Über 300 Retter bei Großübung in Siegsdorf gefordert

Unglück mit zwei Bussen und sieben Autos fordert über 60 Verletzte

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Siegsdorf - Es ist still, bedrückend still, beängstigend – Peter Bittner steigt aus dem Einsatzleitfahrzeug aus und läuft zu einem verunglückten, auf der Seite liegenden Reisebus. Daneben ein zertrümmerter Personenwagen.

Ein weiterer großer Bus ist eine Böschung hinabgestürzt, liegt kaum sichtbar zwischen Bäumen und Gestrüpp. Er schaut sich weiter um: Mehrere Fahrzeuge sind in die Unfallstelle gerast, ähnlich einer Massenkarambolage, die Autos zerbeult, zertrümmert, ineinander verkeilt. 

Die anfängliche Stille weicht Schmerzensschreien, Hilferufe aus unbekannter Richtung sind zu hören „Hilfe, hört mich jemand, Hilfe, kann mir bitte jemand helfen!“ Wimmern und Jammern, blutverschmierte Gesichter, eine Frau steht plötzlich neben Bittner, zerrt an seinem Ärmel und bittet, er möge ihrem bewusstlosen Sohn helfen. Bittner ist Einsatzleiter der Feuerwehr Siegsdorf und als erster an einer Unfallstelle am Alzinger Berg, an der Kreisstraße zwischen Siegsdorf und Bergen. 

Der Straßenabschnitt war am vergangenen Samstag Schauplatz für eine Großübung von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei. Sehr realitätsnah wurde dort ein Verkehrsunfall in Szene gesetzt - mit zwei verunglückten Bussen und sieben Pkw – bei dem mehr als 60 Menschen verletzt wurden, viele davon in den Wracks eingeklemmt. 

Bittner, dessen Aufgabe die Ersterkundung ist, zeichnet das, was er sieht kurz auf einer Skizze auf, greift zum Funkgerät und fordert bei der Integrierten Leitstelle neben den schon alarmierten Kräften eine große Zahl weiterer Einsatzkräfte an. Daraufhin treffen im Minutentakt die Feuerwehren aus Eisenärzt, Hammer, Vogling, Bergen, Holzhausen, Ruhpolding und Haslach, Rettungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes aus dem gesamten Landkreis, des Malteser Hilfsdienstes, der Bergwacht und Polizei an der vermeintlichen Unglücksstelle ein – insgesamt mehr als 300 Rettungskräfte

Einsatzleitung teilt Abschnitte ein

Zunächst herrscht Chaos, was bei Art und Umfang des nachgestellten Unglücks völlig normal ist. Doch schnell formiert sich die Einsatzleitung und ordnet die Rettungsaktion in Abschnitte. Die Floriansjünger aus Bergen und Holzhausen befreien die Verunglückten aus drei in- und übereinander verkeilten Fahrzeugen im westlichen Einsatzabschnitt. Aus dem, auf der Fahrbahn liegenden Reisebus werden 33 Verletzte gerettet. Die Feuerwehr schneidet die Frontscheibe auf, auch die Dachluken werden entfernt, zwischen Sitzen eingeklemmte Verletzte werden befreit, aus dem Bus gerettet und dem Rettungsdienst zu weiteren Behandlung übergeben. 

Viel schwieriger gestaltet sich die Rettung des, am steilen Abhang liegenden Busses. Das Wrack wird zunächst umfangreich mit Drahtseilen gegen weiteres Abstürzen gesichert, Bäume und Büsche werden mit Motorsägen entfernt um einen Zugang und das Abtransportieren der Verletzten sicherzustellen. Helfer von Bergwacht und Feuerwehr arbeiten bei der Rettung der Verletzten aus steilem Gelände eng zusammen. Die Drehleiter der Feuerwehr Ruhpolding wird in Stellung gebracht und am Leiterende eine Trage angebracht, mit der aus dem Bus befreite Schwerverletzte auf Fahrbahnniveau gehievt werden. 

In einem ebenfalls abgestürzten Pkw sind eine Mutter und ihr Kleinkind eingeklemmt – eine besonders herausfordernde Rettung für Floriansjünger und Sanitäter beginnt. Mit Rettungsschere und Spreizgerät werden verbeulte Türen geöffnet oder Fahrzeugdächer abgeschnitten, um Verletzte möglichst schonend zu retten. 

Rotes Kreuz richtet Sammelstelle ein

In der angrenzenden Wiese richten die Rot-Kreuz-Helfer eine Verletztensammelstelle ein. Notärzte und Sanitäter sichten die Verletzen nach Verletzungsgrad, legen Prioritäten fest, welche zuerst und vorrangig erstversorgt und abtransportiert werden müssen. Zudem werden alle Verletzten registriert, mit Anhängekarten versehen. Der enge Raum an der Unfallstelle erfordert eine strikte Koordination beim Abtransport der Verletzten mit Rettungs- und Krankenwagen. 

Zwei Personen werden als vermisst gemeldet. Feuerwehrhelfer suchen die Umgebung der Unfallstelle ab, unterstützt von der BRK-Rettungshundestaffel. Zwei Stunden nach der Erstalarmierung sind alle Verletzten aus den Unfallfahrzeugen befreit und gerettet und zur Verletztensammelstelle gebracht. Nach einer weiteren Stunde sind die sieben Schwerst- und 13 Schwerverletzten in Kliniken abtransportiert, ebenso alle Leichtverletzten von BRK-Helfern erstversorgt und einer Behandlung zugeführt. Weitere Betroffene des Unglücks werden zu einer Betreuungsstelle der Malteser gebracht, die in der Volksschule in Siegsdorf eingerichtet wird. Dort steht auch das Kriseninterventionsteam bereit. 

Koordiniert wurde die Übung von der Feuerwehr-Einsatzleitung, unterstützt von der Kreisbrandinspektion und der Sanitätseinsatzleitung mit Leitendem Notarzt und Einsatzleiter Rettungsdienst. Viele der Übungsteilnehmer verausgabten sich bis an die Grenzen ihrer Kräfte, schweißgebadet lehnten sie an der Leitplanke oder saßen erschöpft auf der Straße, nachdem das Übungsende verkündet war. Einer der Feuerwehrhelfer hatte eine Kreislaufschwäche erlitten und musste ärztlich behandelt werden, war aber bald wieder auf den Beinen. 

Die Verantwortlichen aller mitübenden Hilfs- und Rettungsdienste würdigten am Ende die Feuerwehr Siegsdorf für die hervorragend organisierte, sehr anspruchsvolle Übung. Das Szenario wurde vorab weitgehend geheim gehalten und dank der perfekten Inszenierung mit Dutzenden von Verletztendarstellern, die von der Gruppe für Realistische Unfalldarstellung der Malteser entsprechend geschminkt und instruiert wurden, fanden die Einsatzkräfte eine anspruchsvolle und erfahrungsreiche Übungssituation vor. 

Pressemeldung Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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