Ausländer willkommen oder nicht?

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Moderatorin Dorothea Elsner, Katrin Kuhla, Dr. Uwe Wenzel und Dekan Konrad Kronast (von links). Foto buthke

Traunstein - Sind Ausländer bei uns willkommen? In Traunstein stritten sich darüber während einer Podiumsdiskussion die Dekanatsräte von Baumburg und Traunstein.

Auf dem Podium hatten Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft Platz genommen, die das Thema unterschiedlich bewerteten. Moderatorin war Dorothea Elsner, Regionalgeschäftsführerin im Diözesanrat.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner bezeichnete Deutschland als Folge der NS-Zeit als ausländerfreundliches Land mit einem großzügigen Asylrecht und einem liberalen Bleiberecht. Als Beispiel für eine gelungene Integration in der Region nannte er Traunreut, wo nach dem Krieg Flüchtlinge, Aus- und Umsiedler aus Rumänien und Russland sowie Gastarbeiter gut eingegliedert worden seien.

"Ist die Integration die multikulturelle Gesellschaft", fragte er. Sei die Verpflichtung, deutsch zu lernen, Deutschtümelei oder die Chance, einen Arbeitsplatz zu erhalten? "Ist die multikulturelle Gesellschaft das gemeinsame Straßenfest oder das Akzeptieren von Frühverheiratungen, des Tragens der Burka oder von Beschneidungen?" Den Migranten gestand er zu, ihren Lebensstil weiterhin zu leben, sie müssten dabei aber die Grundsätze einer humanen Gesellschaft beachten. Das Problem sei, dass man sich in der Debatte auf die Feste beschränke und nicht sehe, dass wir Parallel- und sogar schon Gegengesellschaften hätten.

Die Migrantendebatte sei in Deutschland konzentriere sich auf eine Islamdebatte, meinte Dinko Josip Grgic vom Missionsrat der kroatischsprachigen Mission. Deshalb fühlten sich viele Ausländer davon nicht betroffen. "Wir Kroaten fühlen uns gut integriert und beheimatet", sagte Grgic. Integration interpretierte er als "soziale und wirtschaftliche Eingliederung".

"Die Debatte wird sehr emotional geführt", erklärte Katrin Kuhla vom Projektkoordination Netzwerk Bayern. Sie forderte eine Versachlichung. Menschen mit Migrationshintergrund seien nach 1949 zugewanderte und eingebürgerte Ausländer und deren Kinder sowie Spätaussiedler. Sie machten 20 Prozent der Bevölkerung aus. Die Muslime würden bei uns sehr stark diskriminiert und als gewalttätig dargestellt. Die Flucht in die Religion sei ihre Gegenbewegung. Die Zuwanderungsrate sei in den vergangenen Jahren stabil, denn viele Ausländer mit guter Bildung kehrten Deutschland den Rücken. Die Integration sei ein weitschichtiger Prozess. "Die Mehrheitsgesellschaft muss sich auch irgendwie verändern", so die Meinung von Kuhla. Das "Deutschsein" gebe es nicht. Deshalb wolle sie sensibilisieren, wie über die Menschen geredet werde. "Brandreden sind für die Integration schädlich", stellte sie fest.

Dr. Uwe Wenzel, Integrationsbeauftragter des Landkreises für Jugendliche, erklärte wie die Integration von jungen Leuten in der Praxis geschehe. "Wir versuchen, die Jugendlichen schulisch, beruflich, sozial und sprachlich zu integrieren." Dies geschehe auf freiwilliger Basis. Zwingen könne man niemand, sagte er auf Anfra-ge aus dem Publikum. Die Bandbreite der Betreuten Migranten reiche vom Hilfsarbeiter bis zum Ingenieur. "Es ist meist einfacher für den Hilfsarbeiter, in seinem Beruf weiterzumachen als für den Ingenieur." Wichtig für die Integration seien Bildungsangebote für alle Altersgruppen. Auch in den Augen von Wenzel ist Deutschland sehr ausländerfreundlich. In anderen Ländern werde nicht so viel für die Integration getan.

Der Abend habe zum Nachdenken und Weiterarbeiten angeregt, fasste Dekan Konrad Kronast zusammen. "Wir können sehr viel von einander lernen. Fremde Kulturen und Sprachen bereichern unser Gesellschaft", so Kronast. Er verwies dabei auf das christliche Menschenbild, wonach jeder Mensch den gleichen Wert habe.

bjr/Chiemgau Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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