Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rosi Bauer sorgt sich um die Zukunft

Hoffen auf ein Weihnachtswunder: Siegsdorfer Christkindl-Museum sucht neue Heimat

Rosi Bauer mit einer von ihr restaurierten Truhenkrippe aus dem 19. Jahrhundert. Effner
+
Rosi Bauer mit einer von ihr restaurierten Truhenkrippe aus dem 19. Jahrhundert. Effner

Das Christkindlmuseum in Siegsdorf ist ein Haus, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint – voller Wunder, Raritäten und Kostbarkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten. Rund 1000 Exponate hat Rosi Bauer hier zusammengetragen. Nun sorgt sich die 80-Jährige um deren Zukunft.

Siegsdorf – „Es sind Schätze echter Volksfrömmigkeit und wertvolle Zeugnisse der Jesukind-Wallfahrten, die vor der Säkularisation noch sehr verbreitet waren in Deutschland“, sagt die 80-Jährige. Über fast fünf Jahrzehnte hat die Siegsdorferin in den Museumräumen, die vis-à-vis vom Naturkunde- und Mammut-Museum liegen, und in ihrem eigenen Haus eine einzigartige Sammlung zusammengetragen. Für Erhalt und Restaurierung vieler Funde und Leihgaben hat sie sich eigens alte Techniken wie Formenbau, Wachsguss, Paramenten-Stickerei und Klosterarbeiten beigebracht.

Rosi Bauer im Siegsdorfer Christkindlmuseum mit einem großformatigen, goldverzierten Krippenbuch, einer echten Rarität.

Die Zukunft der vielen Fatschenkinder, Gnadenbild-Kopien, Klosterarbeiten, Krippen, Andachtskästchen und weiteren Beispielen religiöser Volkskunst aus sechs europäischen Länder ist völlig offen. Der Grund: Zehn Jahre nach der Eröffnung des Christkindlmuseums im Alten Feilhaus ist der Mietvertag mit der Gemeinde Siegsdorf ausgelaufen. Der Vertrag wird jetzt nurmehr jährlich verlängert. Für Rosi Bauer ist klar: Die Christkindl müssen sich eine neue Bleibe suchen.

Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Siegsdorf

Siegsdorf Bürgermeister Thomas Kamm erklärt die Hintergründe: „Die Betreuung, Pflege und auch Erklärung der Sammlung für die Besucher ist unmittelbar an die Person von Rosi Bauer geknüpft. Es ist ihr Lebenswerk. Sie kennt die ganzen Geschichten der Exponate und ist auch handwerklich Expertin für deren Erhalt. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren viel investiert, etwa in Klimatechnik für die Arbeiten aus Wachs, und anderes. Ergänzend gibt es Überlegungen, das Alte Feilhaus für Sonderausstellungen des Naturkundemuseums zu nutzen. Die Schwierigkeit ist, dass es aktuell niemand gibt, der die Expertise von Frau Bauer mitbringt zur langfristigen und fachgerechten Betreuung der Sammlung.“

Verschiedene Jesuskinder und Klosterarbeiten aus ganz Deutschland zeigt diese Vitrine.

Busweise kamen die Besucher aus den Nachbarländern

Durch Corona ist die Sammlung aktuell geschlossen. Rosi Bauer erinnert sich, dass in den besten Zeiten busweise Besucher bis aus Österreich, der Schweiz und Italien kamen, um sich die Kostbarkeiten und erstklassigen Zeugnisse tiefer Volksfrömmigkeit anzusehen. Dazu zählen auch Raritäten wie das rekordverdächtige Miniatur-Christkindl von 0,5 Zentimeter Durchmesser, eine Miniaturkrippe im Hühnerei oder das rätselhafte Logos-Kind aus Elfenbein, das im 17. Jahrhundert im indischen Goa entstanden ist.

Mit Begeisterung erzählt Bauer auch die zum Teil abenteuerlichen und verwickelten Geschichten, wie das Prager Jesulein, das italienische Santo Bambino oder eine Kopie des bekanntesten Christkind Bayerns, das Münchner Augustinerkindl, ins Museum gekommen sind.

Diese Wachsfigur eines italienischen Bambinos aus dem 19. Jahrhundert wirkt durch die eingesetzten Glasaugen lebensecht.

Wunder-Geschichten und echte Hingucker

Das dem Augustinerkloster geschenkte Jesukind soll 1624 einem Pater beim Wegräumen aus den Händen gefallen sein und sich später auf wundersame Weise selbst wieder nahtlos zusammengesetzt haben. Echte Hingucker sind auch Bauers „Himmelswerkstatt“ mit lebensgroßen Figuren oder die großformatigen und goldverzierten Krippenbücher mit Figuren zum Aufklappen. „Ich hoffe sehr, dass meine Sammlung von Christkindlein und Krippen zusammenbleiben kann und einen würdigen Platz findet“, sagt die 80-Jährige. „In der Weihnachtszeit geschehen ja mitunter noch Wunder.“

Weder der Diözesanbischof noch die Fürstin haben Interesse an der Sammlung:

An Rosi Bauers großformatigen und goldverzierten Krippenbüchern zeigte auch Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer aus Regensburg bei einem Besuch in Siegsdorf besonderes Interesse. Bauer hatte ihn auf der verzweifelten Suche nach passenden Räumlichkeiten zum Erhalt ihrer Sammlung als Dauerleihgabe kontaktiert. „Leider waren viele andere Exponate für den Herrn Bischof weniger interessant.“ Eine Absage erhielt Bauer auch von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Ihre Vision von einem „Weihnachtshaus“ im Regensburger Schloss oder Kloster mit Krippen, Christkindl, Klosterarbeiten, Christbaumschmuck und Kinderspielzeug aus vergangenen Zeiten war dort auf wenig Resonanz gestoßen. Auch im Chiemgau hat Rosi Bauer ihre Fühler bereits ausgestreckt. Weder im Ruhpoldinger Holzknechtmuseum noch in den Heimatmuseen in Ruhpolding oder Traunstein gab es passenden Platz. Rund 40 Christkindlein haben sich deshalb bereits auf Wanderschaft begeben. Sie sind bis März 2022 im Rahmen der „Christkindl“-Sonderausstellung im Egerland-Museum in Marktredwitz zu sehen. Momentan zeigt zudem der erste Ruhpoldinger Krippenweg rund 50 Krippen aus Bauers Sammlung in 30 Schaufenstern der Geschäfte entlang der Bahnhof- und Hauptstraße.

Kommentare