen von 3,5% Lohnerhöhungen nur 1,5% erstatten. Diese Differenz macht bei jährlich 150 Mio. Euro Personalkosten allein drei Millionen Euro aus. Wir müssen deshalb gemeinsam überlegen und die notwendigen Maßnahmen umsetzen, um das wieder aufzufangen; und zwar sofort.

Darüber besteht absolute Einigkeit im Aufsichtsrat und bei uns Landräten. Aber es war auch bei uns bisher Konsens, die Kliniken nicht gegeneinander zu stellen, sondern sie als „einen gemeinsamen Klinikverbund“ in fünf, bzw. sechs Häusern zu betrachten. Wo ist da bitte schön „der politische Hammer“? Übrigens: Wer diesen Konsens aufgibt, stellt einzelne Kliniken in Frage.

Auch in Wahlkampfzeiten müsste man eigentlich ein Minimum an Anstand erwarten können!

Mit freundlichen Grüßen

Landrat Georg Grabner / Landrat Hermann Steinmaßl"

Fortsetzung folgt - sicherlich!

Quelle: chiemgau24.de

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