Hat der Skispaß jetzt ein Ende?

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Herbert Hochreiter am Wolfsberglift mit einem Stapel Papier.

Siegsdorf - Dem Skibetrieb am Wolfsberglift droht das Ende. Einer Anwohnerin sind die Schneekanonen zu laut. Jetzt hat Landrat Steinmaßl die Angelegenheit in die Hand genommen.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung vom Donnerstag:

Skibetrieb am Wolfsberglift gefährdet

Wie geht es weiter mit dem Skibetrieb am Wolfsberglift im Siegsdorfer Ortsteil Molberting? Nach der Beschwerde einer Anwohnerin über den Lärm der Schneekanonen im unteren Teil hat Landrat Hermann Steinmaßl die Angelegenheit zur "Chefsache" erklärt. Er wird sich der Problematik in der nächsten Woche annehmen, wie sein Sprecher Roman Schneider der Chiemgau-Zeitung gestern auf Anfrage erklärte.

Betreiber des Wolfsbergliftes ist Herbert Hochreiter. Er hat den Lift von der Gemeinde übernommen, diese hatte 1991 die Anlage erworben. "Wir haben damals mit Herbert Hochreiter einen Betreiber gefunden, mit dem wir sehr zufrieden waren. Ich bin mir sicher, ohne ihn würde es den Wolfsberglift heute nicht mehr geben", sagt der ehemalige Siegsdorfer Bürgermeister Franz Maier, der in diesem Zusammenhang von einer "unappetitlichen Angelegenheit" spricht, weil es sich um einen Nachbarschaftsstreit handele.

Unterstützung bekam Hochreiter zuletzt durch 800 Unterschriften, die von Initiatoren zum Erhalt des Lifts an Bürgermeister Thomas Kamm übergeben wurden (wir berichteten).

Hochreiter: "Ich habe in den letzten zwei Jahren rund 60.000 Euro verloren, weil wir keinen Saisonkartenvorverkauf wegen der verfahrenen Situation starten konnten. Dazu habe ich ein Lärmgutachten anfertigen lassen und Techniker und Ingenieure bezahlen müssen."

Neben Touristen und Besuchern bis in die Landkreise Altötting und Mühldorf nutzten auch Berufstätige nach 18 Uhr den Hang, um ihrem Skivergnügen nachzugehen. Vor allem seien es aber die Kinder des TSV Siegsdorf und des SC Traunstein, die dort das Skifahren erlernen. Seine Schneekanonen seien auf dem neuesten technischen Stand und konkurrenzlos im Chiemgau, beteuert Hochreiter. Es geht um 40 Dezibel, die Hochreiters Schneekanonen auch einhielten - mit Ausnahme von 18 Nächten, in denen es schon mal geringfügig lauter werden könne, räumt der Betreiber ein. Laut Gutachten ist dies an und für sich kein Problem, aber das Landratsamt Traunstein sieht das anders und verweist darauf, dass das Gelände um den Wolfsberglift Wohngebiet sei und deshalb besagte 40 Dezibel nicht überschritten werden dürften. Hochreiter aber: "Diese 18 Ausnahmenächte sind für uns überlebenswichtig."

Den Wolfsberglift habe er damals von der Gemeinde Siegsdorf nur unter der Maßgabe übernommen, dort auch Schneekanonen installieren zu dürfen. Ein Beschneien unter Tage komme für ihn nicht in Frage, da würde der Strom zum Betrieb des Liftes gebraucht, außerdem gehe es wegen der Temperaturen nur in der Nacht. Etwa 38 Kubikmeter Schnee jährlich werden am Wolfsberglift produziert.

Im Rathaus Siegsdorf wird die Diskussion um den Wolfsberglift ganz genau beobachtet. Bürgermeister Thomas Kamm weist darauf hin, dass die Gemeinde der Besitzer des Lifts ist und an Hochreiter verpachtet wurde. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel Geld in die Anlage investiert", teilt Kamm schriftlich mit, unter anderem für die Liftsteuerung, die Flutlichtanlage, die Verrohrung und Verkabelung der Beschneiungsanlage, eine Pistenraupe für 170.000 Euro und ein durch Windwurf beschädigtes Seil für 40.000 Euro.

Weiter heißt es in der Stellungnahme der Gemeinde: Nach einer Bewertung der Schallemissionen durch die Schneekanonen habe das Landratsamt einen positiven Bescheid für die Anlagenoptimierung mit der Einschränkung erlassen, dass im unteren Bereich des Lifts in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr keine Beschneiung erlaubt sei. Dabei wird im Bescheid zwar eine Ausnahme von dieser Regelung für 18 "seltene" Ereignisse genehmigt, nach der rechtlichen Auslegung des Landratsamtes ist jedoch zum Beispiel die Grundbeschneiung, für die diese Ausnahmen so wichtig wären, nicht als solches Ereignis zu werten. Ein wirtschaftlicher Betrieb des Liftes sei mit diesen Auflagen "äußerst problematisch".

Seitens der Gemeinde sei in Gesprächen mit der Fachabteilung des Landratsamtes und dem Anlieger, der für diese Betriebseinschränkung eintritt, versucht worden, Handlungsspielräume oder Kompromisse zu finden - "leider ohne Erfolg. Die Gemeinde hat Verständnis und sorgt sich auch um die Rechte Einzelner. Kein Verständnis haben wir jedoch, wenn keinerlei Kompromissbereitschaft hinsichtlich dem Wohl und Recht der Allgemeinheit besteht." Auch Kamm hofft nun, dass es in der kommenden Woche noch vor Beginn der Wintersaison eine Einigung geben wird.

Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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