Stadtrat erhält Orden "für nix"

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"Petrus" Willi Schwenkmeier hielt in diesem Jahr die Fastenpredigt.

Traunstein - Gemütlich und "zünftig" war das zweite Starkbierfest im historischen Saal des Hofbräuhauses. Die 200 Besucher freuten sich über ein rundum gelungenes Programm.

Stolz verwies Bräu Bernhard Sailer auf den Fastenbock, der in der geheimnisvollen Vollmondnacht vom 22. auf den 23. Oktober von den beiden Braumeistern Nick Mayrshofer und Hias Sailer gebraut worden sei. "Summa cum laude" zollte er dem mit einer Stammwürze von 19 Prozent und fast acht Prozent Alkohol versehenen Bock höchstes Lob und Auszeichnung.

Zwei Schläge brauchte Zweiter Bürgermeister Hans Zillner, bis er verkünden konnte "Ozapft is". Er ging zu Werke im Beisein von Bräu Bernhard Sailer, der bayerischen Bierkönigin Franziska Sirtl aus Olching und "Miss Chiemgau 2011", Monika Kaiser aus Engelsberg (von rechts).

Dieses Lob bekam dann gleich einen "klaren" Dämpfer, als Zweiter Bürgermeister Hans Zillner das erste Holzfass, das Festwirt Rudi Zeiff brachte, anzapfte - und Sailer erschrocken auf ein durchsichtiges Gebräu blickte. Der Aprilscherz mit klarem Wasser statt Fastenbock in dem Fass, den der junge Bräu Maximilian Sailer mit seiner Frau Birgit und den Mitorganisatoren geplant hatte, war gründlich gelungen.

Der Schreck war schnell verflogen: Das stellvertretende Stadtoberhaupt stellte erneut seine Qualitäten beim Ozapfen unter Beweis und konnte nach zwei Schlägen die erste Mass Fastenbock zapfen. Zillner vertrat an diesem Abend Oberbürgermeister Manfred Kösterke, der in Sachen Ritt-Bitten für den Georgi-Ritt unterwegs war.

Nach dem ersten Schluck durfte natürlich auch das gemeinsame Singen der Bayernhymne nicht fehlen, die in diesem Jahr "vollmundiger" als im vergangenen Jahr klang. Vielleicht hatte ja der eine oder andere Festbesucher zu Hause geübt. Zwischen den einzelnen Programmteilen wechselte sich die Traunsteiner Stadtmusik mit dem Duo "Unverschämte Wirtshausmusik" ab. Konstanze Kraus aus Ottobeuren an der Harfe und Otto Göttler aus Fürstenfeldbruck an der Diatonischen überzeugten durch ihr musikalisches Können und ihre witzigen Einlagen mit dem einen oder anderen spitzig-frechen Text.

Die Fastenpredigt hielt in diesem Jahr der ganz im weiß-blauen Rautenmuster gekleidete "Petrus" Willi Schwenkmeier, der gleich klar machte, dass er "koa Barnabas und koa Bavaria erst recht ned" sei, sondern optisch ein "halb verhungerter Fastenprediger". Er holte sich dann gleich einen kompetenten Kandidaten zu einem kleinen Ratespiel auf die Bühne. Zillner musste schon wieder ran und schauen, ob er die charakteristischen Merkmale der einzelnen Stadtratskollegen treffend zuordnen kann. Zum Lohn erhielt der Zweite Bürgermeister für jede richtige Lösung immer eine Flasche Bier - und da kam ganz schön was zusammen. Als "alter Hase" im politischen Leben konnte er die in die Rede eingebauten Beschreibungen der Stadtratsmitglieder unschwer richtig zuordnen.

In der Energiediskussion witzelte "Petrus" über die abgebrochenen Pläne um die geplanten Windräder in Kammer. Man solle doch schauen, dass man die Energie wo anders herbekomme: "Baut's a Kraftwerk auf Estreich umme, do is e scho wurscht", schlug er vor - "statt Windräder bei uns zu bauen, wo die Welt noch in Ordnung is."

Auch die Bundespolitiker bekamen "ihr Fett" weg: "Da sagt einmal a Politiker die Wahrheit, und scho muas da Schnappauf geh", sagte "Petrus" in Anlehnung an die Aussage von Wirtschaftsminister Brüderle, das Atom-Moratorium sei Wahltaktik. Verkehrsminister Peter Ramsauer sei als "Sprachbewahrer" offensichtlich in der Duden-Kommision tätig. Er müsse ja aber auch genügend Zeit für solche Tätigkeiten haben. "Do hod er ja beim Warten am Bahnhof vui Zeit."

Am Ende seiner spitzen, aber niemals überzogenen Fastenpredigt mussten alle anwesenden elf Stadträte auf die Bühne - wegen der Preisverleihung des Ordens "Für nix und wieda nix". Für den dritten Platz habe man nach reichlicher Überlegung die beiden Fußballvereine FC Traunstein und ESV Traunstein ausgewählt. Wenn man die Tabelle so anschauen würde, "spuin de für nix und wieder nix". Platz zwei vergab er an den Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff. Der erste Platz gehe unbestritten an den Stadtrat. Der Oberbürgermeister würde letztlich doch alleine entscheiden und alles alleine machen. Da sei der Stadtrat gewissermaßen nichts anderes als ein "Feigenblatt", holte "Petrus" zum Finale nochmals kräftig aus. "Oiso für nix und wieder nix ist der Orden", begründete er die Wahl und übergab einem jeden der Stadträte einen Orden.

wz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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