"Schwabls Werk am Leben erhalten"

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Anni Friesinger (links) beim Weltcup im Februar 2008, Symbol für die Erfolgsgeschichte des Eisschnelllauf-Standorts Inzell. Foto mergenthal

Inzell (CH-Z) - Eine Diskussion über die Benennung der neuen Inzeller Eishalle und über die Würdigung der Verdienste des verstorbenen Altbürgermeisters Ludwig Schwabl regte nun Anton Eicher, der Verfasser des neuen "Inzell"-Buches, an.

Angesichts der Überlegungen, die neue Eisschnelllaufhalle nach einem Sponsor zu benennen, forderte Eicher in einem offenen Brief an die Gemeinderäte: "Das neue Stadion sollte durch die Namensgebung Ludwig Schwabls Verdienste um den Inzeller Eisschnelllauf und sein Lebenswerk würdigen. Ehre, wem Ehre gebührt!" In der Gemeinde wird indes darüber nachgedacht, künftig alternativ einen Platz oder eine Straße nach Ludwig Schwabl zu benennen.

Wie die fertige Eishalle benannt wird, steht laut Bürgermeister Martin Hobmaier noch nicht fest. Zurzeit heißt die Sportstätte, die auch Bundesleistungszentrum ist, "Ludwig-Schwabl-Eisstadion".

"Es ist Ludwig Schwabls Verdienst, dass es in Inzell noch heute Eisschnelllauf gibt", schreibt Eicher in seinem Brief an die Gemeinderäte einleitend. Zur Veranschaulichung zitiert er ausführlich aus dem alten Inzeller Heimatbuch von Josef Höck. Er erinnert an die Entdeckung der fabelhaften Eisverhältnisse am Frillensee durch Franz Grimminger, der den Chiem- und Rupertigau vor 1933 eissportlich betreute, im Jahr 1932. Bis 1939 herrschte dann reger Betrieb am Frillensee, mit oft mehr als 300 Besuchern.

Ab 1956 begann laut Höck der Aufstieg von Inzell als Eisschnelllauf-Dorado: Es wurde auf dem Frillensee eine vorschriftsmäßige 400-Meter-Bahn unterhalten, ein Eisschnelllauftrainer verpflichtet und von Inzell bis Adlgaß ein kostenloser Pendelverkehr eingerichtet. "Allerdings hatte der Frillensee auch Nachteile, wenn es schneite oder bei Schlechtwetter. So mussten 1956 die Meisterschaften nach Davos verlegt und 1957 ganz ausfallen", schreibt Höck. "Das war einer der Gründe, dass der damalige Gemeindesekretär und spätere Bürgermeister Ludwig Schwabl den Plan fasste, eine Natureisbahn am Zwingsee zu errichten. Ein Test brachte Klarheit: Rund um den Zwingsee wurden ähnliche Kälteverhältnisse gemessen wie am Frillensee. Und das war für Ludwig Schwabl Grund genug, den Deutschen Sport-Bund für das erste Leistungs-Zentrum zu erwärmen. 1963 wird das Eisstadion gebaut und eingeweiht. 1965 wurde das Richtfest für den Erweiterungsbau des Stadionhauses und die Einweihung der Kunsteisbahn gefeiert. 1968 erhält das Deutsche Eisschnelllauf-Zentrum in der Kurve eine überdachte Tribüne. 1969 wird in Inzell die Eisschnelllauf-Europameisterschaft ausgerichtet und 1971 die zweite Sprint-Weltmeisterschaft", soweit das Zitat.

Da sich heute der Eisschnelllauf-Sport zum Hallensport entwickelt hat, wurden schon unter Schwabl Studien für eine Überdachung des Eisstadions erarbeitet, wie Eicher erwähnt, jedoch wegen der Finanzierung zurückgestellt.

"Was er geschrieben hat, wissen wir", meint Bürgermeister Hobmaier zu Eichers Erläuterungen. "Die Verdienste von Ludwig Schwabl habe ich in der Vergangenheit gewürdigt und werde sie auch in Zukunft würdigen." Für eine öffentliche Anerkennung der Verdienste Schwabls sieht er "viele Möglichkeiten", etwa, einen Platz oder eine Straße in Inzell nach ihm zu benennen. "Ich möchte das im Gemeinderat besprechen", so der Rathauschef. Auch mit der Familie von Ludwig Schwabl sei er im Gespräch.

Fest steht für den Bürgermeister: "Das Eisstadion wäre nicht bleibend gewesen ohne Halle." Durch eine Halle könne das, was Schwabl und seine Mitstreiter begonnen hätten, erfolgreich - auch wirtschaftlich - weitergeführt werden. "Wirtschaftlich erfolgreich" könne bedeuten, dass man sich zur Namensgebung nach einem Sponsor entschließe, um den Steuerzahler zu entlasten, ohne dabei den Namen von Ludwig Schwabl in der Öffentlichkeit auszublenden. "Wir wollen ja sein Werk am Leben erhalten", beteuert Hobmaier. Er habe mit Schwabl vor seinem Tod noch viel über die erfolgreiche Eisschnelllauf-Vergangenheit gesprochen und auch über die Zukunft gesprochen. "Er hat meine Bemühungen auch gewürdigt", so Hobmaier. Ihm gehe es dabei um Inzell und nicht um seine eigene Person.

vm/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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