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Dr. Lothar Seissiger im Corona-Interview - Teil III

Was gar nicht geht: Positiv getestet und trotzdem zur Arbeit gehen

Im Corona Interview berichtet der Mediziner aus Traunstein aus seiner täglichen Praxis
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Dr. med. Lothar Seissiger aus Siegsdorf: Covid-Experte und Impfarzt der ersten Stunde.

Im dritten und letzten Teil unseres Corona-Interviews spricht Dr. Lothar Seissiger über Infektionsketten, den möglichen erneuten Lockdown. Er thematisiert, welches Szenario den Ungeimpften im Falle einer Erkrankung droht und gibt einen realistischen Ausblick, ob und wann wir wieder „normal“ ohne Pandemie leben können.

Teil eins unseres Arzt-Interviews

Teil zwei unseres Arzt-Interviews

Herr Dr. Seissiger, wie gehen die Menschen aus unserer Region mit der 2G-Regelung um?

Seissiger: Die meistens sind vernünftig. Aber ich sehe Dinge und Verhaltensweisen, die eigentlich gar nicht gehen. Manchmal beobachte ich Personen, die in Geschäften stehen oder in einen Laden gehen, die offiziell in häuslicher Isolation, sprich Quarantäne sein müssten. Da kenne ich Fälle, bei denen ein positiver PCR-Test vorliegt und man sich einfach nicht an die Vorschriften hält. Schade und unverantwortlich.

Haben die Menschen evtl. Angst, ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie ungeimpft und positiv getestet sind?

Seissiger: Selbst wenn jemand noch nicht gegen Covid geimpft ist, kann und soll er sich absolut an die Regeln halten und muss auch nicht übermäßige Existenzängste haben. Denn für alle gilt: Wenn man positiv getestet wird, ab in die häusliche Isolation und auskurieren. Falls man zum Arzt geht, und das sollte man, wird pflichtgemäß ein PCR-Test durchgeführt und jede Infektion dem Gesundheitsamt gemeldet.

Tritt dann nicht die Maßgabe ein, dass man in Quarantäne kein Gehalt mehr erhält?

Seissiger: Das ist meiner Meinung nach eine leere Drohung. Denn jeder, der offensichtlich krank ist, kann zum Arzt gehen und bekommt eine Krankmeldung. Dann greift die Lohnfortzahlung für mindestens sechs Wochen und mit Krankengeld sogar 18 Monate. Das steht allen Bürgern zu und ist gesetzlich geregelt. Das muss sogar so sein, weil ein Covid-Positiv-Getesteter in Isolation bleiben muss, bis er freigetestet ist.

50.000 Zuschauer verfolgten am 27. November im Stadion des 1. FC Köln das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Bars und Diskotheken mussten im Zuge des Lockdowns in Bayern wieder schließen. Zu den Fußballspielen dürfen aber weiterhin 2G-Zuschauer kommen. Nun gibt es wieder „Geisterspiele“.

Seissiger: Solche Regelungen sind halbherzig. Prinzipiell müssen alle Gefährdeten geschützt werden. Letztens hörte ich zum Beispiel, dass beim Bundesliga-Match in Köln das Stadion komplett ausverkauft war. Niemand trug eine Maske. Wie kann man so etwas zulassen? So kommen die Infektionsketten wieder in Gang und die Vierte Welle hört nie auf.

Also reicht das Impfen nicht aus?

Seissiger: Nicht allein. Wir müssen uns alle an die Regeln halten. In geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel im Supermarkt, die Maske tragen und den 1,5-Meter-Abstand wahren. Und parallel dazu sollten alle fleißig zum Impfen und rechtzeitig zum Boostern gehen. Und regelmäßiges Testen hilft beim Erkennen.

Brauchen wir noch einmal einen kompletten Lockdown wie 2020?

Seissiger: Ich glaube, ja. Fußballspiele mit Zuschauern und Weihnachtsmärkte sind wahre Virus-Schleudern. Aktuell haben wir etwa 70.000 Covid-Neuinfektionen pro Tag in Deutschland. 200 bis 300 Menschen sterben täglich an und mit Corona. Kindergärten und Schulen dagegen würde ich offen lassen - mit Testpflicht. Kinder unter 12 Jahren sollten erst dann geimpft werden, wenn eine Freigabe von RKI und StiKo vorliegt.

Warum fehlt offenbar so viel Personal auf den Intensivstationen unserer Krankenhäuser?

Seissiger: Das ist ein heikles Thema. Scheinbar sind 20 bis 30 Prozent des medizinischen Personals nicht gegen Covid-19 geimpft. Viele andere wiederum sind aus Überlastung oder wegen eigener Corona-Infektion krankgeschrieben. Das ist ein Teufelskreis, der zu einer Überlastung des verbleibenden Personals führt. Es fehlt auch an der Wertschätzung der Mitarbeiter/-innen durch die Politik. Große Versprechungen mit Boni fürs Pflegepersonal wurden teilweise nicht gehalten. Wenn man sich dann auch noch mit dem „einen Drittel der Unvernünftigen“ unserer Gesellschaft herumschlagen muss und sogar körperlich oder verbal attackiert wird: Warum sollte man sich so einem Risiko in der Arbeit aussetzen?

Würden Sie noch ungeimpfte Covid-Patienten behandeln?

Seissiger: Ich ja, weil ich immer noch fest an den Hippokratischen Eid glaube.

Warum wurde das Impfprogramm bei der Schweinegrippe (2009) relativ schnell wieder aufgegeben?

Seissiger: Die Schweinegrippe hat sich bei den Menschen nie zur wirklichen Pandemie ausgewachsen, war auch sicher nicht so ansteckend.

„Ebola hat einen Teil seines Schreckens verloren“

Warum hatte die erste SARS Pandemie 2002/03 keine solch gravierenden Auswirkungen wie SARS-Cov-II?

Seissiger: Diese hat sich durch Kontrollen, unwesentliche Beschränkungen, Hygiene und ohne Impfung in den Griff bringen lassen. Denken wir an Ebola: Die Viruserkrankung verursacht in Phase zwei ein hämorrhagisches Fieber und hat durch ihre rasche tödliche Wirkung einen Schock-Effekt. Den hat Ebola in großen Teilen verloren, weil wir mittlerweile dagegen impfen können. In Risikogebieten wird die Bevölkerung in unmittelbarer Umgebung geimpft.

Werden wir jemals wieder ein Leben ohne Pandemie erreichen? Wann könnte es soweit sein?

Seissiger: Da hilft ein Blick auf vorangegangene Pandemien. Jede Pandemie wurde irgendwann beendet. Entweder mit Hilfe der Medizin, oder der Hygiene, oder weil sich die Virulenz der Erreger geändert hat. Der Zeitpunkt eines Endes ist schwer vorherzusehen. Außerdem werden neue Pandemien kommen.   

Seine Stellungnahme zu möglichen Impf-Nebenwirkungen vom Februar 2021

Chiemgau24.de bedankt sich bei Dr. Lothar Seissiger für seine Geduld und die ausführlichen Antworten auf alle unsere Fragen rund um die Corona-Pandemie.

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