Selbstbestimmtes Leben auch im Alter

Traunstein - Die SPD-Kreistagsfraktion veranstaltete eine öffentliche Gesprächsrunde mit Seniorenbeautragten und Politikern, um die Wohnprojekte den neuen Anforderungen anzupassen.

Laut Sozialraumanalyse ist in den letzen zehn Jahren der Anteil der über 65 jährigen um weitere vier Prozent auf nun 22 Prozent gestiegen. Zeitgleich nahm die Zahl der Altenheime von 19 auf 24 zu. Doch der gestiegene Bedarf muss gezielt gedeckt werden, denn, so die SPD im Kreistag, "die Senioren wollen ihr Lebensumfeld auch im Alter selbst bestimmen". Sie fordert daher auf die neuen Anforderungen adäquat zu reagieren.

In einem offenen Gespräch mit der Geschäftsführerin der Kreisaltenheime Monika Samar und Seniorenvertretern aus dem Landkreis legte sie eine potenzielle Marschrichtung fest. Zunächst gab Monika Samar einen kurzen Sachstand zu den Kreisaltenheimen. Aktuell, so die Geschäftsführerin, stehe der Neubau des Trostberger Kreisaltenheims kurz vor dem Abschluss. Als besondere Einrichtung erwähnte sie den Antonius-Garten. Dieser Garten auf dem Altenheimgelände sei wie ein kleiner Dorfplatz mit Maibaum, Sitzplätzen und Kapelle speziell für Demenzkranke angelegt. Sogar Kleintierhaltung sei dort angedacht. Ziel sei es, "Weglauftendenzen" über dieses Modell zu vermeiden. In Palling konnten die Kosten für kleinere, ältere Zimmer abgesenkt werden. Für Grabenstätt wurde eine neue Schwesternrufanlage eingerichtet.

Auf die Frage Niederlöhners nach der Situation bei der Belegschaft erläuterte Monika Samar, dass man in der Pflege zwar über 90 Vollzeitkräfte mit einem sehr hohen Fachkraftanteil verfüge. Aufgrund eines attraktiven Angebots im näheren Umfeld und des Fachkräftemangels ergeben sich hier jedoch auch Abwanderungstendenzen. "Die Konkurrenz schläft nicht", bestätigte auch Waltraud Wiesholer-Niederlöhner.

Gerade der demografische Wandel, die Attraktivität des Voralpenlandes und der gestiegene Bedarf ließen immer mehr Private ins Geschäft mit dem "Wohnen im Alter" im Landkreis einsteigen. Grabenstätt bekomme dies bereits zu spüren. Ernst Holl von der AWO-Pflegedienstberatung bemängelte, dass vor allem bei privaten Investoren die Fachkräftebezahlung und Betreuung auf der Strecke bleibe. Bestrebungen, wie die in Trostberg mit eigens für Demenzkranke eingerichtete Einrichtungen begrüßte er daher sehr. Überhaupt, so die Fraktionsvorsitzende, müsste mehr auf die Bedürfnisse alter Menschen eingegangen werden. "Senioren wollen ihr Lebensumfeld selbst bestimmen", so Wiesholer-Niederlöhner und brachte das Modell der "Wohngemeinschaften im Alter" zur Sprache, das betreute Wohngemeinschaften in gemeinsam finanzierten und geförderten Gebäuden vorsehe.

In Rosenheim etwa sei ein solches Gebäude mit Mitteln der landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft geschaffen worden. Für Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke mache das Modell Sinn und in seiner Kommune gebe es nach wie vor ernsthaftes Interesse, durch den gemeinsamen Kauf oder Bau eines solchen Hauses den Lebensabend zu bestimmen. Bei entsprechend finanziellen Rücklagen sei dies eine attraktive Option. Jedoch sei heutzutage eine niedrige Rente noch die Realität.

Skeptisch zeigte sich daher Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl gegenüber der neuen Energieeinsparverordnung für Vermieter. Die hohen Sanierungskosten hierfür müssten auf die Mieten umgeschlagen werden und die kann sich eine alte Witwe oft nicht leisten. Attraktiver, so Ernst Holl, seien da Fördermöglichkeiten zum altersgerechten Umbau der eigenen vier Wände, da viele alte Menschen lieber zu Hause bleiben wollen. Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler lobte das Modell der „barmherzigen Schwestern“ in Ruhpolding mit integrierter ambulanter Kurzzeitpflege. „Hier steht der Mensch noch im Mittelpunkt“, so Pichler.

Für den stellvertretenden Landrat Sepp Konhäuser zeichnen sich klar eher sinkende denn steigende Renten in Zukunft ab. Somit bedürfe es auch einer Förderung von altersgerechten Gebäuden. Betreuter Wohnraum sollte daher seiner Meinung auch von der Wohnungsbaugesellschaft gefördert werden. Damit würde man allen Anforderungen gerecht und könnte betreutes Wohnen im Alter bei moderaten Preisen ermöglichen.

sts

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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